Blickwinkel

Das sind die Social-Media-Trends 2019

Influencer Marketing

Grünen-Chef Robert Habeck ist weg von den Social Media bzw. von Facebook und Twitter, andere prominente und Politiker-Opfer des großen Datenhacks sind weiter eifrig dabei. Oder noch. Doch was erwartet uns in diesem Jahr sonst noch an mehr oder minder großen Paukenschlägen in den sozialen Netzwerken? Weitere Abgänge, weitere Datenleaks und Skandale? Die Social-Media-Management-Plattform Hootsuite hat in ihrem Social Media Trends Report 2019 dazu einige Prognosen abgegeben, die weniger aus der digitalen Glaskugel stammen als vielmehr das Ergebnis einer Befragung von über 3.000 ihrer Business-Kunden sind.

Mehr menscheln für mehr Vertrauen

Ja, das vergangene Jahr war eines, dass von einem wachsenden Misstrauen gegenüber den Social Media geprägt war. Zuckerberg vor dem US-Kongress und dem EU-Parlament, Twitter und YouTube, die Millionen von Fake Accounts und unappetitliche Konten löschen mussten, der lauter werdende Ruf nach Regulierung der Tech-Riesen, die Bekämpfung der Bots und Influencer in Misskredit, weil der oder die eine es nicht so genau mit dem Kennzeichnen von Sponsored Posts nimmt.

Umso wichtiger, dass Unternehmen und Brands diesem Verlust an Vertrauen entgegensteuern – mit Content, der von Herzen kommt oder zumindest diesen Anschein erweckt. Mit Inhalten, die wirklich ansprechen, weil sie stark individualisiert sind, so als kämen sie von guten Bekannten und Freunden.

Folgerichtig finden 50 Prozent der von Hootsuite Befragten, dass Content dann am glaubwürdigsten ist und am tiefsten wirkt, wenn er personalisiert ist.

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Um diese Ansprache nicht mit der Gießkanne über die Gemeinschaft auszuschütten, sondern quasi mit persönlicher Widmung zu versenden, sollten Unternehmen weniger auf Reichweite als vielmehr auf kleines, feines und ausgesuchtes Engagement setzen, also fast schon in den intimen Dialog mit den Usern, Followern und Fans gehen. So entstehen überschaubarere Communities, in denen man sich kennt und gerne untereinander – also auch mit den Marken oder mit Micro-Influencern – austauscht, vor allem über exklusive Inhalte. Und das schließlich schafft wertvolle Insights in die Art und Weise, wie die Nutzer denken und ticken.

Stories für sich sprechen lassen

Wer Geschichten für sich sprechen lassen will, sollte künftig verstärkt auf Stories-Formate setzen. Das jedenfalls suggeriert der Hootsuite Social Media Trends Report 2019. Laut der Untersuchung

„setzt bereits knapp eine Milliarde Nutzer auf Stories, um Inhalte auf WhatsApp, Instagram, Facebook und Snapchat zu teilen.“

Und: In diesem Jahr werden die Stories – also vornehmlich Fotos und Videos bei Instagram, Facebook sowie Snapchat und bei WhatsApp eben der Status, die nur 24 Stunden sichtbar sind – Feeds als primären Inhaltelieferanten ablösen.

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Das ist insofern nachvollziehbar, als dass Stories mit ihrem bildlastigen, flüchtigen, spontanen und auf sofortigen Konsum ausgelegten Charakter, eher dazu dienen, den Moment einzufangen und zu teilen – vor allem über mobile Endgeräte. Unternehmen, so der Hoootsuite-Tipp, sollten sich ruhig trauen, ihre eigenen Stories-Experimente über die entsprechenden Plattformen zu wagen. Gerne auch mit den sowieso schon mit Augmented-Reality-Features und GIF-Stickern ausgestatteten Stories-Kameras und am besten in Kombination mit klassischem Content. Denn „Stories wirken echt, unmittelbar und sehr persönlich“, dennoch findet sich beispielsweise bei Facebook Stories bisher nicht einmal ein Zehntel der wichtigsten Brands. Und dass Marken auf den Social Media mehr menscheln sollten, haben wir ja bereits im ersten Abschnitt gelernt.

Social Media-Werbebudgets werden wachsen

Die Attention Economy, also der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Konsumenten auch und gerade in den Social Media, wird die Unternehmen künftig noch mehr Geld kosten. Bereits im vergangenen Jahr stiegen die Budgets für Werbung in den sozialen Netzwerken mit 32 Prozent um fast ein Drittel und Facebook sicherte sich letztes Jahr mit 23 Prozent aller digitalen Werbespendings ein großes Stück des US-Werbeausgaben-Kuchens.

