Blickwinkel

Was kommt nach dem Influencer Boom?

Influencer Marketing

Gestartet als authentische Alternative zur klassischen Werbung, ist Influencer Marketing teils schon eine Parodie schlecht gemachter herkömmlicher Werbung. Authentisches Empfehlungsmarketing ist vielerorts verkommen zu plumpem Produktplacement, welches oft noch nicht einmal als Werbung gekennzeichnet wurde. Das Zenit des Influencer Marketings ist definitiv überschritten. Wenn bereits Grundschüler als Berufswunsch „YouTuber“ angeben, ist die Zeit auch reif für den nächsten heißen Scheiß.

Influencer sind nicht authentisch?

So empfindet dann auch mittlerweile jeder Zweite die Influencer als unglaubwürdig und nicht authentisch – zumindest von den Internet-Usern, die von der Agentur Wavemaker für deren Studie „Influencer 2.0“ befragt wurden. Nicht unschuldig an dieser Entwicklung sind Kampagnen, in denen schöne Menschen mit einem Waschmittel Fahrrad fahren oder Unmengen an Bifi in der Badewanne vertilgen. 

Die Influencer verlieren laut der Studie durch Markenkooperationen bei 41 Prozent der Befragten generell an Sympathie. Gut ein Drittel der Konsumenten lehnt Kooperationen zwischen Influencern und Marken grundsätzlich ab. Aus Verbrauchersicht eine etwas naive Haltung in Zeiten, in denen erfolgreiche Influencer für einen Post das Doppelte eines durchschnittlichen Monatseinkommens verlangen können.

Die kooperierende Marke ist entscheidend

Dass Influencer nicht nur aus reinem Mitteilungsdrang Produktempfehlungen aussprechen, ist für den Großteil der Konsumenten also völlig ok. Herrscht doch immer noch das Vertrauen, dass diese nur die Produkte promoten, hinter denen sie auch wirklich stehen. Sobald das offensichtlich nicht mehr der Fall ist, ist aber das Ende der Fahnenstange erreicht: Für rund drei Viertel der Befragten (74 Prozent) verlieren Influencer ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie mit Marken kooperieren, die nicht zu ihrem Image passen. Authentizität ist also nach wie vor das A und O im Influencer Marketing. Schwindet diese, verdünnisiert sich auch die Attraktivität des Influencers.

Sinkendes Engagement sowie schwindende Glaubwürdigkeit sind dann auch der Grund, warum sich viele Marketer bereits von den Reichweitenstars ab- und weniger bekannten Bloggern zugewandt haben. Micro-Influencer wird diese Spezie genannt, der noch Authentizität und Follower-Vertrauen nachgesagt wird. Deren Produktplatzierungen kommen offenbar nicht nur gezielter an, sondern erzielen auch mehr Interaktion. So verzeichnen Micro-Influencer mit 1.000 bis 10.000 Followern eine deutliche höhere Engagement-Rate als die bekannten Influencerstars.

Die Branche bereinigt sich also von alleine. Schon ertönen erste Rufe nach Nano-Influencern. Wer seine Authentizität und das Vertrauen der Follower nicht zurückgewinnen kann, wird über kurz oder lang vom Radar der Marketing-Industrie verschwinden. Um dann wieder ein Nischen-Dasein zu führen. Aber wer weiß, manch einer wird dann vielleicht wie Phoenix aus der Asche steigen und gefeiert werden als total cool und nischig. Vom Big Player zum Nano-Geheimtipp - das Web macht’s möglich. Schon verrückt, diese Branche.

Autor: KS

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