Blickwinkel

Facebooks Rosetta findet und versteht Memes

Influencer Marketing

Wir alle kennen, lieben und/oder hassen Memes. Das sind – vereinfacht gesagt – Bildschnipsel mit mehr oder minder prominenten Menschen, Filmszenen und Momentaufnahmen, die meist verfremdet oder neu zusammengesetzt, in den Social Media kursieren. Doch nicht immer sind solche Memes lustig. Einige sind sogar gehässig und voller Hetze und Hassrede. Um auch diese fiesen Memes zu finden, setzt Facebook nun Künstliche Intelligenz ein. Diese hört auf den Namen Rosetta – wahrscheinlich in Anlehnung an den Stein von Rosette, auf dem eine dreisprachige Inschrift aus dem zweiten Jahrhundert v. Chr. prangt, die wiederum dabei half, ägyptische Hieroglyphen zu entziffern. Tatsächlich muss Rosetta eine ähnlich schwere Aufgabe bewältigen. Nämlich Texte in Bildern identifizieren und ihren Kontext verstehen. Und das noch in Echtzeit.

Dabei muss das neuronale Netzwerk Schwerstarbeit leisten: Es gilt, täglich eine Milliarde Bilder auf Facebook und Instagram mit entsprechenden Texten zu untersuchen und zu klassifizieren. Dabei geht Rosetta Schritt für Schritt vor. Im ersten Step werden Bilder gefunden, die möglicherweise Text enthalten. Der Text wird extrahiert, in eine von Maschinen lesbare Form gebracht und im zweiten Schritt wird dann geprüft, ob er beispielsweise gegen die Richtlinien von Facebook oder Instagram verstößt. Aktuell können diese Prüfungen auf Texte in Englisch, Arabisch und Hindi, aber auch aus anderen Sprachen angewendet werden.

Facebook Rosetta.png

(Quelle: Facebook)

Texterkennung nicht von der Stange

Anders gesagt: Egal, ob hetzerische, extremistische oder propagandistische Texte in Bildern von rechts nach links oder links nach rechts, mit Tilden und anderen diakritischen Zeichen oder mit rotierten Buchstaben verfasst wurden: Rosetta soll sie früher oder später alle aufstöbern, automatisch flaggen und damit die menschlichen Moderatoren entlasten. Dabei aber soll kein sprachliches „One-size-fits-all”- Model eingesetzt werden, denn „With a unified model for a large number of languages, we run the risk of being mediocre for each language, which makes the problem challenging.”

Als Übungsmaterial für die schnell lernende Künstliche Intelligenz verwendet Facebook sowohl Memes, die tatsächlich auf Facebook gepostet wurden, wie auch künstlich hergestellte Bilder mit Texten jeder denkbaren Art.

Facebook Rosetta1.png

(Quelle: Facebook)

Rosetta soll für mehr Relevanz und leichteren Zugang sorgen

Was Facebook mit Rosetta erreichen will, ist perspektivisch noch unklar. Einige der künftigen Benefits der Erkennung und Kontextualisierung von Texten in Bildern sollen darin liegen, dass die aus den Memes extrahierten Texte auch in Bildschirmvorleseprogramme integriert werden können und sehbehinderte Nutzer damit einen noch leichteren Zugang zu Facebook und auch Instagram haben. Auch soll dank Rosetta die Genauigkeit der Fotosuche sowie die Auslieferung von Bildern im Newsfeed durch höhere Relevanz der Treffer verbessert werden.

Und nicht zuletzt geht es Facebook mit Rosetta auch darum, in scheinbar unverfänglichen Memes getarnte Hetze und Hassrede schnell, und via Künstlicher Intelligenz auch automatisch, zu finden und zu entfernen. Schließlich drängt die EU-Kommission immer lauter und heftiger darauf, dass die Social Media extremistische Inhalte nicht nur schneller erkennen, sondern ebenso schnell – am besten vor dem ersten Klick – löschen.

Um diese komplexen Herausforderungen zu meistern, muss Rosetta – anders als klassische Programme zur optischen Schriftzeichenerkennung, die zwar Texte in Bildern erkennen, aber nicht in den Zusammenhang einordnen können – den Facebook spezifischen Kontext mit einbeziehen. Und der besteht aus vielen Sprachen, Schriftsystemen, aus unterschiedlichen Textformen sowie -anordnungen und nicht zuletzt auch aus einer riesigen Masse an Bildern, die täglich auf Facebook und Instagram gepostet, geteilt und kommentiert werden. Nicht zu vergessen sind schließlich auch mit Texten versehene Videobilder. Auch diese, so Facebook, sind Teil der neuen Rosetta-Herausforderung.

Autor: MB

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