Blickwinkel

Facebook Study: Daten sammeln für Fortgeschrittene

Influencer Marketing

Eigentlich, so will man zumindest meinen, sollte Facebook in Sachen Datensammelwut ja dazugelernt haben. Schließlich ist nicht einmal ein halbes Jahr vergangen, seit öffentlich wurde, dass das soziale Netzwerk mithilfe seiner Research-App Daten von 187.000 Nutzern eingesackt hatte, die Zuckerberg und Co. detaillierten Aufschluss über deren Online- wie auch Telefonie- und Chat-Verhalten gaben. Die User wiederum erhielten dafür Gutscheine in Höhe von bis zu 20 US-Dollar im Monat. So weit, so normal, könnte man im Sinne von Facebook aber auch anderer Social Media argumentieren. Nicht zuletzt hatten die Nutzer ja zugestimmt, sich datentechnisch zu entblößen.

Der wirklich bittere Beigeschmack bei der Research-App: Mit 34.000 Nutzern war ein Fünftel der Tester unter 18 Jahren, 31.000 von ihnen Teenager aus Indien und 4.300 Jungen und Mädchen aus den USA. Wie das alles Anfang letzten Jahres ausging, wissen wir alle noch. Apple entzog der Anwendung kurzerhand das Enterprise Certificate wegen Verstoßes gegen die Apple-Entwicklerrichtlinien und beförderte die Facebooks Research-App aus seinem App-Store, weil das Netzwerk jeden ermutigte, die Anwendung direkt bei Facebook und vorbei am Apple App Store herunterzuladen. Daraufhin nahm Facebook sein kleines Programm letztlich vom Band.

Study soll's richten – und richtig machen

Jetzt aber zeigt Facebook seine Marktforschungsallüren von einer anderen und auf den ersten Blick fast schon geläuterten Seite: Die neue Version des Datenkollektors nennt sich Study und ist sozusagen eine Ü18-Anwendung.

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Was die App laut Facebook macht? Sie sammelt fleißig Informationen über:

  • alle Apps und eventuelle App-Features, die die Teilnehmer auf ihren Smartphones installiert haben und nutzen
  • die Zeit, die User mit diesen Anwendungen verbringen
  • den Wohnort der Teilnehmer wie auch Details über die Art von Smartphone und Netzwerk

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Was die Study-App Facebook zufolge ganz bestimmt nicht sammelt:

  • Passwörter oder andere persönliche Kennungen der User
  • Fotos, Videos, Nachrichten oder anderen Content, den Nutzer auf ihren Smartphones haben

Außerdem versichert das weltweit größte soziale Netzwerk, dass es die über Study gewonnenen Informationen nicht an Dritte verkauft noch dazu nutzen wird, personalisierte Werbung auszuspielen oder auch die App zum Facebook-Account der Teilnehmer hinzuzufügen.

Wissen und Zustimmung schützen vor Missbrauch nicht

Auch wenn dieses Mal der geheimnisvolle Vorhang über Facebooks Marktforschungsaktivitäten in eigener Sache anders als bei der Research-App bereits im Vorfeld gelüftet wurde, können nicht alle Datenschützer ruhig schlafen. Denn Facebook schiebt geschickt vor, dass die gesammelten Daten dem Interesse am eigenen, noch besseren Verständnis bezüglich der Vorlieben und Vorhaben der App-Nutzer dienen – und damit letztlich auch das Interesse der User selbst widerspiegelt.

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Hinzu kommt, dass alle Testteilnehmer eine Art Aufwandsentschädigung erhalten. In welcher Höhe, ist noch nicht klar. Außerdem können die Nutzer jederzeit das Opt-Out-Ticket lösen können. Dies alles sind zumindest Transparenz-Versprechen und zudem auch kleine Anreize, die ihrerseits dazu führen könnten, dass die User am Ende Hemd und Hose für Facebook herunterlassen und dabei demselben Trick aufsitzen wie der märchenhafte Kaiser in seinen neuen Kleidern. Gut, dass sich vorerst nur Nutzer mit Android-Betriebssystem aus den USA und Indien ihren Kopf darüber zerbrechen müssen. Dass es gerade diese beiden Märkte sind, aus denen sich Facebook ja auch bei seiner Research-App mit großen Datenschaufeln bediente und dass iOS und damit Apples App-Store in Sachen Study bisher außen vor bleiben, mag Zufall sein. Oder Berechnung.

Autor: MB

(Bilder: Facebook)

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