Blickwinkel

Junge Menschen und Desinformation in den Social Media

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Desinformation und Hassrede sind längst keine Randerscheinungen mehr, sondern leider fester Bestandteil der Social Media. Immer wieder stoßen vor allem auch junge Menschen auf Fake News, Anfeindungen, Verleumdungen, Verschwörungstheorien und gezielte Propaganda, wenn sie sich auf Facebook, Instagram, YouTube und Twitter aufhalten oder Messenger-Dienste wie WhatsApp nutzen. Die Ergebnisse der Studie „Engagiert, aber allein“ der Vodafone Stiftung unterstreichen diese gefühlte Allgegenwertigkeit von Desinformation und Hassrede in den sozialen Netzwerken mit entsprechenden Zahlen.

Denen zufolge kommt etwas mehr als die Hälfte der 14- bis 24-Jährigen mindestens einmal wöchentlich in Kontakt mit gezielt lancierten Falschmeldungen. 17 Prozent werden gar täglich mit Fake News in den Social Media konfrontiert. Nur 4 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen geben an, nie auf Posts oder geteilte Links gestoßen zu sein, die die Realität bewusst falsch darstellen.

Diese Zahlen wiegen umso schwerer vor dem Hintergrund, dass 93 Prozent der 14- bis 24-Jährigen parallel mehrere Social-Media-Plattformen nutzen und die sozialen Netzwerke damit „ihr erstes und wichtigstes Fenster zur Welt“ darstellen. Doch welche spezifischen Fenster öffnen sie, um was genau zu suchen, zu finden oder zu sehen?

Wie junge Menschen welche Social Media nutzen

Die Mehrzahl der männlichen wie auch weiblichen Millennials nutzt die Social Media, um mit Freunden, Verwandten und Promis in Kontakt zu bleiben. Ebenso viele jedoch bewegen sich in den sozialen Netzwerken, um sich auf dem Laufenden zu halten, was aktuelle Ereignisse in Deutschland und auf der Welt angeht. Immerhin ein Fünftel der Jungen und jungen Männer bzw. sogar ein Viertel der Mädchen und jungen Frauen sehen in den Social Media eine Möglichkeit, ihre dedizierte Meinung mit anderen zu teilen. Für 20 Prozent der männlichen und acht Prozent der weiblichen Befragten schließlich stellen die sozialen Netzwerke auch eine Form der politischen Bildung dar.

Schaut man auf die jeweiligen Communities, die die Jugendlichen und jungen Erwachsenen hierfür nutzen, lässt sich sagen, dass WhatsApp nicht nur das unangefochtene Social-Media-Format Nummer 1 ist, sondern seine Pole Position auch geschlechtsübergreifend locker verteidigt. Doch bereits bei Platz 2 der meist genutzten Social Media geht die Schere zwischen Jungen und Mädchen bzw. zwischen jungen Männern und jungen Frauen deutlich auf: Während nämlich nur 52 Prozent der männlichen Befragten Instagram nutzen, sind es bei den weiblichen Probanden 74 Prozent. YouTube wiederum vereint die Geschlechter mehr oder minder besser (63 respektive 56 Prozent). Auch bei Snapchat (36 respektive 48 Prozent) und Facebook (36 respektive 34 Prozent) geht die Schere zwischen den Geschlechtern nicht allzu weit auseinander. Gravierend werden die Unterschiede bei den Social-Media-Präferenzen dagegen bei Twitter. Den 23 Prozent männlichen Usern stehen nur 11 Prozent weibliche Nutzerinnen entgegen.

Allein gelassen mit der Furcht vor Social-Media-Mobbing

Wie aber begegnen junge Menschen der Flut an Falschmeldungen, mit denen sie täglich oder wöchentlich konfrontiert werden? Was macht das mit ihnen und wie wehren sie sich dagegen? Auch auf diese Fragen hat die Studie „Engagiert, aber allein“ der Vodafone Stiftung Antworten und trägt zudem leider einige davon bereits in ihrem Titel.

Denn gut 30 Prozent der Befragten wissen nicht, wie sie reagieren sollen, wenn sie in den Social Media gemobbt werden und immerhin fast ein Fünftel macht sich Sorgen, irgendwann einmal selbst Zielscheibe von Verleumdungen zu werden. Insofern überrascht es nicht und spricht für die Erfahrungen der jungen Menschen in Sachen soziale Netzwerke, dass 83 Prozent entsprechende Posts erst nach genaueren Überlegungen absetzen. Bei den 16- und 17-Jährigen sind es sogar 96 Prozent, die angeben, sich vorher immer genau zu überlegen, was sie in sozialen Medien posten.

