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Posten wir künftig nur noch für Profit?

Influencer Marketing

Wir sollten für unsere Datenspuren bezahlt werden. Schließlich investieren wir ja wertvolle Ressourcen, wenn wir Posts, Likes, Tweets, Fotos und andere digitale Abdrücke von uns, unseren Präferenzen, Privatem, Interessen und Standpunkten über Facebook, Instagram, Snapchat, YouTube, etc. wie auch über unsere Suchanfragen hinterlassen. 

Wir geben etwas von uns (Zeit, Bilder, Artikel, Recherche, Aufmerksamkeit) und bekommen monetär nichts zurück. Stattdessen vermarkten die Tech-Riesen unsere Datenhinterlassenschaften und verdienen ihrerseits viel Geld damit, ohne uns User daran zu beteiligen. Das muss sich ändern. Dies ist zumindest der kurz gefasste Tenor einer Studie, die Wissenschaftler rund um den Internet-Forschers Jaron Lanier jüngst publiziert haben. In Should We Treat Data as Labor? Moving Beyond 'Free' gehen die Forscher unter anderem der Frage nach, wie Daten im Kontext ihrer Erzeugung (durch uns Nutzer) und deren Verwertung und Monetarisierung (durch Unternehmen wie Facebook, Google und Microsoft) grundlegend betrachtet werden sollten – als Data as Capital (DaC) oder als Data as labor (DaL). 

Der Unterschied indes ist gravierend: Betrachtet man Daten als Kapital und als eine Art Nebenprodukt, das bei unseren täglichen digitalen Bewegungen entsteht und von den Tech-Riesen praktisch nur aufgesammelt und verwertet wird, haben wir als User eigentlich keinen Anspruch auf Beteiligung an dieser Verwertung. Schließlich lassen wir unsere Datenspuren ja wissentlich fallen und liegen. Sieht man Daten aber als Produkt unserer Arbeit, müssten wir auch dafür bezahlt werden, so wie für jede Leistung, die wir als Urheber erbringen und am Ende ja auch verkaufen. 

Achtung, Attention Economy!

Natürlich werden viele argumentieren, dass Social-Media-Plattformen und Suchmaschinenbetreiber uns deren Dienste und Infrastrukturen gratis anbieten und wir ihnen dafür ja wohl etwas zurückgeben sollten – also beispielsweise unsere Daten. Damit machen sie dann Geld und wir sind Quitt. Andererseits aber lässt sich schlicht und ergreifend schwer sagen, in welchem Verhältnis der Wert unserer Daten und der Arbeit, die es benötigt, diese zu erzeugen zu dem Profit stehen, den Facebook, Google, Twitter und Co. erwirtschaften, indem sie mit uns eine Art Daten-Mining betreiben und unsere digitalen Alter Egos höchstbietend an Werbetreibende verkaufen. Hinzu kommt, dass wir praktisch und ebenso für lau "Ausbilder" für die diversen Machine-Learning-Programme der großen Tech-Player sind, indem wir die Künstliche Intelligenz ganz natürlich mit unserem Wissen füttern und zu einem Wissen über uns transformieren helfen.

Soziale Medien und Plattformen gibt es ja genug, insofern also auch viel Wettbewerb, um unsere Daten und unsere Aufmerksamkeit als eine sehr knappe Ressource zu vermarkten. Das wusste bereits 1998 der Architekt und Softwareentwickler Georg Franck, als er sein Buch "Ökonomie der Aufmerksamkeit" veröffentlichte. Ihm ging es darin um den "Austausch und die Bewirtschaftung von Aufmerksamkeit", um einen "mentalen Kapitalismus“. Dabei stünden der Wunsch nach Aufmerksamkeit – gezahlt und gemessen in den Währungen "Prestige, Reputation, Prominenz und Ruhm" in Konkurrenz zum schnöden Geld. Oder in seinen eigenen Worten:

"Die Aufmerksamkeit anderer Menschen ist die unwiderstehlichste aller Drogen. Ihr Bezug sticht jedes andere Einkommen aus. Darum steht der Ruhm über der Macht, darum verblasst der Reichtum neben der Prominenz.“

Gehen wir einfach davon aus, dass die großen Tech-Player genau das wissen und wollen – also unseren Drang nach Aufmerksamkeit und unsere Bereitschaft, uns in einen Wettstreit um die meisten Daumen nach oben zu begeben. Freiwillig und ohne für unsere Mühen Geld zu verlangen. Umso klarer wird, wie sehr wir im Eifer unserer Social-Media- und Instant-Messenger-Gefechte ausblenden, was unsere Aktivitäten uns und den Verwertern eigentlich wert sein sollten. Ehrenamt für Facebook und Co.? Nicht wirklich.

Dann doch lieber Bock auf Blockchain?

Tatsächlich könnte die Krypto-Technologie samt Kryptowährungen einen Beitrag dazu leisten, dass wir als User von Social-Media-Plattformen künftig für unsere Arbeit bezahlt werden und zudem unsere Daten nicht willkürlich in die Hände der Tech-Riesen geben. So sind einige Plattformen entstanden, die Daten dezentralisieren und die Möglichkeit der Monetarisierung für die User selbst schaffen wollen – mittels eigener Kryptowährungen, die im Peer-to-Peer Commerce- und Marketing dazu genutzt werden sollen, Content und andere Services untereinander zu kaufen zu verkaufen. Ganz ohne die großen Player. Zudem soll die Blockchain-Technologie dafür sorgen, dass man seine eigenen Inhalte besser kontrollieren und eigenständiger über deren Verwertung bestimmen kann.


In Sinne von Blockchain und Kryptowährungen für Social Media gibt es einige Namen, die man sich sicher merken sollte: Steemit.com, Obsidian Messenger, Nexus, Indorse, Synereo oder auch DTube, busy und Steepshot.

Diese Formate, die hier noch etwas genauer vorgestellt werden, sind zumindest die ersten Schritte gegangen, um uns Nutzern eine bezahlte und selbstbestimmte Nische in der digitalen Wertschöpfungskette sozialer Plattformen zu bieten, indem sie die dezentrale Blockchain-Technologie nutzen, um User direkt miteinander verbinden und sich gegenseitig mit Kryptocoins bezahlen lassen zu können. 

Als Alternative könnten wir natürlich auch dazu übergehen, ein Stundenkonto zu führen, auf dem wir notieren, wie viel Zeit wir damit verbringen, Inhalte auf den diversen Plattformen zu produzieren und zu konsumieren. Am Ende jedes Monats stellen wir dann Facebook und Co. eine Rechnung bzw. überweisen Geld an all jene, deren Inhalte wir nutzen. Die bevorzugte Währung dabei: Zeit. Denn diese Ressource ist individuell endlicher und kostbarer als alle anderen.

Autor: MB

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