Blickwinkel

Chat-Leck bei Facebook Messenger Kids App

Influencer Marketing

Nur schleppend konnte sich Facebook in den letzten Monaten aus den Negativschlagzeilen und dem Chor kritischer Stimmen freischwimmen. Erst die Einigung mit der quasi als US-Kartellamt agierenden Federal Trade Commission (FTC) auf eine Zahlung von 5 Milliarden US-Dollar als Spätfolgen des Cambridge-Analytica-Skandals, dann die Rüge seitens der britischen Competition and Markets Authority, Facebook solle noch konsequenter gegen Gruppen auf seiner Plattform vorgehen, in denen Recruiter mithilfe von zehntausenden Posts nach Leuten suchen, die gegen entsprechende Gratis-Produkte wohlwollende Reviews auf Amazon veröffentlichen.

Als sei das nicht alles Ungemach genug, kam jüngst die nächste Klatsche für Zuckerberg. Gerade Facebooks umstrittene Messenger Kids App weist verheerende Konstruktionsfehler auf, die erlaubten, dass der Schutz der Kleinen vor nicht-autorisierten Chat-Teilnehmern in tausenden von Fällen ganz einfach umgangen werden konnte.

Einfaches Umgehen der Chat-Schutzfunktionen

Es reichte, dass bei entsprechenden Gruppenchats unter den Kids ein Teilnehmer einfach weitere Teilnehmer hinzufügte, die seitens der Eltern der anderen Kinder gar nicht zum Chat mit ihnen zugelassen worden waren. So befanden sich schließlich tausende Kinder in Kommunikation und Interaktion mit Usern, die sie womöglich nicht kannten und die auch keine Chat-Autorisierung seitens der Eltern besaßen.

Auch wenn Facebook die Sicherheitslücke mittlerweile erkannt, betroffene Chats geschlossen und die Eltern informiert bzw. nochmals auf Sicherheit und Anwendung der App hingewiesen hat, bleiben viele Fragen offen. Warum beispielsweise kam man seitens Facebook erst so spät auf die Möglichkeit dieses doch recht simplen Work-Arounds der Sicherheitsvorkehrungen? Und welche Konsequenzen auch hinsichtlich der Konstruktion und Architektur der App wird Facebook aus dieser Panne ziehen?

Messenger Kids App als Datenkraken?

Der Bug in Facebooks Messenger Kids App ist für viele Kritiker dabei nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs. Viele Bedenken, Probleme und auch Datenschutzverstöße liegen ihrer Meinung nach viel tiefer in der Natur der Chat-Anwendung begraben. Ein gravierendes Manko sieht beispielsweise eine Gruppe von Kinderdatenschutz-Aktivisten darin, dass gerade diese App, die ja ausschließlich auf junge User zielt, nicht konform mit den Anforderungen des Children’s Online Privacy Protection Act (COPPA) ist. Dieses Online-Datenschutzgesetz, speziell für Social-Media-User unter 13 Jahren, sieht unter anderem vor, dass Kinder vor dem Benutzen entsprechender Anwendungen die Erlaubnis eines Elternteils einholen müssen.

Bei Facebooks Messenger Kids App reicht es jedoch wohl aus, dass sich jemand mit einem eigenen Facebook-Account als Elternteil eines Kindes ausgibt und dann unter anderem auch von ihm autorisierte Kontakte zur Kontaktliste des Kindes hinzufügen kann. Außerdem seien die Nutzungsbedingungen weder transparent noch klar formuliert, sodass Eltern nur schwer verstehen können, mit wem Facebook die von den Kids erhobenen Daten teilt – und zu welchen Zwecken dies geschieht. Schließlich ist die „Facebook Family of Companies“ ja groß, mindestens ebenso groß wie der Hunger nach Daten und deren Verwendung für Werbezwecke, sowohl seitens Dritter wie auch durch WhatsApp und Instagram.

COPPA sieht jedoch vor, dass in den Nutzungsrichtlinien eine Liste veröffentlicht werden muss, in der die Namen all jener aufgelistet werden, mit denen Facebook letztlich die erhobenen Daten teilt und zu welchen Zwecken genau dies geschieht.

App-Abhängigkeit der Kids

Nicht zuletzt machen sich Kritiker von Facebooks Kids App Sorgen darüber, dass die Anwendung auch ohne Datenleck genau das Gegenteil dessen erreichen will, was es eigentlich vorgibt zu bezwecken, nämlich den Kids Sicherheit und ein schönes Leben zu geben. Vielmehr ziele die Anwendung darauf, die Kinder bereits in sehr jungen Jahren in eine veritable App-Abhängigkeit zu dirigieren. Damit sei schließlich auch die mentale und körperliche Gesundheit der Kids in Gefahr. Und das Wohlsein der Jüngsten werde nicht zuletzt auch durch einen unzureichenden Schutz ihrer Privatsphäre bedroht.

Umso deutlicher demnach die Forderung der Aktivisten, Facebooks Messenger Kids App, auch mit Hinblick auf die letzte Datenpanne, endlich und endgültig den Stecker zu ziehen.

Autor: MB

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