Blickwinkel

So social geht es in der Schweiz zu

Influencer Marketing

Wohin verschlägt es die Eidgenossen eigentlich in Sachen Social Media, Messenger oder auch bezüglich Blogs, Vlogs und Influencer? Einige spannende Antworten gibt die Studienreihe Social Media in der Schweiz, die auch dieses Jahr von der Züricher Online-Marketing- und Social-Media-Agentur xeit GmbH aufgelegt wurde.

Die Unternehmensberaterin Marie-Christine Schindler hat einige harte Fakten der kostenpflichtigen Studie ansprechend aufbereitet und zeigt an einigen Beispielen der Antworten der insgesamt 1.111 Befragten zwischen 19 und 80 Jahren, wie die Schweizer in Sachen Social so ticken.

Gezielte Online-Suche und ständiger Stress

Was wohl für viele Länder dieser Erde gilt, ist auch für die Mehrheit die Menschen in der Schweiz gültig: Sie sind wahrlich keine Internet-Asketen. Vielmehr bewegen sich fast alle von ihnen mindestens einmal pro Tag im Netz, auf der Suche nach Informationen.

Wie oft und von wo nutzen Sie das Internet zur gezielten Informationssuche.png

91 Prozent surfen regelmäßig von zu Hause aus, während immerhin 71 Prozent täglich oder gar mehrmals pro Tag am Arbeitsplatz auf Online-Informationssuche gehen. Wonach genau gesucht wird – ob vornehmlich zu Arbeitszwecken oder privat – bleibt die Studie leider schuldig. Was jedoch fast noch interessanter erscheint, ist die Tatsache, dass 87 Prozent der Befragten mobil online gehen.

Wenn sie surfen, dann tun sie dies auch, um die sozialen Netzwerke zu besuchen. 75 Prozent tun das täglich von zu Hause, 69 Prozent von unterwegs und die Hälfte der Befragten von ihrem Arbeitsplatz aus. Wahrscheinlich in der Mittagspause und womöglich, um sich politisch zu informieren, denn immerhin 40 Prozent der Studienteilnehmer tun dies zumindest vor Wahlen in den Social Media.

Wie, worin oder womit auch immer die Schweizer ins Internet eintauchen: Sie sind zunehmend gestresst. Entweder davon, dass sie ständig online sind oder auch vermehrt davon, dass sie offline sind. Je jünger die Nutzer sind, desto eher sind sie in dem Quasi-Dilemma zwischen dem Wunsch nach einem kleinen Digital Detox und stechendem FOMO-Stress gefangen. Je älter die User werden, desto entspannter scheinen sie in Sachen Online- und Offline-Stress, wobei es die Gruppe der 40- bis 54-Jährigen eher ohne Internet aushält als die Senioren.

Meistens Messenger und manchmal SMS

Auch in Sachen Messenger macht die Schweiz keine Ausnahme: WhatsApp dominiert – und das deutlich mit 78,5 Prozent. Sehr bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass es trotz der WhatsApp-Dominanz tatsächlich noch Menschen in der Schweiz gibt – genauer gesagt: 7,2 Prozent –, die häufig SMS verschicken. Und diese Kommunikations-Retros sind damit sogar noch zahlreicher als die 5,2 Prozent, die regelmäßig Facebooks Messenger nutzen.

Blogs bleiben in vieler Munde

Besonders beliebt sind bei den Schweizern Blogs, die sich mit dem Thema Reisen beschäftigen. Jeder zweite Schweizer steht auf Blogger und Blogs, die Travel-Themen bedienen. Und weil Reisen auch online hungrig macht, sind Food-Blogs mit 38 Prozent die zweitbeliebtesten, gefolgt von Sport-Blogs mit 30 Prozent – weil man ja nach dem ganzen Essen wieder etwas Bewegung braucht – und Lifestyle (30 Prozent).

Die Liebe der Schweizer zu Blogs drückt sich aber nicht nur in jenen Zahlen aus, die ihre Lieblingsthemen widerspiegeln. Vielmehr sind es auch die eigenen Blogger-Aktivitäten, die zeigen, wie gerne die Eidgenossen Online-Texte schreiben und publizieren. Immerhin 11 Prozent der Befragten gab an, selbst zu bloggen und pro Woche durchschnittlich einen Beitrag zu veröffentlicht.

