Blickwinkel

Trumps Social Media Gipfel ohne Branchengrößen

Influencer Marketing

Das Weiße Haus, genauer gesagt das Office of Digital Strategy, hat zu einem Social-Media-Gipfel eingeladen. Heute, am 11. Juli 2019, sollen sich hier digitale Entscheider und Leader treffen, um sich produktiv über Möglichkeiten und Herausforderungen der heutigen Online-Welt auszutauschen. Was zunächst nach einer Einladung zum Dialog zwischen der Trump-Administration und den Akteuren aus dem Silicon Valley klingt, ist aber eigentlich als Ausladung gemeint – und zwar explizit an die Adressen von Facebook und Twitter. Die nämlich sind personae non gratae, also nicht erwünscht in der 1600 Pennsylvania Avenue.

Andere digitale Alphas wiederum wedeln virtuell mit ihrer Einladung zum White House Social Media Summit – und zwar in genau den sozialen Netzwerken, die sie so verteufeln.

Das Problem mit diesen beiden Geladenen sind skurriler Weise deren Aktivitäten in den sozialen Netzwerken: Der Cartoonist Ben Garrison ist nicht nur für seine Trump-Nähe und Linientreue bekannt, sondern vor allem auch berüchtigt aufgrund seiner von vielen als eindeutig antisemitisch eingeordneten Cartoons, die er übrigens mit großem Eifer auf Twitter teilt.

Der andere, Bill Mitchell, der mitunter auch als Trumps inoffizielles Twitter-Maskottchen bezeichnet wird, betreibt unter dem Namen „YourVoice Radio“ einen Podcast und einen YouTube-Channel namens YourVoice America. Beide Formate gelten als verlängerter Arm von Trumps Thesen und generell von (ultra)-konservativen Hirngespinsten, Verschwörungstheorien und Leugnungen des Menschen gemachten Klimawandels. Nicht umsonst bezeichnet er die Medien als Speichellecker der Linken und bietet sein YourVoice America als echte Alternative an.

Widersprüchlich inszenierter Summit

Zu der „illustren“ rechten Reihe der geladenen Gäste zählen in erster Linie Trump-Getreue, die mit ihrem Präsidenten vor allem eines teilen: Den Hass auf die Social Media, die sie ironischerweise jedoch sehr stark frequentieren, um sich Gehör zu verschaffen. Das aber – und dies wird auch der US-Präsident nicht müde zu twittern – soll es gerade den Konservativen absichtlich schwer gemacht werden. Ihre Stimmen, so Trump und seine Anhänger, würden vorsätzlich stumm oder leise geschaltet und die Rekrutierung neuer Follower und Fans werde gezielt erschwert. Ein Vorwurf, den sich Twitter-CEO Jack Dorsey vor nicht allzu langer Zeit vom Präsidenten (der über 60 Millionen Follower zählt) persönlich gefallen lassen musste.

Kürzlich kamen dann noch schärfere Kennzeichnungsregel beim Kurznachrichtendienst hinzu, der jetzt auch regelwidrige Politiker-Posts in die Schranken bzw. in die Quasi-Verbannung schickt. Eine Regel, die auch Donald Trump treffen könnte. Der wiederum war darüber sehr erbost und kündigte in einem Interview mit seinem „Haussender“ Fox News an, Twitter, Facebook und Google und deren in seinen Augen möglicherweise illegalen Aktivitäten künftig noch genauer zu beobachten.

Mit diesem Hintergrund ist der geplante Social Media Summit im Weißen Haus in gewisser Weise auch eine Warnung in Richtung liberale Social Media. Denn mit Blick auf die Gästeliste lässt sich mutmaßen, dass man bei diesem Gipfel eher über Twitter, Facebook und Google (und mögliche Maßnahmen gegen sie) sprechen wird als mit ihnen. Das Ausloten gemeinsamer konstruktiver Lösungen sieht jedenfalls irgendwie anders aus. Vielmehr wird es ein Summit werden, bei dem sich die versammelte rechte und konservative „Crème de la Crème“ in einer ovalen Echo-Kammer gegenseitig in ihrer Verfolgungswahn-Wahrnehmung versichern und darin bestärken kann, dass die Social Media sie allesamt unfair behandeln – allen voran ihren Präsidenten Donald Trump.

Autor: MB

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