Blickwinkel

Glücklicher leben ohne Facebook?

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Ein Leben ohne das größte soziale Netzwerk ist möglich, nur macht es auch Sinn? Glaubt man den Ergebnissen der Studie „The Welfare Effects of Social Media“, macht der Verzicht auf Facebook in jedem Fall irgendetwas mit einem, respektive mit den knapp 3.000 US-Probandinnen und Probanden ab 18 Jahren, die vor diesem Experiment, das kurz vor und kurz nach den Midterm-Elections in den USA stattfand, im Schnitt 15 Minuten pro Tag auf der Plattform verbrachten. Für die Untersuchung mussten sie einen Monat auf Facebook-Abstinenz gehen, wobei der Gebrauch des FB-Messengers weiterhin erlaubt war. Vor dem Verzicht füllten alle Studienteilnehmer Kontrollfragebögen aus und nach dem Monat ohne Kontakt zum sozialen Netzwerk ebenso.

Das weniger Erstaunliche zuerst: Ohne Facebook gewannen die User gut eine Stunde pro Tag an Zeit, die Heavy User gar mehr als doppelt so viel. Diese neuen Freiräume nutzten viele (aber nicht alle) für andere Aktivitäten, beispielsweise für Offline-Treffen mit Freunden und Familie oder auch vor der Glotze. Ebenso wenig scheint es zu verwundern, dass das politische Polarisierungspotenzial der Studienteilnehmer zwischen 5 und 10 Prozent sank, während sie Facebook-offline waren. Andererseits ließ jedoch auch ihr Wissen rund um politische Themen nach, was die Mehrzahl der Probanden aber auch nicht dazu bewegte, sich die entsprechenden Informationen aus anderen Quellen zu besorgen.

Insofern bedeutet die Abstinenz von Facebook nicht zwangsläufig auch das Hinwenden zu anderen Medien oder Newsquellen. Ebenso jedoch lässt sich aus der Tatsache, dass Facebooker auf Entzug politisch eher schlechter informiert sind, auch herauslesen, dass die Nachrichten-Publisher auf der Plattform sich inmitten des immensen Geschwätzes immer noch und irgendwie Gehör verschaffen.

Abhängigkeit, Substitution und Stimmungsschwankungen

Was die Untersuchung The Welfare Effects of Social Media nicht eindeutig nachweisen konnte, war das Abhängigkeitspotenzial, das von Facebook ausgeht. Einige Hinweise dafür und dagegen lieferten folgende Ergebnisse:

  • Die Stimmung der Heavy User, die für einen Monat auf Facebook verzichteten, verbesserte sich durch die Abstinenz und im Vergleich zu den Light Usern nicht nennenswert, was darauf schließen lässt, dass diejenigen, die als „harte Nutzer“ schlecht drauf sind, dies auch vor Facebook waren und es auch ohne Facebook sind.
  • Es gab kaum Social-Media-Substitutionsbewegungen und -bestrebungen, beispielsweise hin zu Twitter, Snapchat oder Instagram.
  • Viele der Facebook-Abstinenten reduzierten auch nach dem Versuch ihren Facebook-Konsum, mitunter nur zeitweise, dafür aber freiwillig. 10 Prozent waren demnach auch noch eine Woche nach dem Experiment „sauber“, 5 Prozent hielten es sogar zwei Monate ohne Facebook aus.
  • Die Forscher fragten die Teilnehmer der Studie nach dem Ablauf von vier Wochen, wie viel sie ihnen rein hypothetisch bezahlen müssten, damit sie nochmals vier Wochen Facebook-Verzicht dranhängen. Im Schnitt verlangten die Probandinnen und Probanden weniger als 100 US-Dollar. Zu Beginn der Studie lag der Preis noch bei 100 Dollar. In ihrer Rechnung kommen die Forscher diesem Modell zufolge auf eine Summe von 230 Milliarden Dollar, die praktisch auch zugunsten der Binnenwirtschaft und des Konsums freigesetzt würden, wenn die 170 US-amerikanischen Facebook-User genau dies wenigstens für einen Monat nicht mehr wären. Und mehr Zeit, um das Geld auszugeben, hätten sie dadurch ja obendrein.
  • Nutzer, die sich nach vier Wochen wieder ans Facebook-Netz schalteten, gaben an, dass sie die Plattform erst nach dieser Phase der Abstinenz wirklich zu schätzen wüssten.

Social Media jenseits der Komfortzone

Eine andere Studie zum Thema Social Media und Wohlbefinden kommt zu unterschiedlichen Ergebnissen, welchen Einfluss Facebook und Co. auf das Seelenwohl haben, vor allem auf jenes der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Der Prince’s Trust eBay Youth Index der Prince’s Trust Stiftung fand nämlich heraus, dass insgesamt 57 Prozent der in dieser Untersuchung befragten 16- bis 25-Jährigen in Großbritannien das Gefühl haben, dass die Social Media einen immensen Druck auf sie und ihre generellen Erfolgsaussichten im Leben ausüben.

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46 Prozent gaben an, dass sie sich unzureichend fühlen, wenn sie ihre Leben mit denen ihrer Freunde in den Social Media vergleichen. Dennoch werden die Social Media nicht nur mit negativen und fast schon resignativen Blicken betrachtet. Immerhin 32 Prozent sagten, dass die sozialen Netzwerke ihnen das Gefühl geben, dem positiven Wandel ihrer Generation eine Stimme verleihen zu können und mit 27 Prozent, die angaben, dass es sie glücklich macht, Zeit in den Social Media zu verbringen, ist es immerhin fast ein Drittel der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Großbritannien, die in Sachen dunkler Schatten über den Social Media auch mal die Sonne hereinlassen.

Autor: MB

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