Blickwinkel

YouTube verbietet gefährliche Challenges

Influencer Marketing

YouTube verschärft seine Nutzungsbedingungen, nachdem die sogenannte „Bird Box Challenge“ nun endgültig aus dem Ruder gelaufen ist. Wobei der Einwand durchaus berechtigt ist, ob eine Challenge, bei der junge Menschen sich dabei filmen lassen, wie sie mit verbundenen Augen orientierungslos herumirren, nicht eigentlich schon mit dem ersten Video aus dem Ruder lief. Nun hat eine 17-Jährige bei einer solchen Aktion im US-Bundesstaat Utah einen Unbeteiligten in einen Autounfall verwickelt und damit sogar die Polizei zu einer offiziellen Challenge-Warnung genötigt.

YouTube-Stars als schlechte Vorbilder

Erstaunlicherweise wurde bei dem Crash niemand verletzt, jedoch zwei Autos geschrottet. Die Vermutung liegt nahe, dass die 17-Jährige sich zu ihrer waghalsigen Tour von dem bekannten YouTuber Jake Paul inspirieren ließ, der ebenfalls mit verbundenen Augen hinterm Steuer saß. Zwar hatte dieser in der Beschreibung des inzwischen gelöschten Videos darauf hingewiesen, dass die Stunts im Clip in kontrollierter Umgebung und von Profis ausgeführt wurden, aber welcher Teenager liest schon Beschreibungstexte? Auch den kleinen Hinweis am unteren Bildschirmrand, bitte von einer Nachahmung abzusehen, ist der 17-Jährigen wohl entgangen. Trotz dieser Verweise hatte Paul mit dem Upload schon gegen seinerzeit gültige YouTube-Regeln verstoßen.

Verschärfte Richtlinien mit strengen Konsequenzen

Nun hat der Konzern nachgelegt und seine Content-Richtlinien verschärft. Gefährliche Pranks wie die Mutproben-Challenge haben es darin sogar zu einem eigenen Kapitel gebracht – inklusive einer ausführlichen Beschreibung der Konsequenzen bei Missachtung dieser Regeln. Doch der Augenbinden-Hype hat sich unter dem Hashtag #BirdBoxChallenge längst zu einem viralen Buschfeuer auch auf Plattformen wie TikTok oder Instagram ausgebreitet. Besondere Aufmerksamkeit erfahren dabei 24-Stunden-Challenges.

Welche Rolle spielte Netflix dabei?

Dabei fing alles mit harmlosen Memes zum im Dezember gestarteten Netflix-Film „Bird Box – Schließe deine Augen“ an. Darin navigiert Sandra Bullock sich und ihre Filmkinder mit verbundenen Augen durch eine postapokalyptische Welt, um sie vor dem drohenden Selbstmord zu bewahren. Was viele nicht wissen: Der Streamingdienst selber hatte zu Promozwecken kurz vor dem Filmstart vier bekannte Gaming-Influencer aufgefordert, ein Computerspiel mit verbundenen Augen zu spielen – und auf diese Weise den Hashtag #BirdBoxChallenge ins Leben gerufen. Die Übertragung dieser Challenge auf Alltagssituationen nahm dann schnell ihren Lauf, worüber man im Hause Netflix anfangs wohl auch gar nicht allzu traurig war. Am 2. Januar warnte Netflix dann auf Twitter, sich nicht mit verbundenen Augen in Gefahr zu bringen. Dieser Post generiert über 300.000 Likes und mehr als 62.000 Retweets sowie eine weltweite mediale Berichterstattung.

Lerneffekt gleich Null

Der Hype erinnert stark an die unrühmliche „Tide Pod Challenge“ vom vergangenen Jahr, bei der Jugendliche vor laufender Kamera bunte Waschmittelkapseln zerbissen und damit die Drähte der Giftnotrufnummern glühen ließen. YouTube löschte diese Videos seinerzeit umgehend. Auch die „Planking Challenge“ nahm mit dem Tod eines Australiers 2011 ein unrühmliches Ende. Dieser war beim „planken" (steif wie ein Brett liegen) von einem Balkongeländer sieben Stockwerke in die Tiefe gestürzt. Die Foto-Challenge kursierte seinerzeit auf Facebook – welches die fragwürdigen „Trendsetter“ damals offenbar ungebremst gewähren ließ.

Autor: KS

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