Blickwinkel

Facebook: Digtal Gangsters

Influencer Marketing

Facebook-Chef Mark Zuckerberg und Rapper-Legende Ice-T teilen insgesamt wahrscheinlich nicht allzu viel miteinander. Doch was sie seit kurzem in jedem Fall eint, ist der Beiname „Gangster“. Der eine (Ice-T) nannte sich und sein viertes Studioalbum aus dem Jahre 1991 „O.G. Original Gangster“, der andere (Mark Zuckerberg) bzw. dessen Schöpfung wird als „Digital Gangsters“ tituliert – und zwar von Damian Collins, Vorsitzender des Digitalausschusses des britischen Parlaments:

„Companies like Facebook should not be allowed to behave like ‘digital gangsters’ in the online world, considering themselves to be ahead of and beyond the law.”

Mit Blick auf den Cambridge-Analytica-Skandal und das Brexit-Votum legte Collins – abgesehen von der etwas an Billy the Kid und Co. erinnernden Digital-Gangsters-Allegorie – nun einen 108 Seiten starken Abschlussbericht der 18-monatigen Überprüfung von Facebook und dessen Umgang mit Nutzer-Daten und Desinformation vor.

International Grand Committee On Disinformation And Fake News.jpg

(Quelle: International Principles on the Regulation of Tech Platforms)

Das Ergebnis: „Zuck“ ist nun nicht nur offiziell der „Bad Ass“ der Branche und persönlicher Intimfeind des Ausschusses, weil er das Komitee mit Missachtung strafte und weder persönlich vor dem Ausschuss erschien noch sich genötigt sah, auf ebenso persönliche Einladungen zu antworten. Er sieht sich bzw. Facebook jetzt sogar sowohl vehementen Forderungen nach mehr staatlicher Regulierung wie auch nach Haftung für schändliche und illegale Inhalte, die Nutzer auf die Plattform hochladen, konfrontiert.

Weder Plattform noch Publisher

Damian Collins will zudem eine neue Kategorie von Tech-Unternehmen im Sinne von Facebook schaffen. Denn gerade die Bezeichnung „Plattform“, so der Abgeordnete des britischen Parlaments, schaffe immer auch eine Art Schlupfloch, wenn es darum geht, die rechtliche Verantwortung für widerliche, verleumderische und hetzerische Inhalte, die User hochladen, weit von sich zu weisen.

Gefunden werden sollte also ein neuer Oberbegriff, der die Haftung der sozialen Netzwerke für auf ihren Seiten veröffentlichte anstößige Inhalte klar definiert.

Auch sollten die Einnahmen, die Tech-Unternehmen in Großbritannien generieren, besteuert werden. Ein erster Schritt dahin wurde seitens der Briten bereits getan: Ab April 2020 müssen Facebook und Co. in Form einer Digital Services Tax zwei Prozent Steuern auf ihre UK-Einkünfte zahlen. Dieses Geld soll dafür benutzt werden, die Mitarbeiter des für den Datenschutz zuständigen Information Commissioner's Office (ICO) nicht nur fit in Sachen Social Media zu machen, sondern ihnen noch mehr wissen als die Betreiber der sozialen Netzwerke selbst zu verleihen.

Neues Wahlrecht und Einblicke in die Algorithmen

Ebenso will Collins gerade mit Hinblick auf anstehende und vergangene Wahlen bzw. deren Manipulationsversuche via bestimmter Facebook-Seiten ein neues Wahlrecht einführen lassen – eines, das die Tatsache widerspiegelt, dass Wahlkämpfe mittlerweile weniger über Plakate, Infostände und Handzettel geführt, sondern eben durch Facebook, WhatsApp und YouTube gewonnen werden. Zudem sollten Collins zufolge allen Wahlwerbeanzeigen einen permanenten Banner tragen, auf dem klipp und klar Ross und Reiter (als Quelle und Werbetreibender) für alle zu lesen sind.

Einen Schritt weiter geht der Bericht, wenn er einen direkten Zugang in die Herzkammer von Facebook und Co. fordert – also auf die Algorithmen. Schließlich würden diese ja entscheiden, was wem ausgespielt wird. Insofern sei es sinnvoll verstehen zu können, warum Algorithmen so entscheiden, wie sie entscheiden.

Schattenprofile schützen

Eine weiterer Fokus des Ausschussberichts liegt auf so genannten Schattenprofilen. Dabei geht es um Daten, die die Social Media indirekt über einen Nicht-Nutzer ihres Dienstes erheben, ohne dass dieser davon etwas weiß oder ahnt. Dabei stückeln Facebook und Co. Informationen über entsprechende Kontakte, E-Mails, Telefonnummern und Chats ihrer Nutzer zusammen und basteln daraus, oder auch mithilfe von Klicks auf Share-Buttons anderer Seiten, eben ein Schattenprofil von Nicht-Nutzern, das aber so schemenhaft gar nicht mehr ist. Sobald sich ein Nicht-Nutzer dann bei Facebook anmeldet, ist er eigentlich schon ein alter Bekannter. Und entsprechend des Wissenstandes von Facebook über ihn, könnten ihm dann natürlich auch entsprechende (Wahl)-Werbeanzeigen ausgespielt werden.

Der Digitalausschuss des britischen Parlaments fordert, dass die auf diese Schattenweise erhobenen Daten gesetzlich ebenso geschützt werden sollten, wie alle anderen persönlichen Informationen auch. Das gilt auch für die Tatsache, dass Facebook es sich wohl vorbehält, Daten von all jenen (und deren Freunden) zu behalten, die ihr Profil gelöscht haben.

Bei all dem Ärger über Facebooks Digital-Gangster-Attitüden findet der Bericht dennoch etwas Versöhnliches am Ende. Die Nutzer der Social Media sollten öfter offline innehalten, sich Zeit und Raum für das Überdenken dessen nehmen, was sie posten und lesen, bevor sie ihre Meinung online kundtun. Es sollten Techniken vermittelt werden, die den Social-Media-Konsum ab und an auch in Slowfood verwandeln. Etwas also, dass man langsam, mit Bedacht und in Maßen genießt und bisweilen auch kritisch die Herkunft der Zutaten hinterfragt.

Autor: MB

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