Blickwinkel

Katja Krasavice: Liebeserklärung an den Coitus

Influencer Marketing

Während wir den Schock von Bibis erster Single „How it is (wap bap)“ gerade erst verdaut haben, kommt nun die nächste YouTuberin aus dem musikalischen Hinterhalt. Katja Krasavice, ihres Zeichens erklärte „Mrs. Bitch“, hat am 24. November ihre erste Single veröffentlicht. Für den geneigten Faktenskeptiker: Sie heißt wirklich so auf Instagram.

Clickbaiting par excellence

Katjas Song „Doggy“ erreicht rund 12,1 Millionen Aufrufe bei YouTube (Stand: 12. Dezember 2017). Im Video verbringen vier wohlgesittete Damen einen ruhigen Pokerabend. Dann kommt einer der Protagonistinnen der spontane Einfall, dass die Gewinnerin der Pokerrunde diejenige auswählt, die den Pizzaboten verführen muss. Eine Geschichte, wie aus dem Leben gegriffen. Natürlich muss Katja Krasavice dem freudig erregten Pizzaboy den Hof machen. Die folgenden Minuten des Clips sind ein buntes Potpourri aus nackter Haut, pinkem Netzstoff, kauernder Bettgymnastik und der eindringlichen Aufforderung Katja in rückwärtiger Position zu beglücken.

Ihrem Image wird das Video jedenfalls gerecht. Ihre Social-Media-Aktivitäten beschränken sich größtenteils auf horizontale Aktivitäten. Im Gegensatz zu Doktor Sommer aber nicht in pädagogischer Ausrichtung. In ihren Videos spricht Katja ganz gern über Oralverkehr, Affären oder lässt sich die Augen verbinden und mit diversen Flüssigkeiten in den geöffneten Mund spritzen, um zu erraten, was für eine Flüssigkeit es war. Das kennen wir höchstens von einschlägigen Internetseiten, bei denen man vor dem Betreten das Alter angeben muss. Haben wir gehört.

Maximierung der Reichweite auf YouTube

Der feuchte Traum unzähliger pubertärer Teenager dürfte sich unabhängig von der fragwürdigen Message in die Ohren und Augen brennen. Viel Aufmerksamkeit generiert die Hymne auf den Geschlechtsakt sowieso. Während Katjas Videos in der Regel zwischen 500.000 und 800.000 Aufrufe erzielen, legt „Doggy“ ein ordentliches Schippchen drauf. Mit 12,1 Millonen Views erreicht sie nicht nur die meisten Views ihres sehr deutlich thematisch geprägten Kanals, sie erhält auch die meisten Downvotes – über 425.000, um genau zu sein. Nun stellt sich die Frage: Was soll das?

Wie auch schon Bianca Heinicke, besser bekannt als Bibi, mit ihrem Song „How it is“ demonstrierte, zieht der Ausflug in die Musikwelt viel Aufmerksamkeit auf den „Künstler". Zum einen beflügelt die ohnehin schon große Reichweite die Sichtbarkeit des Videos im Netz. Dazu kommen unzählige Fans sowie Hater, die das Video teilen oder kommentieren und nicht zuletzt andere teils große YouTuber, die sogenannte Reaction Videos oder Parodien produzieren. Die Reichweite potenziert sich. Dabei ist es sowohl für Bibi als auch Katja völlig egal, ob das Musikvideo unzählige Dislikes kassiert. Beispiel Bibi: Auch wenn „How it is" einen zweifelhaften Eintrag in der Hall of Fame der meist dislikten Videos erhält (Nummer 7 der Rangliste mit 2,66 Millionen Downvotes), ist auch er gleichermaßen ein willkommener Multiplikator. Geschaltete Werbung bei einem solchen Video bringt noch dazu Einnahmen und das nicht zu knapp. Darüber hinaus dürften sich die YouTuber über noch mehr Abonnenten durch die Sichtbarkeit, beispielsweise in den YouTube Trends, freuen. 

Die neue YouTuber Karriere?

Vielleicht hat Katja an dieser Stelle etwas bei Bibi abgekupfert – ein Schelm wer Böses denkt. In jedem Fall bezeugt der Song „Doggy“, dass nackte Haut verkauft. Immer. Ganz gleich, ob das Musikstück nun Anklang beim Hörer findet oder nicht: es polarisiert und funktioniert. Übrigens sehen auch die Fans Parallelen zwischen Bibi und Katja, gleichwohl sich die User in den Kommentaren eher für Katja aussprechen. 

Der große Buzz dürfte dafür sorgen, dass weitere Akteure die Bühne betreten und ebenfalls den Schritt heraus aus dem gängigen Influencer-Dasein wagen. Bibi und Katja sind nicht die einzigen YouTuberinnen, die einen Song produzierten. Die deutschen Influencer Sternchen, Lisa und Lena, haben es schon vorgemacht (Hier geht's zum Artikel: Die auch noch: Warum Lisa & Lena Musikvideos machen). Definitiv handelt es sich bei den Releases um einen großen Marketing Stunt, bei dem auch der ein oder andere Euro ins Portemonnaie der YouTuber flattert. Es ist also zu erwarten, dass Katjas „Doggy“ nicht der letzte Track eines YouTubers sein wird. 

Die letzte offene Frage bleibt: Warum bestellen die vier Damen im Clip Pizza und essen sie dann nicht? Wir löschen auf jeden Fall erstmal unseren Browserverlauf.

Autor: AA

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