Unternehmen haben auf Facebook die meisten Follower

Ein Blick auf die sozialen Netzwerke, auf denen Unternehmen die meisten Schweizer Follower auf sich vereinen können, zeigt, dass Facebook zwar mit 52 Prozent der Nennungen die mit einigem Abstand beliebteste Plattform darstellt, andererseits aber im Vergleich zum Vorjahr 4 Prozent Federn lassen musste. Anders Facebooks hippe Tochter Instagram: Die Foto-Sharing-App folgt mit 41 Prozent auf Platz zwei und konnte verglichen zu 2018 sogar 6 Zähler zulegen.

Auf welchen Netzwerken folgen Sie Unternehmen.png

Eine wohl sehr Schweizerische Besonderheit im Ranking der Social Media zeigt sich auf Platz 3. Den nämlich teilen sich YouTube und die Business-Plattform LinkedIn mit je 31 Prozent. Beide legten in Sachen Nennungen zwar zu, YouTube jedoch mit 4 Prozent schwächer als das Karriere-Netzwerk (plus 9 Prozent).

Doch, wie viele Schweizer outen sich eigentlich als Follower? Vor allem von Personen oder Profilen, die ihnen persönlich nicht bekannt sind? Tatsächlich sind es insgesamt nur 40 Prozent, die das zumindest auf YouTube oder Instagram tun, dennoch aber 8 Prozent mehr als noch im Vorjahr.

Je jünger die User sind, desto mehr Follower finden sich in ihren Reihen. Bei den Millennials sind dies überwältigende 82 Prozent. Je älter die Nutzer sind, desto seltener folgen sie unbekannten Menschen auf YouTube oder Instagram. Unter den +65-Jährigen finden sich gerade einmal 7 Prozent Follower.

Folgen Sie Influencern, mit denen Sie privat nicht bekannt sind auf Instagram oder YouTube.png

Good Influencer – bad Influencer

Bei all der Follower-Affinität in der Schweiz bleibt die Confoederatio Helvetica logischerweise auch nicht von Skandälchen der Influencer-Art verschont. So wirft der Schweizer Konsumentenschutz unter anderem auch dem Tennis-Star Roger Federer vor Schleichwerbung auf Instagram zu machen. Bei 6 Millionen Followern, die der Schweizer Ausnahme-Spieler zählt, ist das keine Bagatelle. Zudem trifft die nicht gekennzeichnete Werbung der Markenbotschafter in den Social Media auf fruchtbaren Boden. Immerhin geben nämlich 44 Prozent der von xeit Befragten an, mindestens einmal etwas gekauft zu haben, weil sie es beim Influencer ihrer Wahl entdeckt hatten. Ob nun ordnungsgemäß als Werbung geflaggt oder zufällig ins Bild gerutscht, wissen wir leider nicht.

Fest steht jedenfalls, dass die Schleichwerbung nicht das einzige Problem ist, dass Schweizer Instagram-Influencer haben. Sie kämpfen nämlich hier und da auch mit Authentizitätskrisen. So sollen zwar hinter zwei Dritteln der Schweizer Instagram Profile wirkliche Personen stehen, bei 34 Prozent jedoch sind Bots im Spiel. Da es aber andererseits weltweit durchschnittlich 54 Prozent der Instagram-Accounts sind, hinter denen eine Künstliche Intelligenz die Strippen zieht, stehen die Schweizer in Sachen Fake Influencer doch noch recht respektabel da.

Was erwarten Sie von einer Marke in einem sozialen Netzwerk.jpg

Erwartungen an die Brands in den Social Media

Wenn die Schweizer sich in den sozialen Netzwerken aufhalten und mit Brands in Kontakt kommen, dann wünschen sie sich zu 60 Prozent Informationen zum Unternehmen und/oder zur Marke selbst. Mit 55 Prozent erwartet etwas mehr als die Hälfte, dass Marken in den Social Media die Nutzer über Themen informieren, die die Brand selbst betreffen.

Immerhin 45 Prozent setzen auf Entertainment als die wichtigste Erwartungshaltung, wenn es um den Austausch mit Marken und Unternehmen auf den sozialen Plattformen geht. Über ein Drittel schließlich wünscht sich, dass Unternehmen die Social Media endlich auch als Kundenservice-Kanal etablieren.

Autor: MB

(Quelle aller Abbildungen: xeit GmbH: Social Media in der Schweiz; Marie-Christine Schindler)

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