Blickwinkel

Neue Mission für Miss Germany

Influencer Marketing

Der altgediente Schönheitswettbewerb „Miss Germany“ ist in die Tage gekommen und soll nun zu einem crossmedialen Influencer-Contest verjüngt werden. Zur Unterstützung holt die Miss Germany Corporation (MGC) die Bauer Media Group als Vermarktungs- und Medienpartner ins Boot.

Charakter unterm Krönchen

Von dem 1927 ins Leben gerufenen Wettbewerb bleibt nur noch der Name – alles andere werde über Bord geworfen, verkündet MGC-Geschäftsführer Max Klemmer im Horizont-Interview. Als Grund führt er an, dass sich sowohl das gesellschaftliche Klima als auch das Frauenbild gewandelt habe. Bereits in der vergangenen Runde des von Großvater Horst Klemmer seit 1960 durch die Miss Germany Corporation (MGC) ausgerichteten Events zeichnete sich ein Richtungswechsel ab. So wurden die Bikinis vom Laufsteg verbannt und eine Polizeihauptmeisterin mit Zahnlücke gekrönt, die schon vom klassischen Schönheitsideal ihrer Vorgängerinnen abweicht. Künftig soll Persönlichkeit den Vorrang vor bloßem Posing bekommen, indem Faktoren wie Haltung, Lebensstil und Verantwortung mit einbezogen werden.

Neues Marketing für alte Marke

Für die Erarbeitung einer neuen Miss-Mission hat Klemmer sogar das Zukunftsinstitut in Frankfurt zu Rate gezogen. Herausgekommen ist dabei der soziale Megatrend „Empowering authentic women“. Mit diesem Claim baggert die Bauer Media Group nun um zahlungskräftige Werbekunden. Fünf bis acht große Player sollen den gesamten Wettbewerb begleiten, diverse kleinere dürfen einzelne Themen und Teilstrecken sponsern. Schließlich soll es viele Präsentationsmöglichkeiten für Werbekunden der unterschiedlichsten Branchen geben. Denn das ehemals Event-getriebene Sponsoring-Format wird laut Horizont zu einem „beinahe ganzjährig bespielten Crossmedia-Vermarktungspaket umgemodelt, inklusive der Rekrutierung neuer Influencerinnen“. Dafür wird auf allen Kanälen getrommelt – mit redaktioneller Hintergrundbeschallung von insgesamt sieben Bauertiteln, unter anderem Cosmopolitan, Shape und sogar Lecker.

Miss Marketing

Damit in all diese Titeln und Kanälen auch genügend Werbeplätze gebastelt werden können, dürfen sich die Kandidatinnen der aktuellen Runde bis Ende August in acht Kategorien bewerben: Sport & Gesundheit, Unternehmertum & Kunst, Mode, Kosmetik, Familie & Freunde, Reisen & Natur, Food sowie Nachhaltigkeit. Gesucht wird also quasi eine Miss Marketing. Laut Verkaufsprospekt mit Attributen, die jedem Vermarkter Freudentränen in die Augen pullern: „aktiv, gebildet und neugierig; konsumbereit und trendaffin; selbstbewusst und kämpferisch; unternehmerisch, aber nachhaltig; einflussreich und mit Verantwortung in ihrer Community“.

„Konsequent Purpose-driven“

Mit Bauers Mediapower erhofft man sich bei MGC über 15.000 Bewerberinnen für die aktuelle Online-Recruitingphase. Bis Ende September wählt dann eine Experten- und (!) Sponsorenjury pro Bundesland 16 Kandidatinnen nach sozialen Performance-Indikatoren wie Ausstrahlung, Unterhaltungswert und „Community Care“. Je eine Finalistin pro Bundesland darf dann, unter den Augen der TV-Nation, drei Wochen in einem „Personality Camp“ in diversen Challenges eine gute Figur für die Sponsoren machen. Wenn das nicht einen starken GNTM-Stallgeruch verbreitet. Aber auch diesen Einwand kontert Kemmer selbstbewusst gegenüber Horizont: „Wir sind der Gegenentwurf zu GNTM, indem wir gerade kein eindimensionales Frauenbild casten und formen. Das neue Miss-Germany-Format ist konsequent Purpose-driven: Ein übergreifendes Format, das in allen relevanten Lebenswelten der modernen Frauen stattfindet und sie in ihrer individuellen Persönlichkeit weiterentwickelt.“

Wir drücken die Daumen, allen Beteiligten.

Autor: KS

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