Blickwinkel

„Off-Facebook Activity“ - Transparenztool oder PR-Coup?

Influencer Marketing

Facebook hat die Funktion „Off-Facebook Activity“ (OFA) jetzt auch in Deutschland freigeschaltet. Mittels „Aktivitäten außerhalb von Facebook" können Facebook-Nutzer hierzulande nun einsehen, welche Daten von externen Webseiten der Social-Media-Gigant sammelt – und dies sogar teilweise einschränken.

Gigantische Datenmengen aus dem gesamten WWW

Denn der milliardenschwere Konzern häuft nicht nur mittels eigener Websites und Apps gigantische Datenmengen zur Nutzeraktivität an, sondern auch über eine Vielzahl von Firmen und Organisationen im Internet. Zu solchen Datenweitergaben kommt es beispielsweise, wenn diese Drittdienste ein Einloggen mit Facebook anbieten oder sogenannte Facebook-Pixel oder Facebooks Software Development Kit (SDK) einsetzen. Denn mit diesen „Facebook Business Tools" hat der Werbe-Riese quasi das gesamte Web „verwanzt“ und kann auf diese Weise Onlinenutzer durch das ganze Internet verfolgen und bis zum letzten Klick analysieren. So weiß Facebook nicht nur, welche Webseiten und Apps wann besucht beziehungsweise geöffnet wurden, sondern auch welche Produkte gesucht und schließlich gekauft wurden. Alles mit dem Ziel, Werbemaßnahmen zu personalisieren und zu optimieren.

Schön viel Interaktion

„Aktivitäten außerhalb von Facebook bietet eine neue Form von Transparenz und Kontrolle. Wir haben lange daran gearbeitet und mussten einige unserer Systeme umstellen, damit es funktioniert“, formuliert es Mark Zuckerberg höchstpersönlich und werbewirksam am Europäischen Datenschutztag via Blogpost. Welche Webseiten Informationen über Nutzer an Facebook weiterleiten und in welcher Form, hat der Konzern lange geheim gehalten. Mit der bereits im Mai 2018 angekündigten Funktion können nun aber auch deutsche Facebook-Nutzer sehen, welche Apps und Websites Facebook in den vergangenen 180 Tagen mit Informationen über die eigene versorgt haben – und auch wie viele Interaktionen bzw. Daten-Punkte es gab. Die Funktion wurde im vergangenen August zunächst nur für einige wenige Länder wie Irland, Spanien und Südkorea eingeführt.

Datenreise durch viele Hände

Nicht selten werden es Hunderte Dienste sein, die Facebook mit persönlichen Informationen im abrufbaren Zeitraum beliefert hat. „Wenn du einige deiner Aktivitäten nicht wiedererkennst, kann das daran liegen, dass wir sie von Daten-Dienstleistern oder Werbeagenturen erhalten haben. Unternehmen und Organisationen nutzen möglicherweise Drittanbieter von Daten oder Werbeagenturen, um die Kundeninteraktionen in ihren Apps und auf ihren Websites zu analysieren“, ließ der Konzern in einer früheren Ankündigung verlauten. Und gibt auch zu, nicht alle Aktivitäten über die Facebook informiert wurde anzuzeigen – „aus technischen Gründen und aus Gründen der Zuverlässigkeit“.

Verlauf entfernen und Verknüpfung aufheben

Doch nun sollen die Nutzer neben, zumindest partieller, Transparenz auch Kontrolle über ihre Daten erhalten. Denn wer sich die Mühe macht, kann unter „Einstellungen“/„Deine Facebook-Informationen“/„Aktivitäten außerhalb von Facebook“ deren Verlauf entfernen und verhindern, dass Facebook zukünftig weitere Daten mit dem eigenen Konto verknüpft. Letzteres ist unter „Weitere Optionen“/„Künftige Aktivitäten verwalten“ möglich – für jeden Anbieter einzeln oder für alle auf einmal. Allerdings gilt dies nur für die Interaktionen der vergangenen 180 Tage.

Hübsches Hintertürchen

Nicht abstellen lässt sich allerdings das hübsche Detail, dass Facebook weiterhin Informationen sammelt. So vermeidet Facebook auch wohlbedacht den Begriff „löschen“ und spricht nur von „Verlauf entfernen“. Denn die Aktivitätsverwaltung hebt lediglich die Verknüpfung der Informationen mit dem eigenen Facebook-Konto auf – aggregiert werden die persönlichen Daten dennoch. Die Aktivierung von OFA bedeutet auch nicht, dass man nun weniger Werbung präsentiert bekommt – es ändert sich nur der Grad der Personalisierung. Wer mit dem neuen Transparenztool die Zuordnung von Daten zum eigenen Konto einschränkt, „kratzt nur an der Oberfläche“, wie die Süddeutsche Zeitung formuliert. Um kurz darauf die amerikanische Bürgerrechtsorganisation EFF mit den Worten zu zitieren: „Dieses Werkzeug deckt nicht ansatzweise all die Mittel und Wege ab, mit denen Facebook Daten sammelt und zu Geld macht.“

Das wäre auch sehr verwunderlich gewesen.

Autor: KS

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