Blickwinkel

Anti-AfD-Kampagnen im OoH

Aussenwerbung

Adbusting fordert politische Stellungnahmen von Nutella & Coca Cola

Nach Coca Cola wurde nun mit Nutella ein weiterer Markenhersteller genötigt, Stellung zur AfD-Politik zu beziehen. „Lieber braun aufs Brot als braun im Kopf„ lautet der Slogan eines Anti-AfD-Plakats, welches am 10. Dezember vor der Europakirche in Berlin platziert wurde und sofort auf Twitter viral ging.

Gekapert“ wurde die Out-of-Home-Werbefläche von dem Berliner Netzwerk Stay Behind Foundation, laut Eigenauskunft „ein Zusammenschluss demokratisch aktiver und engagierter Menschen“. Nur sieben Tage zuvor forderte ein großflächiges rotes Poster in Coca-Cola-Optik auf dem Berliner Lützowplatz dazu auf: „Für eine besinnliche Zeit: Sag' Nein zur AfD!“.

Das Motiv ist am 4. Dezember auch in einem virtuellen Adventskalender der Intiative #AfDentskalender zu finden, welche die Guerilla-Kampagne auch auf Twitter verbreitete. Sowohl Coca Cola als auch der italienische Süßwarenkonzern Ferrero, welcher Nutella produziert, streiten die Urheberschaft ab. Während sich Coca Cola aber wohlwollend zu der Aktion äußerte, gibt es von Ferrero derzeit noch kein offizielles Statement.

Vorweihnachtliche Unruhe im Social Web

Derweil ist es im Social Web auf allen Seiten des politischen Lagers alles andere als ruhig und besinnlich. Während anfangs noch über die Urheberschaft der Aktionen spekuliert wurde und die beiden Konzerne im Anti-AfD-Lager als Helden gefeiert wurden, mehrten sich später auch kritische Stimmen, welche die Heldentauglichkeit der Marken kritisierten. Da mag vielleicht etwas Wahres dran sein, allerdings boten sowohl der von Coca Cola erfundene Santa Claus als auch der braune Brotaufstrich unbestritten tolle Steilvorlagen für derartige vorweihnachtliche Guerilla-Kampagnen.

AfD-#metoo mit juristischen Konsequenzen

Apropos Steilvorlage: Natürlich ließ es sich die AfD nicht nehmen, dem Coca Cola Weihnachtsmann eine Retourkutsche zu verpassen. Während die AfD Gelsenkirchen auf Twitter noch vor dem Fake warnte und sich empörte „die Gegner der AfD schrecken vor nichts zurück und nehmen dabei die Beschädigung Dritter mit in Kauf“, tat ein anderer AfD-Kader genau dies und beschädigte die Berliner Öffentlichkeit mit einem plumpen Pepsi-Fake-Plakat auf der ein blau gekleideter Weihnachtsmann propagiert „Für eine besinnliche Zeit: Sag ja zur AfD!“

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Abgesehen davon, dass dieses Nachgeäffe einfallslos war, war es auch noch extrem unreflektiert. So distanzierte sich der Pepsi-Konzern nicht nur sofort von der Aktion, sondern kündigte strafrechtliche Konsequenzen an. Auch die in den neuen Bundesländern vertriebene Marke Vita Cola sah sich zu einem Dementi gezwungen, nachdem AfD-Mann Björn Höcke twitterte, in Thüringen trinke man Vita Cola.

Marken sollten Stellung beziehen

Wenn diese politischen Stellungnahmen nun auch vielleicht etwas überzuckert sein mögen, sind sie dennoch sehr wichtig (und passen ja auch gut in die kalorienhaltige Weihnachtszeit). So postulierte der Managing Director der Agentur Rapp Berlin, Florian Zühlke, vor kurzem in einem Gastartikel bei WuV: „Warum also meinen die Marken und Kommunikatoren, die allerorten um Aufmerksamkeit für ihre Inhalte buhlen, sich ausgerechnet diesen Themen entziehen zu können? Der Deal ist für die Menschen relativ einfach: Sie erwarten im Tausch gegen Konsumfreude das aktive Engagement von Unternehmen für Diversity und gegen Diskriminierung, für ökologische, soziale und kulturelle Verantwortung.“ Zu demselben Schluss kommt auch die aktuelle Studie „Deloitte Millennial Survey“, welche 10.000 junge Arbeitnehmer in 36 Ländern nach ihren Zukunftsperspektiven und der ihrer Arbeitgeber befragt. So sieht die Mehrheit der Befragten die Unternehmen in der Pflicht, einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten und sind sogar überzeugt, dass deren Einfluss größer ist als der der Kirche oder politischer Organisationen.

Konzertiertes Adbusting gegen die AfD

Natürlich sind politische Statements heikel und jede PR-Abteilung wird Markenentscheidern davon abraten. Genau aus diesem Grund sind Aktionen wie die von #AfDentskalender und der Stay Behind Foundation zu begrüßen, weil sie die Unternehmen quasi nötigen, Stellung zu beziehen. Beunruhigende Zeiten erfordern manchmal vielleicht außergewöhnliche Mittel. Und der Kalenderspruch für den 12. Dezember lautet: „Unternehmen haben durch Lobby-Arbeit großen Einfluss auf die Politik und andersherum. Motiviert Firmen und Marken durch kreative, öffentliche Aktionen dazu, Stellung zu den Inhalten der AfD zu beziehen oder fordert eure eigenen Arbeitgeber auf, aktiv zu werden.“

Autor: KS

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