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PewDiePie vs. T-Series - Kampf der Giganten

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Wer sich in den letzten Wochen nicht in einer Höhle versteckt und Winterschlaf gehalten hat, dürfte von einem sehr ungewöhnlichen Wettstreit gehört haben. Der größte YouTuber der Welt, PewDiePie, läuft Gefahr, nicht mehr der meist abonnierte YouTuber zu sein. Sein Rivale: T-Series, ein indisches Musiklabel, das auch Filme produziert.

Der YouTube-Thron steht auf dem Spiel

Seit gut fünf Jahren ist der schwedische Vlogger Felix Kjellberg, besser bekannt als PewDiePie, die unangefochtene Nummer 1 auf der Videoplattform. Doch dann rückte die Konkurrenz gefährlich nah. Als T-Series drohte, Kjellberg den Rang abzulaufen, startete er eine Initiative über seinen YouTube-Kanal. Er forderte seine Subscriber auf, die Botschaft zu verbreiten: „Subscribe to PewDiePie“. Und das taten sie. PewDiePie kann über 76 Millionen Abonnenten (Stand 11. Dezember 2018) auf seinem Kanal vorweisen. Kjellbergs Initiative hat gefruchtet, denn im Moment hat er einen Abonnentenvorsprung von rund 1.000.000. Einen großen Beitrag zu diesem Vorsprung dürfte PewDewPies T-Series-Disstrack „Bitch Lasagna“ beigesteuert haben. In dem Song knöpft er sich seinen Konkurrenten vor und haut dem indischen Label seine Bars um die Ohren.

Der Track ist eine Anspielung auf sexistische und skurrile Flirtversuche, in schlechtem Englisch, von männlichen Facebook-Usern aus Indien. Ihnen haftet der Ruf an, besonders unangenehm mit weiblichen Facebook-Userinnen umzugehen. Diese misslungenen Anmachversuche hatte der Künstler Hovey Benjamin 2017 in einen Song gegossen. Dort ist die Phrase „Bitch Lasagna“ das erste Mal zu hören.

PewDiePie bekommt Hacker-Unterstützung

Während des vergangenen Wochenendes (Advent) bekam PewDiePie Support von einem Hacker, der sich in 50.000 Drucker weltweit einklinkte, um dem Schweden noch mehr Subscriber zu verschaffen. Der Hacker nutze die Drucker, um einen Druckauftrag auszuführen, der den Empfänger unter anderem aufforderte, PewDiePies Kanal zu abonnieren, T-Series zu entfolgen und die Botschaft zu teilen; mit besten Grüßen von einer „freundlichen Giraffe“.

Als Täter bekannte sich „TheHackerGiraffe“, der die Aktion auf seinem Twitter-Kanal erläuterte. Er habe zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wollen, sagt er. Zum einen wollte er auf die unsicheren Drucker hinweisen und zum anderen PewDiePie bei seinem Wettkampf helfen. Er behauptet, er hätte sogar noch mehr Drucker hacken können. PewDiePie äußerte sich in einem Video auf seinem Kanal zu der Maßnahme des Hackers. Er befürwortete die Aktion und forderte seine Community auf, solch kreative Ideen beizubehalten – natürlich nur in einem legalen Rahmen, da es ja sonst ein schlechtes Licht auf Kjellberg werfen würde.

Rassismus von Fans: Spendenaktion für „9-Year-Olds“

Den Kampf um den YouTube-Thron nehmen einige Fans wohl etwas zu ernst, denn mit PewDiePie und T-Series treffen nicht nur die größten YouTube-Kanäle aufeinander, sondern auch unterschiedliche Fan-Ethnien. Kjellberg verfolgte in den letzten Wochen, dass eine wachsende Anzahl seiner Fans rassistische Kommentare über Inder posteten. Das schmeckte ihm gar nicht: „Sometimes in these comments, you see comments like ‘f**k Indians'. Just really distasteful, unnecessary comments,” so Kjellberg. „And I obviously make Indian jokes and stuff like that, but I do that of all countries, and this is not what I’m about.” Er habe jetzt mehr Aufmerksamkeit, als er wahrscheinlich jemals wieder bekommen werde, sagte er weiter. Deshalb wolle er diese Tatsache auf etwas Positives lenken und zeigen, dass seine Fanbase Gutes bewirken kann.

Zu diesem Zweck startete der YouTuber eine Spendenaktion für 9-jährige Kinder, die der Organisation CRY zugutekommt. Die Non-Profit-Organisation setzt sich für Kinder in Indien ein. Mit seinem Spendenaufruf konnte er rund 180.000 £ sammeln. Er streamte den Spendenmarathon am 4. Dezember und landete auch in den YouTube-Trends.

Man mag sich an dieser Stelle fragen, warum es gerade um 9-Jährige geht. Hier ein wenig PewDiePie-Trivia: Kjellberg hatte Mitte des Jahres Beef mit der Twitch-Streamerin Alinity, die ihm einen „Copystrike“ verpasste, weil er die Formulierung „Thots“ (Thot: That Hoe Over There) in einem seiner Videos verwendete. Sie fühlte sich durch den Begriff beleidigt und wollte ihm eins auswischen. Aus dieser Angelegenheit ergab sich dann das sogenannte „Twitch Drama“, zu dem es mehrere Videos auf YouTube gibt. Während ihres Internetschlagabtausches warf Alinity Kjellberg vor, er habe nur 9-jährige Kinder als Fanbase, für deren Verhalten er Verantwortung übernehmen müsse. So entstanden die „9-Year-Olds“, die PewDiePie immer wieder in seinen Videos aufgreift.

Wer macht das Rennen?

Im Moment sieht es danach aus, als ob PewDiePie weiterhin die Oberhand im Rennen um den YouTube-Thron behalten wird. Noch ist er vor T-Series und rührt kräftig die Werbetrommel, damit das auch so bleibt. Dass es bislang noch nicht zum Wechsel an der Spitze YouTubes gekommen ist, verdankt Kjellberg auch anderen YouTubern, die in den letzten Tagen und Wochen ebenfalls für PewDiePie werben. So filmte sich beispielsweise der YouTuber „MrBeast“ dabei, wie er 100.000 Mal „PewDiePie“ sagt. Diese Maßnahmen bewegen tatsächlich Nutzer dazu, den Kanal des Schweden zu abonnieren. Viele Nutzer wollen mit Kjellbergs Support vor allem an das ursprüngliche Motto YouTubes erinnern: „broadcast yourself“. Offenbar wünschen sich die User, dass YouTube weiterhin eine Plattform der Kleinen bleibt, auf der große Konzerne nichts zu melden haben.

Doch das alles wird wahrscheinlich nicht helfen. T-Series wird an PewDiePie vorbeiziehen. Der indische Kanal wächst durchschnittlich schneller als der des Schweden. Das Social-Media-Statistikportal Social Blade prognostiziert, dass T-Series wahrscheinlich Mitte/Ende Februar PewDiePie abhängen wird. Da wird auch die Werbetafel am Time Square in New York mit der Botschaft, PewDiePie zu abonnieren, nicht helfen.

Wer neugierig ist und zwischendurch checken möchte, ob Kjellberg noch der meist abonnierte YouTuber der Welt ist, kann das über den Livestream von SocialBlade tun.

Autor: AA

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