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Shitstorm für Marie Kondo

Influencer Marketing

Pünktlich zur Weihnachtszeit hat die japanische Aufräum-Queen Marie Kondo einen Online-Shop mit hübschen, teuren Gegenständen, „die ihr Freude bereiten“, gelauncht. Und damit einen riesigen Shitstorm in ihrer globalen Fangemeinde losgetreten.

Stufe 1: emotionalen Ballast abwerfen

Denn die 35-jährige Ordnungsexpertin und Autorin predigt in ihren in 27 Sprachen übersetzten Bestsellern Minimalismus und Ausmisten in Reinkultur. Spätestens seit ihrer Netflix-Serie „Aufräumen mit Marie Kondo“, weiß jedes Kind und jeder Messie, wie emotional befreiend es ist, sich von Klamotten, Büchern, Papieren, Kleinkram und Erinnerungsstücken zu trennen. Und zwar in dieser Reihenfolge und mit großer Dankbarkeit: „Danke lieber Trend, du warst interessant, ich habe dich genossen, du hast deine Dienste getan, nun darfst du in die Mülltonne“.

Stufe 2: vom Geld befreien

156 Dollar kostet ein kleines Käsemesser dort, eine dezente Tee-Dose gar 200 Dollar und die auf Marie Kondos Rat entsorgten, schraddeligen Hausschuhe, gibt es nun bei ihr in Leder für läppische 206 Dollar nachzukaufen.

„Yeah, auf diese Weise betreibt sie nun den Minimalismus eures Geldes“, spottet dann auch ein Twitter-User.

Entrüstung und Ironie geben sich in vielen weiteren Kommentaren auf Twitter die Hand.

Offensiv aus der Defensive

Den Stein ins Rollen gebracht hat ein kritischer Artikel im Wall Street Journal (WSJ), welcher die Perfidie dieser Entwicklung von KonMari anprangert. Offenbar kam dieser, auch via Twitter geteilte, Artikel einer werbewirksamen PR-Strategie des Kondo-Imperiums zuvor. Denn erst einen Tag nach dessen Veröffentlichung verkündete Kondo die Webshop-Eröffnung auf Twitter. Dass sie „aufgeregt“ sei, den Shop anzukündigen, glaubt man sofort – im Gegensatz zu dem mit Blinzel-Smiley beendeten Nachsatz „kauft nicht ZUU viel“. Ein noch am selben Tag in Richtung WSJ abgesetzter Retweet offenbart ihre verzweifelte Offensiv-Taktik.

Denn da war das Kind schon in den Brunnen gefallen und nichts konnte den Shitstorm mehr aufhalten. Auch nicht die Erklärungspassage auf ihrer Shopseite, die versucht, jegliche Kritik vorwegzunehmen. So steht dort, dass der Online-Shop eine Sammlung ihrer Lieblingsgegenstände sei – mit Produkten, die tägliche Rituale verbesserten und einen freudigen Lebensstil inspirierten. Denn sobald die Aufräumarbeiten abgeschlossen sind, sei Platz, um „sinnvolle Objekte, Menschen und Erfahrungen im Leben willkommen zu heißen“.

Wie sinnvoll nun eine Stimmgabel plus Kristall im Wert von 75 Dollar ist, muss die Bestseller-Autorin vielleicht noch in einem weiteren Buch erklären. Bis dahin wird sich auch gezeigt haben, ob die Shop-Aktion wirklich eine sinnvolle Erfahrung war, die Marie Kondo mehr Freude als Ärger eingebracht hat.

Autor: KS

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