Blickwinkel

Aufwachsen mit Cybermobbing und Sexting

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Erwachsen werden im digitalen Zeitalter – diesmal wurden Eltern zu diesem spannenden wie heiklen Thema befragt. Und zwar von der Agentur Wavemaker im Auftrag von Vodafone. Mit abermals beunruhigenden Ergebnissen. So ist laut der Studie „Grow Up Digital“ heute fast jedes zehnte Kind zwischen 13 und 17 Jahren von Cybermobbing betroffen. Sechs Prozent von ihnen haben laut Aussage der Eltern bereits Erfahrungen mit Sexting, dem Verschicken freizügiger Fotoaufnahmen und anzüglicher Texte, gemacht.

Elterliche Verantwortung zur Aufklärung

Drei Viertel der befragten Eltern sind davon überzeugt, dass die Kinder digitale Gefahren wie Cybermobbing oder Sexting gar nicht ausreichend abschätzen können. Nicht weniger problematisch ist allerdings der Umstand, dass ein nicht gerade geringer Teil der Eltern dies offenbar auch nicht umfassend kann – oder will. Lediglich 41 Prozent von ihnen haben für ihre Kinder bereits entsprechende Schutzmaßnahmen getroffen. Nur 57 Prozent erachten die Aufklärung über Cybermobbing, Sexting & Co zu allererst als ihre eigene Aufgabe. 71 Prozent der Eltern wünschen sich mehr digitale Aufklärung an den Schulen. Scheint fast so, als wollten nicht wenige ihre Verantwortung an die Schulen delegieren. Auch wenn diese Zahlen einige Fragen aufwerfen, offenbaren sie zumindest eine gesteigerte Sensibilität im Vergleich zu einigen Jahren vorher.

Cybermobbing als gesellschaftliches Phänomen

Cybermobbing hat sich zu einem virulenten Problemfeld in Schulen und im privaten Umfeld entwickelt. Insgesamt sind in Deutschland etwa 1,4 Millionen Schülerinnen und Schüler betroffen. So gibt die repräsentative JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest für das Jahr 2017 an, dass jeder Dritte (34 Prozent) in der Altersgruppe der 12- bis 19-Jährigen bekundet, in seinem Bekanntenkreis wäre schon einmal jemand im Internet oder per Handy „fertig gemacht“ worden.

Beunruhigende Zahlen und Zusammenhänge

Auch die gemeinsame Studie der Organisation „Bündnis gegen Cybermobbing“ und der Telekom fährt im vergangenen Jahr beunruhigende Zahlen und Zusammenhänge auf. So seien die Übergänge zwischen Täter- und Opferschaft zum Teil fließend: Jeder fünfte Täter war den Angaben zufolge selbst schon Opfer von Cybermobbing – das Motiv ist entsprechend oft Rache (28 Prozent). Am häufigsten (45 Prozent) wird allerdings schlicht als Grund genannt, dass „die Person die Attacke verdient hat“. Weitere gängige Motive sind schlechte Laune (12 Prozent) und Langeweile (11 Prozent). Von Cybermobbing sind vor allem Schüler der Mittelstufe betroffen – am häufigsten auf Haupt-, Real- beziehungsweise Werkrealschulen. Für die repräsentative Studie wurden zwischen Oktober 2016 und Februar 2017 über 3.000 Eltern, Lehrkräfte und Schüler befragt.

Gestiegene Sensibilisierung von Eltern und Lehrern

Die gute Nachricht: Nicht nur Eltern, auch die Schulen sind in Sachen Cybermobbing sensibilisiert – das offenbart der Vergleich mit einer Referenzstudie aus dem Jahr 2013. So berichtet die überwiegende Mehrheit der befragten Eltern und Lehrer, dass Cybermobbing disziplinarische Konsequenzen nach sich ziehen würde. Zudem werden in 66 Prozent der Schulen Strategien vermittelt, wie man sich in Fällen von Cybermobbing verhalten soll – flankierend zu Workshops rund um die Themen Medienerziehung und Internet-Risiken (58 Prozent) sowie Informationsveranstaltungen für Eltern zum Thema Cybermobbing (50 Prozent). Und die sind wichtiger denn je, ist die Bekämpfung von Cybermobbing heute schwieriger als früher, da die Online-Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen in Zeiten von Smartphone und Messaging-Diensten viel schwieriger kontrollierbar sind als noch vor einigen Jahren.

Neue Herausforderung Sexting

Und es kommen neue Herausforderungen auf die Eltern zu. Wie beispielsweise Sexting. Dass zwei Menschen sich einvernehmlich freizügige, digitale Fotos schicken, ist an sich nicht verwerflich. Es kann Teil einer modernen Intimkommunikation sein, sofern die Beteiligten alt genug sind und sich fair und respektvoll verhalten. Fragt sich nur, ob das ein schönes Hobby für 14-Jährige ist. Abgesehen von der Altersfrage birgt Sexting erhebliche Risiken, wie beispielsweise die unerlaubte Weitergabe der Aufnahmen, Mobbing und soziale Ausgrenzung. Risiken, die selbst mancher Erwachsene offenbar nicht ausreichend einschätzen kann.

Soziale Verantwortung der sozialen Medien

Abgesehen von der vielbeschworenen Verantwortung von Eltern und Schulen, stellt sich die Frage, welche soziale Verantwortung Social Media Unternehmen haben. Mobbing-Plattformen oder Apps wie Tellonym, Sarahah, Secret oder Yik Yak –die Hälfte von ihnen zu Recht schon eingestampft –, sind geradezu Steilvorlagen für Cybermobbing. Dieses zum Geschäftsmodell und für Jugendliche zugängig zu machen, ist äußerst zweischneidig. Aus dieser Perspektive hat so manche Anti-Mobbing-Maßnahme der großen Player einen bitteren Beigeschmack und man fragt sich, ob damit nicht eher das eigene Image aufpoliert, als Menschen wirklich geholfen werden soll.

Autor: KS

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