Blickwinkel

Deutsche Unis in Social Media: Wer hat den besten Auftritt?

Influencer Marketing

Den Kampf um die klügsten Köpfe fechten deutsche Universitäten längst nicht mehr nur mit Info-Veranstaltungen für angehende Akademiker oder mit Aushängen am Schwarzen Brett aus. Nein, auch die höchsten deutschen Lehranstalten sind mittlerweile darauf angewiesen, sich in den Social Media zu positionieren, um Aufmerksamkeit für ihre Forschung zu generieren und letztlich auch, um die besten Talente zu rekrutieren. Und die sind höchstwahrscheinlich auf der einen oder anderen oder gar auf mehreren Social Plattformen unterwegs.

Wie die Unis in Deutschland so als Influencer abschneiden, hat jüngst die Studi-Plattform charly.education untersucht. Unter die Lupe genommen wurden dafür die Social-Media-Aktivitäten der 50 größten Hochschulen in Deutschland – und natürlich auch deren Erfolg in Form von Fans, Followern und Likes.

Uni Düsseldorf postet und punktet am meisten

Ob sich der dichtende Namensgeber der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf wohl irrte, als er schrieb: „Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste“? Tatsächlich konnte Heinrich Heine als einer der bedeutendsten deutschen Lyriker damals noch nicht wissen, dass irgendwann Anfang der Jahrtausendwende ein gewisser Mark Zuckerberg etwas erfinden würde, was zumindest in Sachen Content noch viel gewaltiger werden würde als das gedruckte Wort.

Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf jedenfalls verbreitet ihre akademischen Botschaften fleißiger als alle anderen deutschen Hochschulen – ob nun mit oder ohne Heines Segen. Mit 146 Punkten bzw. mit im Schnitt acht veröffentlichten Posts pro Tag auf Facebook, Twitter und Instagram führt sie das Charly-Ranking vor der FU Berlin (141 Punkte; sechs Posts pro Tag) an. Die Bronzemedaille geht an die Universität Stuttgart, die mit im Schnitt fünf täglichen Beiträgen in den jeweiligen sozialen Netzwerken und mit 132 Punkten den dritten Rang belegt.

Anzahl Social Media Posts deutscher Universitäten pro Tag 2019.png

Münchner Uni-Double mit den meisten Fans

Nicht nur in der Lehre, sondern auch in Sachen Likes sind Quantität und Qualität zwei verschiedene Paar Social-Media-Schuhe. Schaut man bei der Charly-Auswertung nämlich auf die Anzahl der Interaktionen und Follower, die die jeweiligen Unis mit ihren Accounts und Posts erzeugen, liegt die TU München (TUM) vorne – und zwar mit insgesamt 135.687 Fans. Das Mia-San-Mia-Double macht die MU München mit 120.686 Fans perfekt. Die RWTH Aachen schließlich setzt mit immerhin noch 114.686 Fans einen Fuß aufs dritte Treppchen.

Nicht ganz dem Endstand der abgelaufenen Bundesligasaison entsprechend, findet sich die Universität zu Köln auf Platz vier und die Goethe-Uni Frankfurt auf Platz fünf. Es folgen die beiden Hauptstadt-Unis – und in diesem Fall stimmt dies zumindest hinsichtlich der Anzahl der „Clubs“ in der obersten Uni-Liga mit der Berliner Präsenz im höchsten Klassement der Profi-Kicker überein –, vor der Fern-Uni Hagen und der RUB direkt aus dem Pott. Platz zehn der Top 10 sichert sich die Uni Leipzig – mit oder ohne Red-Bull-Support erwähnt die Studie leider nicht.

Fans deutscher Universitäten in Social Media 2019.png

Ebenso interessant wie die Rangfolge, ist auch die Verteilung der einzelnen Likes und Follower bzw. die jeweiligen Komponenten und ihr Beitrag zu den Gesamtzahlen. Über die Social-Media-Präsenzen aller Unis hinweg ist Facebook der Interaktionslieferant Nummer 1. Beim Erstplatzierten, der TUM, macht das größte soziale Netzwerk gut 65 Prozent allen Engagements aus, während Twitter mit knapp 19 Prozent für gut ein Fünftel aller Interaktionen verantwortlich ist, leicht vor Instagram mit rund 15 Prozent.

Engagement deutscher Universitäten in Social Media 2019.png

Ähnliches gilt auch für den Zweitplatzierten, die Ludwig-Maximilians-Universität München. Hier macht das Engagement auf Facebook sogar gut 68 Prozent aller Social-Media-Interaktionen mit der Münchner Uni aus. Anders jedoch als bei der TUM hat Twitter hier leicht das Nachsehen gegenüber der Facebook-Tochter Instagram. Bei der Frankfurter Goethe-Uni ist Facebooks Vormachtstellung in Sachen Social Media noch klarer ausgeprägt. Mit rund 80.000 von insgesamt etwa 103.000 Interaktionen entstehen damit mehr als 77 Prozent aller Likes auf dem weltweit größten sozialen Netzwerk. Zudem generiert der Twitter-Account der Uni in der Mainmetropole fast doppelt so viel Engagement wie Instagram.

Auch auf YouTube und Business-Netzwerken sind Unis aktiv

Was die Top 50 der deutschen Unis eint – zumindest in Sachen Social Media – ist, dass sie neben der Dominanz, die Facebook bezüglich der Interaktionen innehat, alle auch auf YouTube und dem Karrierenetzwerk LinkedIn Präsenz zeigen. Auch beim Micro-Blogging-Dienst tumblr finden sich immerhin noch 35 der 50 untersuchten Hochschulen. Noch mehr – nämlich 42 – werben auf dem deutschen LinkedIn-Pendant XING für ihre Forschung und um neue Studis.

Eher seltener vertreten sind die Unis auf Plattformen wie Snapchat oder der Twitter-Tochter und Videotelefonie-App Periscope. Immerhin noch 13 Hochschulen nutzen den Messengerdienst WhatsApp, um in Kontakt mit künftigen Studierenden, Lehrenden, Alumnis oder Förderern zu bleiben.

Kanäle deutscher Universitäten in Social Media 2019.png

Dass eine Uni wirklich alle Social-Media-Kanäle nutzt, um mit allen Interessierten zu kommunizieren, ist hier nicht der Fall. Auch erfährt man leider nicht, wofür die einzelnen Hochschulen die jeweiligen Netzwerke genau nutzen. Um Veranstaltungen anzukündigen, als „verlängerter“ Arm der Pressestelle, zur aktiven Ansprache der Anspruchsgruppen oder gar als Informationskanal für Studierende? Wir wissen es leider nicht. Vielleicht auch, weil die Social Media am Ende irgendwie auch eine Wissenschaft für sich sind – wohl auch noch für die Hochschulen selbst.

Autor: MB

(Quelle aller Abbildungen: charly.education)

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