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Influencer Studium: Markenbotschafter mit Diplom

Influencer Marketing

Influencer ist weder eine geschützte Berufsbezeichnung noch kann man für das Erlernen dieses medialen Markenbotschafter-Handwerks irgendwo in eine Ausbildung gehen oder es gar studieren. Zumindest bis vor einigen Monaten. Denn seit Anfang Oktober bietet die italienische Online-Universität eCampus genau so einen Studiengang für angehende Influencer-Akademiker an.

In drei Jahren sollen Studierende dabei lernen, wie sie sich und Produkte und Marken, für die sie Selfies schießen, Videos drehen und diese dann meist auf Instagram oder YouTube ihren Followern mehr oder minder professionell präsentieren, noch besser und mit mehr Reichweite inszenieren.

Akademisch statt Irgendwas mit Medien

Studiengangsteilnehmer sollen die Influencer-Profession quasi hermeneutisch begreifen – und nicht bloß punktuell und provisorisch als organisch und wild gewachsenes Betätigungsfeld für alle, die schon immer irgendwas mit Medien machen wollten. So vermittelt der Studiengang im ersten Semester interdisziplinäre Themen wie Semiotik, Kommunikationsästhetik, Informatik oder auch die Sprache der Medien. Im zweiten Semester folgen dann Einblicke in die Soziologie, in die audiovisuelle Sprache und auch in die rechtliche Lage des Influencers- und Social-Media-Business.

Das dritte und letze Semester dient dann vor allem dem Abschluss und einem Praktikum bei einem der Partnerunternehmen der eCampus. Zudem werden Einblicke ins Social-Media-Marketing, in verschiedenen Sprachen (Spanisch und Englisch) oder auch in das Wording der Social Media gegeben. Ebenso trainieren die Teilnehmer des Influencer-Studiengangs in Schreibwerkstätten die Fertigkeit, werbliche Texte Social-Media-optimiert zu verfassen.

Kommunikationswissenschaft goes Social

Dass dieser neue und bisher wohl europaweit einzigartige Influencer-Studiengang im Fachbereich der Kommunikationswissenschaften und nicht etwa im Marketing und damit bei der Betriebswirtschaft angesiedelt ist, zeigt, wie wichtig Sprache in ihrer geschriebenen, gesprochenen und auch in laufenden Bildern integrierten Form für das Social-Influencer-Business tatsächlich ist.

Natürlich spielen auch harte Skills wie Projektmanagement, IT-Recht und Unternehmensorganisation eine wichtige Rolle. Dennoch liegt der Fokus bei diesem Studiengang eindeutig auf der Kommunikation über und mit den Social Media. Und das weit über das bloße Schießen von Selfies hinaus und viel tiefer in das Verständnis davon, wie die Metriken der Social Media wirklich funktionieren. Also quasi der Dialog mit den Daten. Nur fakultativ sind hingegen englischsprachige Module wie beispielsweise Marketing Automation oder auch Urban and Territorial Marketing.

Influencer-Abschluss als Wettbewerbsvorteil

Ziel dieses dreijährigen Studiengangs, der pro Semester fast 4.000 Euro kostet, soll die Professionalisierung von in erster Linie italienischen Influencern sein. Damit nämlich, so eCampus, hätten diese die Chance, sich von der Masse all jener abzuheben, denen es an profundem Wissen und Kompetenz und vor allem an einem akademischen Influencer-Titel fehlt.

Und dieser akademische Abschluss soll am Ende auch die Ansprache von Unternehmen, Agenturen und Kooperationspartnern durch Influencer erleichtern und gezielter gestalten. Denn, so zumindest die Argumentation der italienischen Online-Universität, wer ein Influencer-Diplom vorweisen kann, hebt sich aus der Masse der „Möchtegern“-Influencer positiv ab. Zudem hilft der Uni-Abschluss dabei, das Heer der Markenbotschafter in den Social Media übersichtlicher zu gestalten. Auch und vor allem für Unternehmen und auch Agenturen, die auf der Suche nach Influencern sind, die qua Studium wissen, was sie machen.

Objektive Entscheidungskriterien

Ob am Ende aber das Influencer-Diploma auf kurze oder auch lange Sicht die jetzt herrschenden Parameter wie Reichweite und Follower verdrängen kann, bleibt abzuwarten. Andererseits spricht der Studiengang aber auch all jene an, die eher mit der Unternehmerbrille auf das Phänomen „Influencer“ schauen wollen. Dazu zählen beispielsweise Marketing-Mitarbeiter von Firmen, die Kooperationen mit Influencern betreiben oder anstreben. Und die sich nach ihrem Studium sehr viel objektiver für oder eben auch gegen eine Zusammenarbeit mit einem Social-Media-Botschafter entscheiden können.

Denn dann wissen sie praktisch aus erster Hand, welche Hebel Influencer (eigentlich) in Bewegung setzen (müssten oder sollten), damit die Marken-Message auch bei der Zielgruppe ankommt. Insofern könnte der neue Studiengang, zu dem sich laut eCampus mittlerweile einige Dutzend Studis eingetragen haben und der am Ende 500 Teilnehmer zählen soll, auch zu mehr Transparenz in der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Influencern/Agenturen und auch zu mehr Konkurrenz unter den Markenbotschaftern beitragen.

Autor: MB

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