Blickwinkel

YouTube Rewind 2018: Das Dislike-Desaster

Influencer Marketing

Normalerweise denkt man bei YouTube ja vor allem an die Videos, Channels und Künstler mit den meisten Views, Abonnenten und Likes. Tatsächlich jedoch kann auch der gesenkte Daumen manche Videos viral gehen lassen, vor allem dann, wenn es Millionen dieser Dislikes sind. Die Ewigen-Schlechtesten-Liste führte bis vor kurzem noch Justin Biebers Song „Baby“ mit sage und schreibe 9,7 Millionen Daumen nach unten an. Doch diese Bestmarke wurde nun geknackt – und zwar von YouTube selbst. Mit seinem Jahresrückblick „Rewind 2018“ holte sich die Plattform eine 13-Millionen-Dislikes breite blutige Nase. Dem stehen bisher zwar rund 2,3 Millionen Daumen nach oben und 140 Millionen Aufrufe (Stand 17. Dezember 2018) entgegen, doch die Vielzahl der rund 1,8 Millionen Kommentare senkt auch rein verbal den Daumen über das sorgsam inszenierte Schaulaufen der YouTube-Star.

Scheinbar hat YouTube bei den über 100 Zugpferden wohl auf die falschen gesetzt bzw. nicht die richtigen zu Wort und Bild kommen lassen. Und das rächte sich nun bzw. rächen sich die ausgesperrten YouTuber wie eben PewDiePie, der mit 76 Millionen Abonnenten ein wirkliches YouTube-Schergewicht ist. Und gegen dessen Hater-Armee konnte selbst der gestandene Action-Star und Rewind-Präsentator Will Smith, der es ja bekanntlich sogar mit sehr aggressiven Aliens aufgenommen hat, nichts ausrichten. Immerhin taucht im Rewind-Video kurz PewDiePies „Thron“ aka Sessel auf, doch sitzt der eigenwillige Star weder darauf, noch darin, was er auf Twitter mit „My fucking chair made it into rewind lool, I'll take it“ kommentierte und was für manche noch deutlicher zeigte, dass ihr liebster YouTuber nicht willkommen ist auf der diesjährigen Jahresrückblick-Gala der Videoplattform Nummer 1.

Damit teilt er übrigens dasselbe Schicksal mit anderen großen und gleichsam umstrittenen YouTube-Namen wie Shane Dawson und Logan Paul.

Weichgespültes zur Weihnachtszeit

Insgesamt werfen viele Nutzer YouTube fehlenden Mut zur Kontroverse – oder wohl eher zu kontroversen YouTube-Stars – und eine immer größere Distanz zur Community und damit zu den eigentlichen Machern und Creators hinter YouTubes Erfolg vor. Für sie waren es zu viele große, aber nicht unbedingt originär mit YouTube verbundene Stars. Alles war zu weichgespült, zu stark auf Mainstream getrimmt und zu Werbepartner-gefällig inszeniert. Dabei hatte YouTube selbst noch betont, dass man dieses Jahr doch anders vorgegangen und bei der Auswahl für die Rewind-Riege vor allem YouTube-Stars gefragt habe, wen sie denn gerne auf dem digitalen Defilee sehen würden.

Dennoch nahm YouTube die Kritik an, mit gemischten Gefühlen und einer Prise Selbstironie. Der Versuch, die Magie von einem Jahr YouTube-Videos in einem einzigen, etwas mehr als 8 Minuten dauernden Video einzufangen, sei ähnlich schwer wie der Versuch, den Blitz in einer Flasche einzufangen. Aber trotz allem habe man nicht vergessen, wie viel Anerkennung und Respekt all den kleinen und größeren YouTube-Machern gebühre. Und wer weiß, vielleicht werde man – wenn das Feedback in Schrift und bewegten Bildern weiter so anhalte – bald eine Top-10-Liste von „Rewind dislike reaction videos“ veröffentlichen.

An dieser Stelle wäre es tatsächlich interessant zu überlegen, wie – Stand heute – wohl ein YouTube Fast-Forward-2019-Video aussehen könnte und besetzt wäre. Oder, um eine ähnliche Dislike-Lawine zu verhindern, besetzt sein müsste.

Autor: MB

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