Blickwinkel

Heißer Werbe-Sommer

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Toy-Partys bei dm – wer kommt denn auf so eine Idee? Offenbar die Marketing-Verantwortlichen des Erotikshops Amorelie. Seit Sommer vergangenen Jahres liegen in dm-Filialen bereits Gleitgele und Spielzeug für Damen in unmittelbarer Nachbarschaft zu Waschmittel und Windeln – was dem Unternehmen für intime Stunden ein ansehnliches Umsatz-Plus von 55 Prozent bescherte. Dieses Wachstumspotential soll nun weiter gepusht werden. 

Lustbereiter nach Ladenschluss

Was liegt da näher, als eine Toy-Beratung nach Ladenschluss in „netter Atmosphäre“? Klar, dass so ein Event in der hessischen Kleinstadt Kirchhain startet. Im Juni geht die bundesweite Aktion los. Interessentinnen über 18 Jahre können sich und maximal vier Freundinnen auf der dm-Webseite für das kostenlose, zweistündige Event anmelden. Als kleiner Anreiz wird unter allen Teilnehmerinnen ein „Starter-Kit“ (bestehend aus Kerze, Gleitgel und Minivibrator) verlost. Ab 23. Juni kommen dann beispielsweise experimentierfreudige Berlinerinnen in den Genuss der fachkundigen Einweisung – an deren Anschluss natürlich auch Produkte gekauft werden können. Lediglich den vornehmen Hanseaten war die Aktion anscheinend zu heiß – so müssen Hamburgerinnen für die Amorelie-Party bis nach Lübeck oder Kiel fahren.


PENNY goes Party, too

Weniger exklusiv, aber ebenso kreativ, sind die Marketing-Kampagnen des Discounters PENNY. Dieser versucht bereits im dritten Festivalsommer mit Dosenbier, Grillwurst und Curryketchup eine jugendliche, preisbewusste Zielgruppe für sein Sortiment zu erwärmen. „Activation“ wird es in modernem Marketing-Deutsch genannt, wenn Verbraucher mit überraschenden Aktionen für eine Marke aktiviert werden sollen. So versorgt die Supermarktkette nicht nur vor Ort in PENNY-Stores auf dem Hurricane, dem Parookaville und dem Highfield Festival hungrige und durstige Konzertbesucher. Bei der „heißesten (und vermutlich einzigartigsten) Ladenparty des Jahres“ überraschte der Discounter auch mit einem wilden Live Gig des Retro-Rap-Duos 257ers in einer Hannoveranischen Filiale. Angeblich konnte der Markt am nächsten Tag wieder regulär öffnen, ohne unangenehme Überraschungen für die Bestandskunden oder übrig gebliebene Schnapsleichen.


Mysteriös leere Regale

Kein wildes Konzert, sondern leere Regale fanden dagegen überraschte Kunden eines Edeka-Marktes in der Hamburger Hafencity an einem Samstag im vergangenen Sommer vor. Während Stammkunden vor Ort unkten, dass die sozialistisch anmutende Übersichtlichkeit dort doch Normalzustand sei – die auf eine Büroklientel ausgerichtete Filiale überrascht tatsächlich des Öfteren durch eine erstaunliche Knappheit an Grundnahrungsmitteln – feierte man in den sozialen Medien schon die gelungene Aktion gegen Rassismus. Prangten in den leeren Regalen doch Schilder mit Botschaften wie „So leer wären unsere Regale ohne Ausländer“ oder „Unsere Auswahl kennt heute Grenzen“. Erst später stellte sich heraus, dass der Supermarkt in Wahrheit nur Location eines Werbedrehs war – die Spekulationen im Web aber von der dahinter stehenden Werbeagentur Jung von Matt durchaus beabsichtigt.


Überrasch mich!

Insofern dürfen wir gespannt sein, mit welch kreativen Aktionen die Werbebranche die Nation im WM-Sommer überraschen wird. Rappende Fußballspieler in Eisdielen, vielleicht? Bier-Verköstigungen in der Apotheke mit anschließendem Alka-Seltzer-Chillen? Oder ein spontaner Erotik-Filmdreh im Fleischgroßmarkt –hoffentlich nicht.

Autor: KS

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