Blickwinkel

Instagram-Influencer und ihre Tricks für Klicks

Influencer Marketing

Längst schon haben sich Klicks, Views und Likes zu einer eigenen Währung in den Social Media und sogar darüber hinaus etabliert. Und wenn Geld fließt, streben alle an dessen reale und virtuelle Quelle. Instagram-Influencer haben dabei nicht nur den bisweilen besten Riecher. Sie wissen zudem auch viele kleinere Hilfsmittel zu bemühen, um durch noch größere Reichweite und größeres Engagement ihren Marktwert zu steigern. Dass es dabei nicht immer mit rechten Dingen zugeht oder zumindest der eine oder andere Social-Media-Star mit einem Fuß in der Grauzone steht, darüber berichtet der Social-Media-Experte Ben Rüegg in einem Gastbeitrag für Online Marketing Rockstars (OMR).

Ausgehend davon, dass Instagram mit der Übernahme durch Facebook auch einen eigenen Algorithmus spendiert bekam und sich damit die Art und Weise gravierend änderte, welche Beiträge wann und wem in welchem Feed ausgespielt werden, stieg auch die Bereitschaft dazu, dem allmächtigen Algorithmus ein anderes, nämlich das eigene Tempo und die eigenen Themen zu diktieren. Denn so können Influencer wenigstens ein wenig beeinflussen, dass ihre Instagram-Posts von den richtigen Leuten gesehen, geteilt, kommentiert und geliked werden.

Messenger-Dienste für mehr Engagement

Der erste Trick, auf den Ben Rüegg in seinem OMR-Gastartikel eingeht, zeigt, wie Influencer wichtige Messenger-Dienste wie WhatsApp und Telegram nutzen, um möglichst schnell möglichst viele Likes und Kommentare auf Instagram zu bekommen. Denn nur, wer bei Instagram schnell viel Aufmerksamkeit erregt, wird vom Algorithmus beachtet und belohnt – und zwar mit höherer Sichtbarkeit im „Search & Explore“-Bereich wie auch in der User-Timeline. Also organisieren sich manche Influencer in „Instagram Pods“, d.h. sie schließen sich in thematischen Gruppen auf eben WhatsApp, Telegram oder auch in Instagram-Gruppenchats zusammen und versuchen dort ihre Beiträge zu bewerben. Wobei „bewerben“ es wohl weniger trifft, herrschen in diesen Gruppen doch fast schon Diktatur ähnliche Zustände.

Instagram Pods.png

(Aufnahmeregeln für Instagram-Influencer-Gruppen auf Telegram. Quelle: Ben Rüegg, OMR)

Dabei sind Gruppen nicht gleich Gruppen: Während nämlich auf Instagram die Teilnehmerzahl auf 15 begrenzt ist, dürfen es bei WhatsApp bis zu 256 und bei Telegram gar bis zu 30.000 Mitglieder sein. Und natürlich spricht nichts dagegen, dass Influencer gleich alle drei Formate nutzen, um in entsprechenden Engagement-Gruppen Werbung für ihre Instagram-Posts zu betreiben.

Folgst Du mir, entfolge ich dir

Eine sehr perfide, weil automatisierte Methode, die sicherstellt, dass man zumindest für kurze Zeit viele neue Follower gewinnt, sind so genannte Unfollow-Bots. Diese durchsuchen Instagram permanent nach Accounts, denen sie folgen können und letztlich dann auch folgen. Weil wir Menschen ja soziale Wesen und von der Neuronen-Spiegelung gesteuert sind, folgen wir diesen Bots natürlich zurück. Nur wissen wir nicht, dass die Unfollow-Bots reines Zahlenwerk betreiben: Sobald sie die von Instagram maximal zugelassene Follow-Anzahl von 7.500 Accounts erreicht haben, entledigen sie sich nach und nach der alten Geliebten, um schnell nach neuen Ausschau zu halten. Und wir merken erst zu spät, dass wir jemandem folgen, der uns längst hat fallen lassen. Wenn Influencer und Marken diese Unfollow-Bots über ihre Instagram-Profile nutzen, generieren sie damit zumindest kurzzeitig viele neue Follower und größere Reichweiten. Natürlich fällt das Kartenhäuschen irgendwann zusammen, doch wenn bis dahin die Zahlen stimmen und neue Werbepartner nur darauf schauen, kann sich der Einsatz der (und die Investition in) Unfollow-Bots in jedem Fall auszahlen.

Geld generiert Reichweite

Wem das „Fishing for Reichweite“ via Messenger-Gruppen, Chats und Unfollow-Bots zu langwierig ist, der greift als Influencer gerne auch mal schnell in die Geldbörse und kauft sich Follower und Engagement. Follower kosten im 1.000er Pack schlappe 9 Dollar, auch wenn es sich dabei um mehr oder minder viele Fake-Acoounts handelt. Bei größeren Bestellmengen gibt's Mengenrabatt. Der Nachteil: Die gekauften Follower sind nicht nur oft fake, sondern auch passiv, interagieren also nicht mit den Accounts, denen sie folgen, und werden irgendwann von Instagram identifiziert und gelöscht. Dennoch macht allein die schiere Menge an Followern auf den ersten Blick und ungeachtet der Qualität der jeweiligen Profile einiges her. So locken Influencer Unternehmen und Marken zu sich.