Doch mit den Bedenken und Ängsten vor Mobbing aufgrund eigener Posts oder auch mit der Unsicherheit darüber, wie man Fake News erkennt, benennt und bekämpft, fühlen sich die befragten jungen Frauen und Männer bzw. Jungen und Mädchen teilweise alleine gelassen. Vor allem seitens der Schule wünschen sie sich mehr Unterstützung in Form von Aufklärung und häufigeren Thematisierens bezüglich Desinformation, Falschmeldungen und Hassrede in den Social Media.

Umso weniger erstaunt es, dass die Mehrheit der jungen Menschen bei den delikaten und wichtigen Fragen zu den sozialen Medien am ehesten ihrer eigenen Recherche im Netz vertrauen. 53 Prozent der männlichen und 43 Prozent der weiblichen Befragten gaben das an. Freunde sind für 25 der männlichen und 39 Prozent der weiblichen Studienteilnehmer die Anlaufstelle Nummer 1 in Sachen Social Media und deren Fallstricke. Immerhin insgesamt 21 Prozent wenden sich direkt an ihre Eltern und 24 Prozent melden Hasskommentare und Desinformationen direkt an Facebook, Twitter, WhatsApp, YouTube und Co.

Das jedoch ist selten von Erfolg gekrönt, denn, so die Studie: „[…] mehr als die Hälfte der Jugendlichen gibt an, dass ihre Beschwerde zu „FakeNews“ und/oder Hasskommentaren

keinen Erfolg hatte oder sehr verzögert bearbeitet wurde“. So wundert es nicht, wenn 21 Prozent mittlerweile der Meinung sind, dass es ohnehin nichts bringt, Fake News oder Hasskommentare den jeweiligen Netzwerken zu melden.

News-Qualität der Social Media und andere Nachrichtenquellen

Ähnlich dem geringen Vertrauen in das konsequente Bekämpfen von Desinformation und Hassrede seitens der Social Media, zweifeln die jungen Menschen auch an der Qualität der über die sozialen Netzwerke verbreiteten Nachrichten. 35 Prozent nämlich halten die News für austauschbar und nur 29 denken, dass die Meldungen ausgewogen sind. 15 Prozent werden immer wieder von den News via Socials überrascht (in welcher Form auch immer) und bei 13 Prozent scheint der Algorithmus der Feeds zu funktionieren, fühlen sie doch ihre Meinung in Sachen Nachrichten gut widergespiegelt.

Dass es jenseits der Social Media auch andere, womöglich sogar verlässlichere Informationsquellen gibt, davon sind die meisten überzeugt. So stehen bei 38 Prozent der Jungen und jungen Männer und bei 20 Prozent der Mädchen und jungen Frauen die Online-Medien an erster Stelle, gefolgt vom Fernsehen (16 respektive 18 Prozent). Erst an dritter Stelle werden die Sozialen Medien mit 11 Prozent bei den männlichen und 20 Prozent bei den weiblichen Befragten genannt. Zeitungen und das Radio liegen etwas dahinter, jedoch noch deutlich vor der Schule.

Wer ist verantwortlich für die Bekämpfung von Falschmeldungen?

Stellt sich angesichts des Interesses und Engagements der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Sachen Social Media die Frage, wer sich der Meinung der jungen Menschen nach darum kümmern sollte, Falschmeldungen, Hasskommentare und Propaganda zu bekämpfen. Schließlich stufen sie die Gefahr, die von Desinformation ausgeht, als sehr hoch ein und zwei Drittel fürchten deswegen gar um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland.

An erster Stelle sehen die Befragten ganz klar die Betreiber der Netzwerke und Communities in der Pflicht. Ebenso aber sollten auch Medienprofis und nicht zuletzt auch jeder selbst wie schließlich aber auch die Politikerinnen und Politiker und die Bundesregierung als ganze aktiv werden, um die Social Media sauber zu halten.

Und so wissen wir am Ende, wofür der Titel der Studie steht. Engagiert, aber allein fühlen sich die jungen Menschen mehrheitlich, wenn es um das Erkennen, Verstehen und Bekämpfen von gezielt lancierten Falschmeldungen und die Flut an Hasskommentaren in den sozialen Netzwerken geht. Jeder vierte Befragte hat bereits einmal Fake News gemeldet, doch wie bereits erwähnt, fühlen sich viele mit ihren Beschwerden nicht ernst- oder wahrgenommen und auch seitens der Schule unzureichend aufgeklärt. Desto wichtiger ist es, das Thema Desinformation und Hasskommentare in den Social Media gerade in den Klassenräumen ganz oben auf die Agenda zu setzen und die Schulen mit anderen Akteuren aus diesem Bereich zu vernetzen.

Autor: MB

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