Blickwinkel

Out-of-Home-Media als „Geheimnisträger“

Aussenwerbung

Wie bringt man Stellenanzeigen so in Bewegung, dass sie die richtigen Bewerber erreichen? Ganz einfach: Man hängt Plakate in Transportmedien auf und schaltet Verkehrsmittelwerbung. Macht man das dann noch in Berlin und zudem mit augenzwinkernden Texten und Motiven, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese Stellenanzeigen tatsächlich taktische Vorteile im War bzw. Fight of Talents bringen.

Sowohl das Bundeskriminalamt (BKA) wie auch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und das Auswärtige Amt (AA) kennen sich ja mit Konflikten und Waffen (der Diplomatie) aus. Und dennoch sind diese Bundesbehörden im Kampf um begehrte Bewerber oft gegen smarte Start-ups unterlegen.

Höchste Zeit also, das Terrain des Fight of Talents in den Untergrund zu verlegen. Denn genau dort verortet man ja die Arbeit von BfV und BKA. Ebenso weiß man auch, dass die Auslandsdiplomatie ihre Fäden gern in Hinterzimmern spinnt und zieht. Und so werben alle drei Bundesbehörden mit der Hilfe eines weiteren B nun folgerichtig im Untergrund. Mit Innenplakaten und Werbung auf Seitenstreifen der U-Bahnen und Busse der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), sollen geeignete Fachkräfte und ausdauernde Auszubildende gefunden und gebunden werden. Und das sogar mit cross-medialen Mitteln.

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(Quelle: DW/V.Esipov)

Out-of-Home für Spione?

In Anbetracht der bundesbehördlichen Berliner „Draußenwerbung“ stellt sich die berechtigte Frage, ob gerade der Inlandsnachrichtendienst sich so öffentlich und Out-of-Home präsentieren darf – auch wenn er seine Personalsuche mit Plakaten in Berliner U-Bahnhöfen wohl doch noch etwas verdeckter betreibt.

Die Antwort lautet schlicht und ergreifend: Fachkräftemangel – vor allem im Bereich von IT-Spezialisten. Und so scheint den mehr oder minder geheimen Bundesbehörden kein anderer Weg als der in den werbenden Untergrund zu bleiben.

Out-of-Home-Kampagne_Bundesamt-für-Verfassungsschutz.png

(Quelle: DW/V.Esipov)

Dabei wirkt der BfV-Slogan fast schon wie eine Einladung zum Einstieg in die Geheimniskrämerei für einen guten Zweck: Im Verborgenen Gutes tun! Und dort das Böse ganz geheim bekämpfen.

Bodybuilding fürs BKA?

Wieder andere Muskelgruppen will das Bundeskriminalamt spielen lassen, um dank guter Pose zum schwierigen Talentsuchspiel anziehend auf kluge Köpfe zu wirken. Und so präsentiert sich das BKA in Berliner Fitnessclubs im passenden Klapprahmen als Behörde, bei der man nicht nur Gutes, sondern sogar das Richtige machen kann. Körperlich und entsprechendes IT-Wissen vorausgesetzt.

Out-of-Home-Kampagne_Bundeskriminalamt.png

(Quelle: DW/V.Esipov)

Geheimtipp OOH-Media

Wie viele Fachkräfte den Weg direkt aus dem Untergrund hinter den behördlichen Schreibtisch finden, bleibt abzuwarten. Fest steht: Auch für Bundesbehörden führt kein Weg mehr an unter- oder überirdischen Out-of-Home-Medien vorbei. Denn diese, so aktuelle Zahlen des Fachverbands Außenwerbung (FAW) legten letztes Jahr zweistellig zu.

So wuchs der Markt für analoge Plakate, Transport Media, etc., um satte 13 Prozent (plus 248 Millionen Euro) verglichen zum Vorjahreszeitraum. Mit 2,45 Milliarden Euro Brutto-Werbespendings und einem Anteil von 7,5 Prozent an allen Werbeausgaben in Deutschland waren die Werbeträger für Draußen damit der größte Wachstumstreiber überhaupt und lagen sogar noch vor der Online-Werbung.

In diesem sehr transparenten Umfeld fühlt sich scheinbar auch die geheimbehördliche Bewerberansprache in Berlins Unterwelt wohl.

Autor: MB

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