Blickwinkel

Kampf gegen Fake News wird zum Kraftakt für Facebook

Influencer Marketing

Facebook investiert massiv in seinen Kampf gegen Fake News. Dieser offenbart Probleme gewaltigen Ausmaßes und scheint den Konzern an seine Grenzen zu bringen. Der jüngste Coup ist zwar als Erfolg zu verbuchen, zeigt aber auch gleichzeitig, dass die Angriffe immer ausgefeilter werden und die Schar der Angreifer immer diversifizierter.

Erfolgreicher Schlag gegen iranische Desinformationskampagne

So stoppte Facebook nach eigenen Angaben jüngst eine umfangreiche Kampagne aus dem Iran und löschte mehr als 650 miteinander verknüpfte Seiten, Gruppen sowie Konten mit insgesamt mehr als 813.000 Followern. Ziel der dahinterstehenden iranischen Gruppierung „Liberty Front Press“ sei offenbar gewesen, politische iranische Interessen zu streuen. Entdeckt wurden die auch außerhalb Facebooks agierende Desinformationskampagne von der Cybersecurityfirma FireEye. Auch Twitter war betroffen und löschte daraufhin ebenfalls umfangreich.

Beeinflussung amerikanischer Wahlen

Die Maßnahme war Presseberichten zufolge Teil des Kampfes gegen sogenannte Fake News vor den anstehenden Kongresswahlen in den USA. In diesem Zusammenhang entfernte Facebook bereits Ende Juli 32 Seiten von seiner Plattform sowie der seiner Tochter Instagram. Man habe Hinweise, dass die gefundenen Seiten Verbindungen zu Konten der in Russland ansässigen „Internet Research Agency“ gehabt hätten. Eben jene Gruppe, die in Verdacht steht, während des Präsidentschaftswahlkampfes 2016 in großem Stil versucht zu haben, über gefälschte Facebook-Profile, soziale Spannungen in den USA zu verschärfen – und auf diese Weise Donald Trumps Wahlsieg zu forcieren.

Fake News als expandierendes Geschäftsmodell

Doch unabhängig davon, welche Ideologien oder politischen Ziele hinter Fake News stehen, eines wird klar: Die Strategien und Methoden der Desinformation werden immer raffinierter. Und: Die Securityfirma FireEye warnt, dass sich die Bedrohung durch derartige Einflussversuche über Social Media noch weiterentwickeln wird. Denn neben politischer Beeinflussung haben Fake News noch weiteres Potential: Es lässt sich mit ihnen viel Geld verdienen. Denn je mehr Menschen auf Webseiten mit fragwürdigen Informationen gelockt werden, desto größer sind deren Werbeeinnahmen. Fake News als Geschäftsmodell.

Facebooks Investitionen im Kampf gegen Fake News

Vor diesem Hintergrund bestehen berechtigte Zweifel, ob Facebooks Maßnahmen im Kampf gegen Fake News grundlegend Aussicht auf Erfolg haben können – obwohl der Konzern große Summen in Infrastruktur und Softwarelösungen investiert. Wie Mark Zuckerberg persönlich verkündete, werden über 20.000 Menschen bis Jahresende in den Review-Teams beschäftigt, welche sich mit gemeldeten Inhalten und Profilen auseinander setzen. 99 Prozent aller Propaganda werde von AI-Systemen (Künstliche Intelligenz) bereits erkannt, bevor es zu einer Verbreitung auf Facebook kommt. In seinem ersten Quartalsbericht dieses Jahres bestätigte Facebook, in den vergangenen sechs Monaten 1,3 Milliarden Fake-Accounts gelöscht zu haben. Zudem würden jeden Tag mehrere Millionen Fake-Account Registrierungen erkannt und unterbunden.

Sisyphos-Aufgabe

So hilft Software dabei, Fake-Profile und verbotene Inhalte wie Fotos mit einer Trefferquote von fast 100 Prozent herauszufiltern. Schriftliche Beiträge bereiten dem Netzwerk allerdings große Probleme – vor allem, wenn sie nicht in englischer Sprache verfasst sind. Lediglich 38 Prozent verbotener Aussagen werden demnach von Software herausgefiltert. Angesichts der Flut an potenziell regelwidriger Statusmeldungen und Fake News stellt das manuelle Herausfiltern jedoch eine Sisyphos-Aufgabe dar, welche die Löschteams an ihre Grenzen bringt. So berichtete das US-Magazin Motherboard jüngst über frustrierte Facebook-Mitarbeiter, die sich vor einem aussichtslosen Unterfangen sehen.

Bewertungssystem für Vertrauenswürdigkeit von Facebook-Nutzern

Vor diesem Hintergrund ist wahrscheinlich auch die Einführung eines Bewertungssystems für die Vertrauenswürdigkeit seiner Nutzer zu sehen. So sollen Facebook-Nutzer künftig von anderen Usern bewertet werden können. Laut Aussage der zuständigen Managerin gegenüber der Washington Post habe Facebook das Problem, dass zum Teil korrekte Inhalte mit Absicht als falsch gemeldet würden, beispielsweise weil die Nutzer mit der Meinung nicht einverstanden seien. Wenn diese Maßnahme Fake News entlarvt oder Kapazitäten schafft, um tatsächliche Fake News zu identifizieren, ist das wahrscheinlich eine gute Idee. In seinem Kampf gegen Fake News greift der Konzern offenbar nach jedem erdenklichen Strohhalm.

Autor: KS

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