Blickwinkel

Facebook entfernt abermals Targeting-Optionen

Influencer Marketing

Mehr als 5.000 Targeting-Optionen sollen der aktuellen Aufräumaktion im Werbemanager zum Opfer fallen. Laut Facebook soll damit diskriminierende Werbung aufgrund von Religion oder Ethnie verhindert werden. Die Ankündigung via Facebook-Blogpost erfolgte eine Woche nachdem das Unternehmen eine Beschwerde vom „Department of Housing and Urban Development“ kassiert hatte.

Diskriminierung vorbeugen

„Obwohl diese Optionen auf legitime Weise genutzt wurden, um Personen zu erreichen, die an einem bestimmten Produkt oder einer bestimmten Dienstleistung interessiert sind, halten wir die Minimierung des Missbrauchsrisikos für wichtiger“, ließ man via Blogpost verlauten. Werbetreibende werden dann bestimmte Zielgruppen nicht mehr ausschließen oder anwählen können. US-Werbetreibende müssen zudem eine Nichtdiskriminierungsklausel abgeben, um weiter auf Facebook werben zu können.

Fülle an Targeting-Optionen

Welche konkreten Targeting-Optionen tatsächlich verschwinden werden, möchte Facebook allerdings nicht offenlegen. Angeblich, um Werbetreibende nicht auf die Idee von kreativen Umgehungslösungen zu bringen. Dabei sind 5.000 Begriffe ja schon eine ziemlich stattliche Zahl. Eine Zahl, die ethnisch nicht so bewanderten Zeitgenossen geradezu astronomisch hoch vorkommen mag. Aber niemand will unterstellen, dass Facebook in diesem Rutsch nicht vielleicht auch weitere heikle Optionen gleich mit tilgt. Eher dürfte angesichts von insgesamt über 50.000 Targeting-Optionen Bewunderung für solch fleißiges Datensammeln aufkommen. Hier leistet ein Unternehmen, welches die persönliche Datenverarbeitung als Geschäftsmodell etabliert hat, ganze Arbeit.

Schon früher fragwürdige Werbemöglichkeiten

Probleme mit fragwürdigen Werbemöglichkeiten hatte Facebook in der Vergangenheit dabei schon mehrfach. Bereits 2016 hatte die amerikanische Rechercheplattform „Pro Publica“ angeprangert, dass Facebook es seinen Werbekunden ermöglicht, Zielgruppen nach ethnischen Hintergrund zu definieren. Schon seinerzeit betonte ein Bürgerrechtsanwalt gegenüber der Plattform, dass diese Praxis den „Fair Housing Act“ verletze. Verstöße gegen dieses Anti-Diskriminierungsgesetz können mit Geldstrafen in Höhe von mehreren tausend US-Dollar geahndet werden.

Umso erstaunlicher ist, dass Advertiser noch bis September 2017 aus etlichen fragwürdigen Zielgruppen wie „Juden- oder Islamhasser“ auswählen konnten. Seinerzeit offenbarten sich beim Targeting via Interessen so interessante Zeitvertreibe wie „Muslime töten“ oder „Wie verbrennt man Juden“ – wie die Süddeutsche Zeitung – neben diversen US-Medien – durch Testanzeigen herausgefunden hatte. Offenbar schlugen Facebooks Algorithmen selbstständig Kategorien vor, mit denen sich die Zielgruppe passend erweitern ließ. Manche der Kategorien wurden offenbar automatisch aus Nutzer-Einträgen erstellt.

Alles im Griff?

Angesichts dieser Vorgeschichte erstaunt es umso mehr, dass Facebook anno 2018 immer noch 5.000 Targeting-Optionen auf die Abschussliste stellen kann. Man könnte fast den Eindruck bekommen, dass der Datensammler nicht mehr Herr über seine eigenen Algorithmen ist.

Autor: KS

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