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Fifteen Candles für Facebook

Influencer Marketing

Vor ziemlich genau 15 Jahren saß Mark Zuckerberg in seiner Studentenbude in Harvard und schickte die erste rudimentäre Version von Facebook ins Netz. So zumindest der Gründungsmythos.

Fifteen years ago today, I launched the first version of the Facebook website from my college dorm. At the time, it...

Geplaatst door Mark Zuckerberg op Maandag 4 februari 2019

Bereits einige Wochen später verbanden sich zwei Drittel der Studierenden der US-Elite-Uni über Zuckerbergs Plattform. Im ersten Jahr waren es dann eine Million Menschen und heute zählte die Social-Media-Plattform rund 2,7 Milliarden Nutzer. Mit WhatsApp und Instagram stießen zudem neue Familienmitglieder zum Facebook-Kosmos und mit ihnen weitere Milliarden Nutzer.

Facebook ist demnach definitiv den Kinderschuhen entwachsen und mit 15 Jahren mitten in der Pubertät. Leider umso unpassender, dass der Social-Media-Gigant jüngst und gerade inmitten der Geburtstagsfestivitäten wieder einmal in die Negativ-Schlagzeilen geriet, weil er unter anderem auch Teenager mit Gutscheinen dafür bezahlte, dass sie dem Netzwerk praktisch uneingeschränkten Zutritt zu deren Online-Gewohnheiten gaben.

Facebook Research App.png

(Quelle: TechCrunch)

User zwischen 13 und 35 Jahren wurden ermutigt, die (iOS und Android) Facebook Research-App sozusagen direkt bei Facebook und in jedem Fall vorbei am Apple App Store herunterzuladen und der Anwendung den Zugriff auf ihren gesamten Datenverkehr – also sowohl das Online- wie auch das Telefonie- und Chat-Verhalten – zu erlauben. Dafür wurden sie mit Gutscheinen im Gegenwert von bis zu 20 US-Dollar pro Monat „entschädigt“ (oder auch abgespeist).

Fast freiwillig abgeschaltet

Nur wenige Stunden, nachdem das Online-Magazin TechCrunch die Story brachte, zog Facebook seine Research-Datensauger-App zumindest für iOS aus dem Verkehr. Das geschah wohl nur teilweise freiwillig. Denn Apple hatte nach Bekanntwerden der Research-App das Enterprise Certificate entzogen, wegen Verstoßes gegen die Apple-Entwicklerrichtlinien. Damit kam Apple Facebook zuvor, das schließlich seinerseits die iOS-Version der App einmottete. Wie die Zukunft der Research-App indes für Android-Geräte aussieht, ist derzeit noch unklar.

Was Teens wirklich wollen (und suchen)

Gerade weil die Jugendlichen und jungen Erwachsenen es mit der Loyalität gegenüber Facebook nicht so ernst nehmen, dem Netzwerk in immer größerer Zahl den Rücken kehren und sich dafür Plattformen wie Snapchat, YouTube und auch Instagram zuwenden, wollte Facebook bereits seit 2016 sehr genau von dieser Zielgruppe wissen, wo sie sich den lieben langen Tag online so rumtreiben.

Das Stöbern im Datenverkehr der Teens war ebenso tief wie gründlich, wurden die Kids doch sogar dazu aufgefordert, Screenshots von ihren Amazon-Bestellungen zu machen. Facebook jedenfalls sieht auch aktuell keinen Fall von Spionage oder Datenmissbrauch in seinem Vorgehen. Schließlich trage die App das Programm ja bereits im Namen: Facebook Research. Und was machen Forscher anderes, als eben Daten zu erheben und für ihre wissenschaftlichen Zwecke auszuwerten? Außerdem seien gerade einmal fünf Prozent der Research-App-User tatsächlich Teenager. Wo die und alle anderen Nutzer der Anwendung wohnen, weiß man leider nicht, denn Facebook traf keinerlei Aussagen über die regionale Verbreitung der App.

In bester geheimer Gesellschaft

Dem Hunger der einen nach Daten setzen wiederum andere eine Daten-Diät entgegen, beispielsweise indem sie VPN-Apps nutzen. Das sind (immer beliebter werdende) Anwendungen, die es den Nutzern erlauben, außerhalb eines bestehenden Netzes oder Netzwerks online zu sein und ihre Daten dabei zu verschlüsseln. Tatsächlich handelt es sich auch bei der Facebook-Research-App um genau solch eine VPN-Anwendung, da die erhobenen Daten direkt an den Facebook Server weitergeleitet und dort seziert wurden.

In China sind solche VPN-Apps der Renner, sowohl für die Anwender wie auch für die staatlichen Überwachsungsbehörden. Während sich nämlich User diese Apps herunterladen, derweil sie im Ausland sind, um dann in China blockierte Dienste und Seiten wie eben Facebook, aber auch YouTube, Twitter und Wikipedia zu besuchen, nutzen Chinas Behörden die VPN-Apps, um die daraus gezogenen Daten gegen die User zu verwenden. Wer nämlich blockierte Seiten und Dienste trotz der Verbote nutzt und aufruft, muss mit hohen Geldbußen rechnen.

Umso weniger erstaunt es, dass über die Hälfte der am häufigsten heruntergeladenen kostenlosen VPN-Apps sowohl im Apple App Store wie auch im Google Playstore von obskuren chinesischen Unternehmen stammen und man als Nutzer nicht sicher sein kann, was mit den Daten, die diese Apps erheben, geschieht. Bei anderen Anwendungen wie beispielsweise die ebenso von einem chinesischen Entwickler stammende VPN 360-App, wird von vorneherein kommuniziert, dass die individuellen Daten an chinesische Behörden weitergegeben werden. Und noch ein paar Zahlen, die die Aktualität von VPN-Apps belegen: Das Suchwort „vpn“ rangierte Mitte letzten Jahres auf Platz 24 in den Top 100 der meistgesuchten App Store Keywords.

Aber ja, genug der Lästerei und Zahlenschieberei. Schließlich gibt es bei Facebook ja nicht nur Ziffern bedingt viel zu feiern. Und wenn die Kerzen auf dem Geburtstagskuchen ausgepustet sind, wird es sowieso viel zu dunkel, um Licht in die Verbreitung und Verwendung von Spionage-VPN-Apps zu bringen.

Autor: MB

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