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Wer als Unternehmen also beim Thema Paid Social mehr investieren will – und laut Hootsuite auch sollte – dem sei geraten, auf Diversifizierung bei den Anzeigen zu setzen, also jede Kampagne auf eine sehr genau definierte Zielgruppe abzustimmen und damit die Interaktion mit der Brand zu fördern. So und mit dem richtigen Medienmix können höhere Engagement-Raten erzielt werden

Social Commerce wird Schule machen und Umsatz bringen

Einfach einen „Kauf“-Button installieren und direkt in den Social Media verkaufen, wäre das nicht schön? Tatsächlich ist das ja bereits schon schön, wenn es denn klappt. Die Voraussetzungen dafür hat ja nicht zuletzt auch Instagram mit der Integration einer In-App-Shopping-Funktion in den Stories und im „Entdecken“-Bereich bereits vor einigen Monaten geschaffen. Wundert natürlich nicht, tippen doch monatlich 90 Millionen Instagram-User auf Produktbilder, um sich ein genaueres Bild der Produkte zu machen.

Der Markt für den Social Commerce ist jedenfalls riesig und hoffentlich bald für weiteres Wachstum bereit. In China jedenfalls sind die Weichen längst auf Expansion gestellt. Untersuchungen schätzen, dass der Social-Commerce-Umsatz im Reich der Mitte bis 2020 die Marke von 150 Milliarden US-Dollar und 24 Millionen Verkäufern auf den unterschiedlichen Plattformen erreichen wird.

Andere Plattformen und Formate wie Facebooks Marketplace mit weltweit aktuell über mehr als 800 Millionen Nutzern oder auch Pinterest, das über die Hälfte aller User zu Suche nach Produkten und zum Shopping nutzt, versuchen natürlich ebenso das Social Commerce in ihrem Sinne auszubauen.

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Umso verständlicher und folgerichtiger, dass knapp ein Drittel der von Hootsuite befragten Unternehmen den Social Commerce entweder bereits in ihren Marketing-Mix integriert haben und/oder das im laufenden Jahr planen. Bei der Umsetzung sollten sie in jedem Fall das Medium Video berücksichtigen, denn über 70 Prozent der Konsumenten, so eine andere Studie, betrachten Videos auf Social Media nicht zuletzt auch aufgrund ihrer „YouTube-Sozialisation“ in engem Zusammenhang mit dem Kaufen bzw. sogar mit dem Livestream-Shopping von Produkten.

Das sollten Unternehmen nutzen, ihre Produkte auf bewegte Bilder bannen und sie in Aktion zeigen. Mit klarem Fokus auf die Anwender und wie diese das Produkt benutzen würden. Damit wären wir am Schluss wieder beim Beginn: Menscheln macht den Unterschied, auch in den Social Media. Und auch, wenn Grünen-Chef Robert Habeck sagt, dass Twitter ein hartes Medium sei, dass zur Spaltung und Polarisierung beitrage, kann das gemeinsame Shoppen in den sozialen Netzwerken ja womöglich wieder verbinden.

Es fehlt noch die Message ...

... und die kommt auch in Sachen Social Media Trends 2019 in jedem Fall von Seiten der Messaging-Apps. Den Erkenntnissen von Hootsuite zufolge setzen mit 46 Prozent fast die Hälfte der Unternehmen bereits WhatsApp, Facebook Messenger, Skype und Co. ein, um mit den Konsumenten zu kommunizieren bzw. planen dies in den kommenden 12 Monaten zu tun.

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Das Werbe-Potenzial ist mit fast 5 Milliarden aktiven Messaging-App-Nutzern nicht nur größer als das von Social-Media-Usern, sondern riesig. Aber eben auch tricky. Denn auch wenn eine wachsende Zahl an Verbrauchern und Kunden ihren Messenger gerne für den Kundeservice nutzen (würde) und der Dialog zwischen Unternehmen und Kunden via Messenger direkter und vertrauensweckender ist, ist das Interesse an Messaging-Apps als nächster Werbekanal eher gering, zumindest bei den Usern.

Insofern führt der Weg zum Marketing via Messenger am ehesten über den persönlichen oder Bot-gesteuerten Kundenservice, eventuell flankiert durch Facebook Messenger Ads oder auch als Werbeanzeigen im WhatsApp-Status-Bereich.

Autor: MB

(Quelle aller Abbildungen: Hootsuite Social Media Trends Report 2019)

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