Ebenso lässt sich auch Engagement käuflich erwerben. Das geht weniger schnell als bei gekauften Followern, wirkt aber nachhaltiger. Der Trick dabei: Die gekauften Follower werden dem eigenen Instagram-Profil sukzessive und in kleineren, regelmäßigen Dosen hinzugefügt. Und: Sie interagieren und erzeugen damit also Engagement. Das klappt andererseits nicht immer gut, nehmen doch viele der gekauften Kommentare gar keinen Bezug zum eigentlichen Post.

Für schnöden Mammon lassen sich zudem auch „PowerLikes“ kaufen. Die stammen von echten und großen Accounts mit Millionen von Followern. Investiert man in einen solchen PowerLike, erhält man als Gegenleistung reichweitenstarke Likes seitens dieser großen Accounts. Und das wissen Instagram und sein Algorithmus letztlich zu schätzen.

Noch mehr Moneten für falsche Freunde

Wem diese Methoden immer noch nicht genug Reichweite erzeugen, der kann seine Einkaufstour fortsetzen und sich als Instagram-Influencer beispielsweise Shoutouts kaufen. Die Geschäftsidee dahinter: Man bezahlt als kleiner Account größere Accounts dafür, dass diese ein Bild von dem zu pushenden Account posten und dieses Bild dann verlinken bzw. mit einem Tag zum entsprechenden Profil versehen. Spekuliert wird dabei darauf, dass die Follower der großen Accounts auch zu Followern der kleineren Accounts werden.

Die Influencer-Marketing-Agentur Shoutcart beispielsweise bietet hierfür dedizierte Dienstleistungen an, mittlerweile sogar für Instagram Stories, sodass kleinere Accounts auch direkt von großen Geschichtenerzählern mit massig Publikum direkt aus deren Stories heraus verlinkt werden können. Doch egal, ob die Verlinkung aus dem Profil oder einer Story herauskommt: Das Matching über Shoutcart ähnelt einem Marktplatz, auf dem Instagram-Account-Suchende- und Bietende dank zahlreicher Filter schnell zusammenfinden.

Wer sich aber lieber auf zwielichtigen Pfaden in die Grauzone begeben möchte, kann sich natürlich auch Instagram-Profile auf dem Schwarzmarkt kaufen. Bezahlt wird mit Bitcoins und verboten ist es obendrein, zumindest der Instagram-Policy zufolge.

Kampf um den großen Kuchen

Warum nicht wenige Influencer die oben genannten und auch noch mehr Tricks nutzen, um Follower und Engagement zu vermehren und damit auch ihre Attraktivität für zahlenden Werbekunden zu steigern, wird klar, wenn man sich die Entwicklung des Influencer-Markts- und Marketings am Beispiel Deutschlands, Österreichs und der Schweiz anschaut und dabei einen speziellen Blick auf Instagram wirft.

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(Quelle: Goldmedia)

Das prognostizierte Milliarden-Geschäft mit den Social-Media-Stars ist aber nicht nur lukrativ, sondern vornehmlich auch auf die beiden Plattformen Instagram und YouTube verteilt. Mehr als ein Drittel der Einnahmen, die Influencer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz letztes Jahr in den Social Media generiert haben, gehen auf das Konto der Facebook-Tochter und auf das von YouTube.

Erst mit einigem Abstand folgen Facebook, eigene Blogs und Snapchat. Twitter und Pinterest hingegen sind weit abgeschlagen.

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(Quelle: eMarketer)

Umso klarer wird, dass Influencer den Kampf um die Sonnenplätze bei der Verteilung des wachsenden Werbegeldkuchens gerade auf Instagram mit allen Mitteln führen. Je stärker zudem der Wettbewerbsdruck, weil immer mehr neue Influencer auf die Plattform drängen, um mit Posts ihr Geld zu verdienen, desto größer wird auch die Bereitschaft, die eine oder andere Nische zu finden, beispielsweise bei einem Ausflug in die Grauzone des Erlaubten. Und je mehr Influencer sich leicht abseits des Erlaubten oder Geduldeten aufhalten, desto größer auch die Wahrscheinlichkeit, dass an den Rändern dieser Abwege neue Dienstleistungen rund um höhere Followerzahlen und Engagement ihre Schattengewächsblüten treiben.

Natürlich praktizieren nicht alle Influencer solche Maßnahmen, um mehr Engagement zu erzeugen. Es ist aber wichtiger denn je, individuell und gezielt auszuwählen, mit wem eine Zusammenarbeit erfolgt. Somit bekommen auch auf Influencer Marketing spezialisierte Agenturen abermals eine stärkere Bedeutung für Unternehmen.

Autor: MB

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