Blickwinkel

Twitters neue Besen kehren jetzt noch besser

Influencer Marketing

Wo Twitter, da Trump. So zumindest lautet die Einschätzung des US-amerikanischen Präsidenten. Im Rahmen eines persönlichen Treffens mit Twitter-Chef Jack Dorsey hatte Donald Trump nämlich einige getwitterte Präsente für den CEO des Kurznachrichtendiensts dabei: Erstens sei er – Trump – mit seinen knapp 60 Millionen Followern das Beste, was Twitter je passiert sei. Und zweitens werde der US-Präsident den Verdacht nicht los, dass er als konservativer Politiker benachteiligt und nicht gut behandelt werde. Twitter-CEO Dorsey wollte und konnte das natürlich nicht in der Form bestätigen. Zudem konnte er dem US-Präsidenten leider nicht erklären, warum die Zahl von Trumps Followern gesunken ist.

Sehr wohl jedoch war Dorsey in der Lage, Bericht über den Status Quo von Twitter abzulegen. Und der Zustand des Kurznachrichtendiensts ist gut bis verheißungsvoll.

Mehr Geld, mehr User

Laut Quartalsbericht für die ersten drei Monate 2019 legte die durchschnittliche Monetarisierung der täglich aktiven Nutzung um 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal zu und erreichte 134 Millionen US-Dollar, wobei das internationale Geschäft im Vergleich zum US-Markt der eigentliche Wachstumstreiber war.

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Auch der Umsatz verzeichnete mit +18 Prozent einen Schub nach oben und erreichte 787 Millionen US-Dollar. Werbeinnahmen machten dabei 679 Millionen US-Dollar aus, von denen 363 Millionen (+26 Prozent) vom US-Markt und 317 Millionen (+10 Prozent) vom internationalen Markt stammten. Für das bereits laufende zweite Quartal 2019 erwartet man bei Twitter sogar Umsatzmarken von zwischen 770 und 830 Millionen US-Dollar.

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Ebenso nahm Twitters Userbase in den ersten drei Monaten 2019 zu. Mit nun 330 Millionen monatlich aktiven Nutzern kamen verglichen zum vierten Quartal 2018 ganze 9 Millionen Nutzer dazu. Andererseits verlor Twitter im Vergleich zum Vorjahrzeitraum aber auch 6 Millionen User, vor allem auf dem internationalen Markt.

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Aufräumarbeiten im vollen Gang

Mindestens ebenso spannend, weil eben auch relevant für Werbekunden, sind die Ergebnisse der Gesundungsbemühungen von Twitter, die der Kurznachrichtendienst treffend mit „A healthier Twitter“ betitelt. War die Genesung des Patienten „Twitter“ also erfolgreich und nachhaltig? Und wie wird der Gesundungsprozess weiter verlaufen?

Unten aufgelistet nun die Vitaldaten, die in den letzten gut zwölf Monaten aufgezeichnet und jetzt verkündet wurden:

  • Twitter nimmt das Heft nun zunehmend selbst in die Hand. So stießen Twitters Content-Moderatoren auf 38 Prozent missbräuchlicher Inhalte – ohne die Hilfe und Hinweise der User.
  • Dank eines schlankeren und schnelleren Meldeprozesses konnten vertrauliche und sehr sensible Informationen und Inhalte der Nutzer – also beispielsweise Adressen, Telefonnummern, Kontodaten – mehr als doppelt so schnell bzw. zweieinhalb Mal schneller gelöscht werden.
  • Missbräuchliche Accounts wurden nach Hinweisen der User drei Mal schneller gelöscht als im Vorjahr.
  • Um 16 Prozent nahmen unerwünschte Interaktionen ab, die von Nutzern gemeldet wurden.
  • 100.000 Accounts, die trotz des Sperrens vorheriger Konten durch dieselben User im ersten Quartal 2019 angelegt wurden, konnten gelöscht werden – ein Plus von 45 Prozent verglichen zum Vorjahreszeitraum.
  • Eine 60 Prozent schnellere Bearbeitung von Anträgen auf Aufhebung von Accountsperren scheint auch ein Resultat der neuen In-App Appeal-Funktion zu sein, bei der Nutzer in der Twitter-App selbst schnellen Einspruch gegen das Sperren ihres Account einlegen können.

Nicht nur sauber, sondern blitzblank

Die oben beschriebenen Ansätze zu Aufräumarbeiten sind für Twitter lediglich eine Zwischenstation hin zu einer Social-Plattform, die am Ende fast vollkommen frei von Hassrede, Hetze und Desinformation sein soll. Die nächsten Etappen für das Erreichen dieses Ziels sind bereits definiert.

Noch proaktiver will Twitter in Sachen Früherkennung missbräuchlicher Inhalte vorgehen. Dabei sollen Technologie und menschliches Moderatoren-Brain dafür sorgen, dass es zuerst Twitter und nicht die User sind, die entsprechenden Content erkennen und verbannen.

Auch in Sachen kontextuelles Verständnis will der Kurznachrichtendienst nachlegen. So sollen künftig noch mehr Hinweise veröffentlicht werden, wenn es um Tweets geht, die zwar gegen die Community-Richtlinien verstoßen, aufgrund des öffentlichen Interesses aber dennoch nicht gelöscht werden.

Twitter will zudem seine Richtlinien überarbeiten und quasi in „leichte Sprache“ übersetzen. Schließlich soll ab Juni ein Feature getestet werden, dass es Usern erlaubt, unerwünschte Kommentare unter eigenen Tweets für die Öffentlichkeit zu verbergen. Um diese verborgenen Inhalte zu sehen, müssten Nutzer selbst aktiv werden und einen „Show Sensitive Now“-Button betätigen, der am Ende der Tweet-Einstellungen wenig prominent platziert werden soll.

Diese Funktion ist indes nicht unumstritten. Einerseits nämlich ginge damit die Content-Moderation irgendwie auch auf die User selbst über, andererseits würde es zudem auch die Gefahr bergen, dass Diskussionen einseitig geführt werden bzw. eben nur einseitig erscheinen, wenn unliebsame Kommentare verborgen werden. Und nicht zuletzt kommen Sorgen darüber auf, dass die Faulheit der User sie daran hindern könnte, bis zum Ende der Tweet-Einstellungen zu scrollen bzw. zu wischen, um die verborgenen Antworten auf Tweets zu sehen.

Autor: MB

(Quelle aller Abbildungen: Twitter Q1 2019 Earnings Report)

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