Blickwinkel

Twitter-Maulkorb für Elon Musk

Influencer Marketing

Normalerweise lässt sich jemand wie Elon Musk nicht den Mund verbieten. Wenn aber ein US-Gericht ihn zu einem Maulkorb verdonnert, muss auch ein extrovertierter Visionär und Hasardeur wie der Tesla- und SpaceX-CEO wie auch PayPal-Mitgründer mitunter den Mund halten, zumindest in Bezug auf bestimmte Themen und vor allem via Twitter.

Den Kurznachrichtendienst darf Elon Musk künftig nicht mehr ohne einen rechtlichen Twitter-Sitter nutzen. In einer gerichtlichen Einigung mit der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) wurde jetzt festgeschrieben, über welche Themen er als Gründer und Gesicht von Tesla nicht mehr twittern darf, ohne sich vorher das Go eines auf Börsenrecht spezialisierten Anwalts geholt zu haben.

Empathischer Laubbläser

Entsprechend der Einigung mit der SEC muss Elon Musk in Zukunft sehr sparsam mit Tweets umgehen, die Vorab-Informationen zu Finanzkennzahlen, Produktionszahlen, geplanten Übernahmen oder auch zu neuen Produktreihen enthalten. Gut, dass er seinen Tweet über den geplanten Bau eines leisen, mitfühlenden und voll elektrischen Tesla-Laubbläsers noch gerade rechtzeitig vor dem Gerichtsbeschluss abgesetzt hatte.

Denn eine solche Ankündigung würde gegen die aktuelle Auflage verstoßen, die Musk untersagt, Pläne für neue Produkte auf Twitter zu teilen, bevor sie über offizielle Kanäle kommuniziert wurden.

Wiederum erlaubt wäre im Nachhinein Musks Tweet von Anfang Januar, in dem er mitteilte, den Tesla Roadster mit einem Antrieb aus der SpaceX-Technologie auszustatten, um ein Schweben über dem Boden zu ermöglichen. Hier nämlich nahm Musk ja Bezug auf Neuerungen für bereits bestehende Fabrikate. Und so etwas (Absurdes oder Geniales) über Twitter zu teilen, ist im Rahmen des Erlaubten.

Warum Elon Musk Sendepause einlegen soll

Auslöser für den jetzt betätigten Twitter-Stummschalte-Knopf waren launische bis kryptische Tweets, die Musk in den vergangenen Monaten an die Welt und an seine mehr als 26 Millionen Follower gesendet hatte. Darunter befanden sich nach Meinung der SEC auch Informationen, die relevant für den Börsenkurs von Tesla waren. Dazu zählt beispielsweise die Ankündigung aus dem August letzten Jahres, dass Tesla genug finanzielle Mittel habe, um aus dem Börsenhandel auszusteigen. Die SEC konnte dem Tweet jedoch nichts Lustiges abgewinnen und nahm Musks Ankündigung ernst. Der musste schließlich 20 Millionen Dollar tief in die Tasche greifen, um den Streit ohne Schuldbekenntnis seinerseits beizulegen.

Im Februar schließlich twitterte Musk, dass Tesla 500.000 Elektroautos bauen werde. Offiziell geplant und kommuniziert waren aber nur 400.000. Das alles führte zu einem ersten Versuch, dem Tech-Guru einen – wenn auch noch sehr lockeren weil unspezifischen – Twitter-Maulkorb zu verpassen. Doch tatsächlich schien das Elon Musk herzlich wenig zu interessieren, hielt er doch wohl in keinem einzigen Tweet-Fall Rücksprache mit seinem Rechtsbeistand. Auch die Forderungen an ihn, das CEO-Zepter von Tesla abzugeben, brachten ihn ebenso wenig davon ab wie seine Verbannung vom Vorsitz im Verwaltungsrat, Twitter weiter mit seinen teils absurd anmutenden Tweets zu füttern. Nun aber, da gerichtlich fixierte wurde, was Musk twittern darf und welche Infos er besser über offizielle Tesla-Kanäle verbreiten lassen sollte, bleibt abzuwarten, ob und in welchen Grenzen der neue und klar definierte Maulkorb halten wird. Fest steht jedenfalls, dass die gerichtliche Einigung dem Börsenwert von Tesla einen Gesundungsschub á la SpaceX-Antrieb verpasste.

Kennzeichnungspflicht für komische Kommentare

Seien es nun der leise und mitfühlende elektrische Laubsauger, der Raketenantrieb für den Tesla Roadster oder andere Dinge, die Elon Musk durch den Kopf gehen und von dort fast schon automatisch auf Twitter landen: Man ist sich nie sicher, ob er gerade witzelt oder ob er es ernst meint und damit die Unternehmensstrategie öffentlich macht.Wenn Musk Twitter als seinen Kommunikationskanal nutzt, über den er Vorab-Informationen über Tesla teilt, die auch und gerade für Investoren relevant sind, vermischt sich gerade bei ihm nicht nur Persönliches mit Geschäftlichem, sondern auch Sachliches mit Komischem. Um dies künftig eindeutig auseinanderhalten zu können, so die Ansicht des Bloomberg-Kolumnisten Matt Levine, hätte die US-Börsenaufsicht Elon Musk zusätzlich auferlegen sollen, seine ironischen Tweets mit „j/k“ (joke) oder „lol“ zu kennzeichnen. So wären am Ende wenigstens alle sicher, dass er sich gerade einen Spaß erlaubt oder es tatsächlich ernst meint – so absurd die Visionen von Elon Musk manchmal auch erscheinen mögen.

Autor: MB

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