Blickwinkel

Image-Politur nach Facebook-Manier

Influencer Marketing

Nun ist es also an Facebooks Vize, Sheryl Sandberg, das angeschlagene Image ihres Konzerns mit einer Europa-Tournee aufzupolieren. Die Deutschland-Stippvisite der COO startete mit einer Keynote auf der Innovationskonferenz Digital Life Design Conference (DLD) und beinhaltet auch Treffen mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier, Justizministerin Katarina Barley sowie der neuen CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer. Neben den üblichen Facebook-Mantren („Wir haben verstanden und wollen besser werden“) hat die Managerin auch Wiedergutmachungs-Dollar im Gepäck.

Money can buy everything?

Offenbar Facebooks Strategie, dem massiven Vertrauensverlust nach dem schlimmsten Jahr in seiner Unternehmensgeschichte mit Datenskandalen, Wahlmanipulation und einem eklatanten Aktieneinbruch entgegenzuwirken. Dafür sind 7,5 Millionen Dollar allerdings eine erstaunlich geringe Summe, mit der aber auch nur die Erstfinanzierung für ein Ethik-Projekt mit der TU München geleistet werden soll. Mit den umgerechnet 6,5 Millionen Euro soll das „TUM Institute for Ethics in Artificial Intelligence“ gegründet werden, welches unabhängig zu ethischen Fragen Künstlicher Intelligenz (KI) forschen soll. Immerhin nutzt Facebook bereits fleißig KI für das Aufspüren missbräuchlicher Inhalte und das Blocken dazugehöriger Accounts. Dennoch stieß dieser Geldkoffer im Rahmen des Deutschlandbesuches auf Skepsis, weil er den Eindruck erweckt, man wolle das Vertrauensproblem im Silicon Valley vorrangig mit finanziellen Mitteln lösen.

300 Millionen Dollar für Lokaljournalismus

Bereits in der Woche zuvor gab der Konzern bekannt, 300 Millionen Dollar für Medienhäuser auf der ganzen Welt locker machen zu wollen. Der Fokus soll dabei auf dem Lokaljournalismus liegen – und bestimmt nicht den Eindruck erwecken, damit kritische Berichterstattung besänftigen zu wollen. Interessanterweise hatte Google kurz vorher angekündigt, exakt dieselbe Summe in Medienprojekte investieren zu wollen. Flösse auch nur ein Bruchteil davon in die Werbung, stünden beiden Konzerne sicherlich ziemlich weit oben in der Rangliste der Profiteure. Was aber nur angenehmer Nebeneffekt einer imposanten Image-Politur wäre.

Ein besseres Internet für alle

Laut Sandbergs Verlautbarungen auf der DLD und in begleitenden Interviews mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und ARD geht es dem Konzern vorrangig um ein „besseres Internet“, in welchem jeder die vorhandenen und entstehenden Technologien für Gutes nutzen könne. Dazu habe man „aggressive Schritte unternommen“. Dazu gehöre, viel in Sicherheit zu investieren, Einmischung in Wahlen abzuwehren, gegen Falschinformationen vorzugehen, Menschen mehr Kontrolle über ihre Daten zu geben und die Transparenz der Facebook-Richtlinien und Entscheidungen deutlich zu erhöhen, so Sandberg. „Ohne Zweifel verfolgen wir nun einen fundamental anderen Ansatz, um diese Herausforderungen zu bewältigen – und wir sind nicht dasselbe Unternehmen, das wir im Jahr 2016 waren oder auch nur vor einem Jahr."

Deutsch-Amerikanische Partnerschaft gegen Wahlmanipulation

Um das zu beweisen, setzt Facebook gleich noch eine weitere gute Tat auf seine To-do-Liste: So kündigte Sandberg eine Partnerschaft zur Bekämpfung von Wahlmanipulation bei der Europawahl mit dem Bundesministerium für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) an. Laut der Nachrichtenagentur Reuters soll es bei der Kooperation, in die auch andere Unternehmen und Wissenschaftler eingebunden werden sollen, vorrangig um die Entwicklung von Strategien zur Verhinderung von Einmischungen gehen.

Neues Petitionen-Feature

Eine ganz konkrete Form der Einmischung testet das Netzwerk dagegen gerade US-weit in Gestalt einer Petitionen-Funktion. Mit „Community Actions“ können Nutzer direkt im Newsfeed Unterschriften für oder gegen was auch immer sammeln. Verlinkte Behörden und Institutionen dürfen dann direkt antworten. Wir sind gespannt, wie dies in der Praxis umgesetzt wird und können nur hoffen, dass Facebooks KI bereits so performant ist, etwaigen Missbrauch dieser Funktion sofort unterbinden zu können. Wie formulierte Sandberg doch so schön: „Ich denke, wir wollen kein Internet, das außer Kontrolle gerät. Wir wollen aber auch kein Internet, das zu streng kontrolliert wird.“

Autor: KS

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