Blickwinkel

Facebooks Neuausrichtung zum „Privaten“

Influencer Marketing

In einem ausführlichen Facebook-Blogpost verkündigte Facebook-CEO Mark Zuckerberg kürzlich die Neuausrichtung seines Konzerns. So verspricht er in über 3.000 Worten vollmundig, dass der Schutz der Privatsphäre künftig das Fundament des Online-Netzwerks sein werde.

Privatsphäre-Modus

Man wolle die Kommunikation künftig zunehmend in die Messengerdienste verlagern – verschlüsselt und sogar mit automatischer Löschfunktion. So würden mehr Angebote des Konzerns eine Komplett-Verschlüsselung wie beim Chat-Messenger WhatsApp bekommen. Bei der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung können die Inhalte einer Unterhaltung nur von Absender und Empfänger eingesehen werden. Weitere Dienste wie Videochats, E-Commerce-Angebote, Bezahl-Services würden auf dieser abgesicherten Basis aufbauen. Auch solle es die Möglichkeit geben, dass Nutzer-Inhalte bei Facebook sich nach einer bestimmten, frei definierten, Zeit automatisch löschen könnten.

Selbstlos und vorausschauend

Also stille Post im „privaten Wohnzimmer“ anstatt das wie noch vor gut acht Jahren proklamierte „alles wird immer öffentlicher“. Als Begründung für diese Kehrtwende müssen mal wieder veränderte Nutzeranforderungen herhalten: „Ich glaube, dass die Kommunikation sich in der Zukunft zunehmend auf vertrauliche, verschlüsselte Dienste verlagern wird, in denen die Menschen sich darauf verlassen können, dass das, was sie einander mitteilen, sicher bleibt“ orakelt der Firmenchef, natürlich nicht ohne zu betonen, dass Facebook an dieser Zukunft mitarbeiten wolle.

Dass der Konzern nach 15 Jahren und diversen Datenskandalen sowohl ein Wachstums- als auch Glaubwürdigkeitsproblem hat, steht jedoch auch noch im Raum. So stagniert das Nutzerwachstum des sozialen Netzwerks in den USA und Europa schon seit einiger Zeit. Das Wachstum im Newsfeed scheint also endlich – und mit ihm das goldene Zeitalter von datengetriebener Targeting-Werbung in Milliardenhöhe.

Weniger Daten, neues Geschäftsmodell?

Allerdings erwähnt Zuckerberg auch nicht, mit welchem Geschäftsmodell zukünftig Geld verdient werden soll. Denn bis dato lautete Facebooks Credo immer „je mehr Daten, desto besser“. Schließlich ist das Netzwerk (noch) darauf angewiesen, möglichst viele Informationen über Interessen, Lebensumstände und Pläne seiner Nutzer zu erlangen, um zielgerichtet Werbung ausspielen zu können. Bei einer konsequenten „Ende-zu-Ende-Verschlüsselung“ blieben diese Daten auch Facebook verschlossen und der Konzern müsste sich auf Metadaten beschränken. Also, wer wann und wo mit wem kommuniziert hat – und natürlich auf allgemeine Nutzerdaten wie Alter, Geschlecht und Wohnort.

Doch so sicher wie das Amen in der Kirche ist, dass Zuckerberg schon wissen wird, wie er in diesem zukünftigen Privatsphäre-Modus Geld verdienen wird. Beunruhigend ist allerdings der Umstand, dass er dies mit keinem seiner 3.000 Worte verrät. Lediglich der New York Times gegenüber äußert er sich dazu in einem Interview gewohnt schwammig: „Es gibt jede Menge Geschäftsmöglichkeiten, insbesondere in Entwicklungsländern. Es können mehr private Werkzeuge rund um den Aufenthaltsort der Leute entwickelt werden.“ Die Wahrscheinlichkeit ist wohl groß, dass man sich in Zukunft verstärkt auf das Stories-Format fokussieren wird, welches Facebook in seine drei Messenger-Dienste WhatsApp, Instagram und den Facebook Messenger integriert hat. Auch Bezahldienste könnten eine Quelle zusätzlicher Erlöse werden.

Alles aber nur vorausgesetzt, dass Facebook seine Glaubwürdigkeit wieder herstellen kann. Ob das mit alten Rhetorikkniffen, wie der Vorwegnahme von Einwänden funktioniert, ist fraglich: „Ich verstehe, dass viele Leute nicht glauben, dass Facebook eine solche auf Privatsphäre fokussierte Plattform aufbauen würde oder wollte“, O-Ton Zuckerberg. So rief er schon für das vergangene Jahr die Rückkehr ins Private aus – gefühlt erschienen daraufhin allerdings mehr Sponsorings im Newsfeed als je zuvor. Auch der Umstand, dass – wie gerade ans Licht gekommen – der Konzern Smartphone-Herstellern Zugang zu mehr Nutzerdaten gab, als bisher bekannt, zahlt nicht wirklich auf das Thema Glaubwürdigkeit ein.

Taten anstatt leere Worte

(Gute) Taten wären da zielführender. Zum Beispiel die Möglichkeit eines Opt-Out für die Verknüpfung von Userprofil mit der für die „Zwei-Faktor-Authentifizierung“ notwendigen hinterlegten Telefonnummer. So berichtete das US-Magazin Techcrunch jüngst, wie sich mit einem Kniff durch die Eingabe einer Telefonnummer das dazugehörige Facebook-Profil finden lässt. Und bereits vergangenen November fand das Onlinemagazin Gizmodo heraus, dass Facebook die Telefonnummern auch zu Werbezwecken nutzt. Ein guter Zeitpunkt also, um das Thema Privatsphäre anzugehen.

Autor: KS

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