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Influencer Fraud bei Cathy Hummels?

Influencer Marketing

Die Versuchung, seine Social-Media-Reichweite mit gekauften Likes und Fans zu steigern, scheint groß zu sein. Kein Wunder: Influencer-Gagen können in ungeahnte Höhen schießen und gekaufte Follower gibts dagegen zum Schnäppchenpreis. Wie der Tagesspiegel aufgrund von Berechnungen der Berliner Marketingagentur Media-Part berichtet, pimpt mindestens jeder zehnte deutsche Influencer seine Reichweite künstlich auf und kauft sich Fans oder Likes dazu. Auch Spielerfrau und Influencerin Cathy Hummels soll laut t-online die Reichweite mehrerer Post mit gekauften Likes manipuliert haben.

Authentisch oder nur ängstlich?

Dabei zeigen sich deutsche Influencer im Vergleich zum Ausland eher brav und gesetzestreu. Amerikanische und britische Studien gehen offenbar davon aus, dass bis zu 25 Prozent der Influencer Fake-Follower und -Likes einkaufen. Doch auch wenn deutsche Influencer sich sorgen, mit Tricksereien aufzufliegen, hält Media-Part Geschäftsführer André Mörke es für wahrscheinlich, dass Influencer Fraud auch hierzulande weiter zunimmt. Ein weiteres Ergebnis der dem Tagesspiegel exklusiv vorliegenden Analyse ist: Nicht einmal die Hälfte der untersuchten 22.800 Accounts wies überhaupt keine Auffälligkeiten im Wachstum der Follower auf. Allein im letzten Quartal habe Media-Part einen Anstieg von Influencer Frauds in Höhe von 20 Prozent beobachten können.

Finanzielle Schäden

Den weltweiten finanziellen Schaden von Influencer Fraud für dieses Jahr schätzt eine aktuelle US-amerikanische Studie auf 1,3 Milliarden US-Dollar. Das wären 15 Prozent des gesamten Branchenumsatzes, wie der Tagesspiegel errechnete. Der deutsche Influencer-Markt wird voraussichtlich im nächsten Jahr die Milliarden-Euro-Marke überschreiten. Der Verdacht liegt nahe, dass in Anbetracht dieses schnell wachsenden Marktes die Aussicht auf leichtes Geld die Ängste des einen oder anderen Influencers besiegen wird.

Rechtliche Konsequenzen für Influencer Fraud

Dabei ist Authentizität und Ehrlichkeit die eigentliche Währung der Influencer Branche. Und natürlich gelten auch für Influencer die gesetzlichen Spielregeln des fairen Wettbewerbs. So verbietet das Wettbewerbsrecht irreführende geschäftliche Handlungen, die einen anderen Marktteilnehmer zu einer Entscheidung bewegen, die er andernfalls nicht getroffen hätte, wie der Berliner Medienrechtler Tim Hoesmann gegenüber dem Tagesspiegel betont. Influencer, die ihre Reichweite künstlich erhöhen, täuschen damit ihre Auftraggeber und müssten im Falle der Entdeckung mit rechtlichen Konsequenzen rechnen.

Software gegen Schummler

Es gibt mittlerweile genügend Möglichkeiten, um Fraud zu entlarven. Dies musste auch Cathy Hummels am eigenen Leib erfahren. Einer exklusiv t-online vorliegenden Analyse der Softwarefirma Social Data Pro hat jedenfalls große Unregelmäßigkeiten bei den Wachstumskurven von mindestens drei Hummels-Posts entdeckt. Aufgrund einer neuen Analysemethode kam man dort zu dem Schluss, dass ein großer Teil der Instagram-Likes im Hummels-Account gekauft sei. Gegenüber t-online schließt der technisch Verantwortliche bei Social Data Pro aus, „dass es andere Erklärungen als gekaufte Pakete von Likes geben könnte“. So wäre es ja auch theoretisch möglich – und legal – gewesen, die Reichweite einzelner Posts durch Bewerbung nach oben zu pushen. Es sei denn, dies wäre im Rahmen einer gebuchten Kundenkampagne untersagt worden.

Ungereimtheiten in der Grauzone

Möglich wäre natürlich auch, dass jemand Externes die Likes für die Hummels-Posts gekauft hätte – in vermeintlich guter Absicht oder um der Angetrauten von Fußballer Mats Hummels zu schaden. Diese Erklärung führt jedenfalls Cathy Hummels Anwalt im Namen seiner Mandantin ins Feld. Dafür spräche, dass ein Like-Kauf „keinen wesentlichen Mehrwert“ bringen würde, da für Werbekunden vor allem Anzahl und Qualität der Follower sowie der Kommentare entscheidend seien, argumentiert dieser. In einem offiziellen Statement wies Hummels jedenfalls über ihren Anwalt sämtliche Vorwürfe von Internet Fraud vehement zurück, da „ein Like-Kauf ihren grundsätzlichen Wertvorstellungen und Prinzipien“ widerspräche und sie solch ein Vorgehen überdies nicht nötig habe.

Wer was nötig haben könnte

Anzeichen für Manipulation hat man bei Social Data Pro aber auch noch auf weiteren Instagram-Accounts deutscher Influencer gefunden. Wer in der Influencer-Branche also was – und wie viel – zukünftig nötig haben könnte, wird also weiterhin Thema sein. Es sei denn, Instagram setzt seine Überlegungen in die Tat um, Likes künftig nicht mehr anzuzeigen. Vielleicht wäre das gar keine so schlechte Idee. Dann würden Influencer wohl nicht mehr reich werden, aber wieder authentisch.

Autor: KS

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