Blickwinkel

Uberpreneure: Business für den Beifahrersitz

Crossmedia

Ein Schelm, wer beim Begriff Uberpreneure an etwas Übles denkt, denn tatsächlich handelt es sich bei dieser Wortschöpfung eher um cleveres Cross-Selling, das einige Uberfahrer rund um ihre Tätigkeit für die umstrittene und erfolgreiche Fahrdienst-App anbieten.

Das Wirtschaftsmagazin Forbes stellt einen dieser Uberpreneure und sein Geschäftsmodell vor. Gavin Escolar chauffiert seine Uber-Fahrgäste wie wohl mehr oder minder jeder andere der zahlreichen Uber-Fahrer quer durch San Francisco. Das Besondere an Escolar ist, dass seine Fahrgäste sich nicht bloß auf seinem Beifahrersitz oder auf seiner Rückbank befinden, sondern mit Besteigen seines Vehikels gleichzeitig auch seinen Schmuck-Showroom betreten. Denn der findige Fahrer stellt Ohrringe, Armbänder sowie andere individuelle Schmuckstücke her und präsentiert diese zum Anfassen oder in seinem Katalog, während er für Uber arbeitet.

Das wiederum stört den Fahrdienst-Mitfahr-Vermittler überhaupt nicht. Im Gegenteil: Uber sieht in Beispielen wie jenen von Gavin Escolar seinen Beitrag darin, das lokale Business der in weltweit über 260 Städten agierenden Uber-Fahrer zu stärken. Bei Escolar ist diese Rechnung mit jedem Kilometer mehr aufgegangen. In den letzten 18 Monaten saßen rund 3.800 Mitfahrer bei ihm im Auto. Zusammen mit seinen Uber-Einkünften erzielte er letztes Jahr dank seiner kongenialen Verkaufsstrategie und seinem Marketingtalent schmucke 252.000 US-Dollar.

Das beifahrende Business entwickelte sich so gut, dass er mittlerweile acht eigene Fahrer beschäftigt, die ebenso wie er – aber eben auch für ihn – zu erfolgreichen Uberpreneuren werden sollen. An solventer oder kompetenter Lauf- bzw. Mitfahrkundschaft mangelt es jedenfalls nicht.

Escolar macht Schule

Ebenso klar ist, dass sein Beispiel Schule gemacht hat – bei Uber, wie auch bei Fahrern anderer Anbieter. Doch nur wenige sind so erfolgreich. Zudem besteht die Gefahr, dass wenn die PS-Salesmen ihr persönliches Geschäft zu sehr pushen, sich die Mitfahrer belästigt fühlen könnten – mit dem Ergebnis einer schlechten Bewertung, wodurch am Ende Fahrgäste ausbleiben und das Nebenbei-Business ebenso leiden würde.

Gefahr für angehende Uberpreneure droht jedoch auch von anderer Seite. So hat New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio jüngst ein Moratorium gegen die Motorhauben von Uber, Lyft und Co. erwirkt. Für mindestens ein Jahr dürfen keine neuen Autos zu den bereits bestehenden 80.000 Vehikeln mehr zugelassen werden. In dieser Zeit wollen sich die Big-Apple-Verantwortlichen ein Bild darüber verschaffen, welche Auswirkungen Uber und Co. auf New Yorks Verkehr und Taxi-Dienste haben.

Didi Chuxing: Chinas „militärische“ Antwort auf Uber

In China fahren derweil andere Business-Modelle auf dem Fahrersitz hausgemachter Mitfahr-Dienste mit. So beschäftigt Chinas Mitfahranbieter-Marktführer Didi Chuxing rund 3,9 Millionen pensionierte Militärs der Chinesischen Volksarmee als Fahrer und leistet damit einen Beitrag zum Abbau der hohen Arbeitslosenrate innerhalb der Gruppe der Veteranen. Von denen gibt es in China nämlich 57 Millionen. Mit knapp 4 Millionen, die nun mit einem Stundenlohn von etwas mehr als 2 Euro für Didi fahren und damit sogar über dem durchschnittlichen Stundenlohn eines Arbeiters in Peking liegen, macht diese Gruppe 6,8 Prozent aller Ex-Militärs aus. Und die Perspektiven, dass sich bald noch mehr ehemalige Soldaten der Volksarmee hinters Steuer klemmen und für Didi Chuxing fahren werden, sind insgesamt prächtig. Über 700 Millionen Chinesen, gut die Hälfte der Bevölkerung der Volksrepublik, sollen letztes Jahr einen der zahlreichen Shareconomy- bzw. Sharing-Economy-Services genutzt haben. Zudem erwartet man, dass dieses Segment, das im vergangenen Jahr um spektakuläre 47 Prozent zulegte, in den nächsten fünf Jahren um jährlich 30 Prozent wachsen wird. Keine Frage also, dass auch für Didi Chuxing und damit ebenso für potenzielle neue Fahrer noch viel Luft nach oben ist. Und gerade Ex-Militärs sind sehr gefragt, da sie alleine aufgrund ihrer Ausbildung sowie Erfahrung durchschnittlich bessere Bewertungen als andere Fahrer erhalten und damit folglich öfter gebucht werden und mehr verdienen.

Wem all diese Mitfahrdienst-Millionen zu hoch vorkommen, sollte wissen, dass letztes Jahr über das in Peking ansässige Didi – an dem chinesische Tech-Giganten wie Alibaba und Tencent ebenso beteiligt sind wie Apple – insgesamt 7,4 Milliarden Fahrten abgewickelt wurden. Uber konnte im selben Zeitraum „nur“ 4 Milliarden verbuchen. Auch spannend wird die Frage, ob Chinas Veteranen ihre Autos ähnlich erfolgreich wie Gavin Escolar zum Showroom für ihr Cross-Selling umbauen werden und ob Didi das überhaupt in den Fahrplan passt.

Autor: MB

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