Blickwinkel

YouTube: No Comments unter Kindervideos

Influencer Marketing

Der Schock sitzt bei YouTube noch tief: Vor etwa drei Wochen setzten wichtige Kunden wie Disney, Nestlé, McDonald's und Epic Games ihre Werbevideos auf der Plattform aus. Grund für die Sperre ihrer Werbeetats: Der Vlogger Matt Watson hatte in einem Video gezeigt, wie einfach es YouTubes Algorithmus Pädophilen macht, über die Kommentarfunktion unter hochgeladenen Videos mit Kindern, miteinander in Kontakt zu treten.

Zudem und zu allem Überfluss wurden manche dieser Videos mit Werbespots von eben Disney, Nestlé, Epic Games und anderen namhaften Unternehmen monetarisiert. Prompt rissen die Konzerne die Reißleine und beschlossen, vorerst keine Werbevideos mehr auf YouTube laufen zu lassen.

Das Video-Netzwerk reagierte nun und deaktivierte die Kommentarfunktion für fast alle Videos, die Kinder zeigen. Nur für eine kleine Auswahl an Kanälen mit Videos mit Kindern soll YouTube zufolge die Kommentarfunktion aktiv bleiben. Die Betreiber dieser Channels, mit denen YouTube persönlich zusammenarbeiten will, müssen die hinterlassenen Kommentare jedoch noch gezielter und genauer bewerten und moderieren sowie zeigen, dass ihre Videos und die Kommentarfunktion den Pädophilen keine Plattform für ihren Austausch bieten. Sollte die Zusammenarbeit mit den auserwählten Kanälen zufriedenstellend verlaufen, will YouTube deren Anzahl künftig steigern – parallel zu seinen Bemühungen, pädophile Inhalte jeglicher Art noch schneller und in größerer Zahl automatisch zu filtern und zu finden.

Doppelt so viele anstößige Kommentare löschen

Derweil bemüht sich YouTube darum, nachweisbare Erfolge im Kampf gegen Pädophile zu präsentieren. Man habe bereits Hunderte Millionen entsprechender Kommentare gelöscht und setze jetzt eine weiterentwickelte Künstliche Intelligenz zum Aufstöbern solcher Beiträge ein, die noch effizienter sucht, findet und doppelt so viele gegen die Community-Richtlinien verstoßende Kommentare löscht.

Der eigentliche Drahtseilakt besteht für YouTube aber letztlich darin, dass das Sperren der Kommentarfunktion für Videos mit Kindern wie auch das automatische Erkennen und Löschen pädophiler Inhalte ohne Zweifel notwendig ist, sich andererseits aber nicht auf die Monetarisierungsmodelle seiner Millionen redlicher Creators auswirkt. Schließlich leben Channel-Betreiber und damit auch YouTube von der Interaktion mit der Community. Kommentare zeigen, dass Videos wirklich gesehen, geschätzt und natürlich auch kritisiert werden. Kommentare schaffen im besten Fall fruchtbare Dialoge oder auch Mehrwert durch Links, die manche Kommentatoren unter den Videos teilen.

Zwar können Partnerschaften und neue Geschäftsmodelle entstehen, ebenso kann aber auch Illegales und Verwerfliches über die Videokommentare verbreitet werden. In diesen Fällen und gerade bei anzüglichen Kommentaren zu Videos mit Kindern muss YouTube reagieren. Das Deaktivieren der Kommentarfunktion unter entsprechenden Videos ist dabei der erste richtige Schritt.

Grusel-Momo ist (noch) kein Thema

Videos und Kommentare, die gerade Kinder zu gefährlichen Challenges aufrufen, verbieten die YouTube-Richtlinien ebenso wie pädophile, rassistische und extremistische Inhalte. Umso besser also, dass sich die auf WhatsApp grassierende „Momo Challenge“ seinen Weg bisher wohl noch nicht in das weltweit größte Videonetzwerk gebahnt hat. Immer wieder gab es Berichte und Gerüchte darüber, dass nun auch auf YouTube die Horror-Figur ihr Unwesen treibt und wie über WhatsApp Kinder zu sehr gefährlichen Dingen auffordert.

YouTube konnte zumindest in diesem Fall schnell beschwichtigen. Man habe bisher keine entsprechenden Videos gefunden, noch seien sie von Usern geflaggt und/oder gemeldet worden. Tatsächlich seien zwar Screenshots und Bilder der Momo-Fratze aufgetaucht, das aber verstoße nicht gegen die Richtlinien der Community. Sehr wohl jedoch seien solche Bilder weder auf der YouTube Kids App noch auf YouTube Kids. Insofern werde man verstärkt darauf achten, das die Horror-Momo-Figur hier keinesfalls auftaucht und falls ja, dass sie dann sofort erkannt und gelöscht wird.

Autor: MB

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