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Twitter plant noch mehr Kontrolle für Konversationen

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Im November 2019 verkündete Twitter den globalen Roll-out einer neuen Funktion, die Usern künftig dabei helfen soll, unerwünschte Kommentare auf eigene Tweets für die Öffentlichkeit zu verbergen.

Dieses neue Feature dient seither dazu, die Konversationen auf der Kurznachrichten-Plattform noch besser vor jenen Trollen zu schützen, die Themen und Tweets kapern, um ihre absurden Weltanschauungen su breit wie möglich zu verteilen. Tatsächlich, so Twitter nach einer ersten Analyse der Antwort-ausblenden-Funktion, würde die Mehrheit der Nutzer vor allem Antworten ausblenden, die einfach nerven, nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun haben und damit schlicht und ergreifend irrelevant sind.

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So weit, so sauber – zumindest mit Hinblick auf die Konversations-Hygiene auf Twitter und die umfassenden Gesundungsbemühungen rund um das Thema „Conversational Health“.

Und um die Konversationen noch weiter von toxischen und krankmachenden Beiträgen zu schützen, setzt das soziale Netzwerk für die Kurznachrichten-Entschlossenen noch einen Dialog-Gatekeeper drauf. Das jedenfalls verkündete Suzanne Xi, Twitter-Produktmanagerin, auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas.

Konversationsdynamiken kanalisieren und gruppieren

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Der Test eines neuen Features nämlich soll verständlicher machen, wie User die Konversationen rund um ihre Tweets noch einfacher und autonomer verwalten können und wie sie Dynamik von Antworten auf ihre Tweets noch gezielter gruppieren und dadurch besser kanalisieren können.

Kurzum: Auch bei diesem neuen Feature geht es wenigstens vordergründig darum, den Usern noch mehr Kontrolle und Transparenz hinsichtlich ihrer Aktivitäten auf der Plattform an die Hand zu geben. Dabei sieht das Feature vor, dass Nutzer vor dem Absetzen eines Tweets entscheiden können, ob überhaupt jemand und falls ja, wer genau darauf antworten darf. Um die Auswahl zu erleichtern, können im Testlauf der neuen Funktion vier Konversationsteilnehmer ausgewählt werden:

  • Global: Alles bleibt wie gehabt und jeder Twitter-Nutzer auf der Welt kann seinen Senf zu einem Tweet dazu steuern.
  • Group: Bei dieser Auswahl dürfen nur die Personen auf den Tweet antworten, denen man folgt oder die man in entsprechendem Tweet erwähnt.
  • Panel: Hier dürfen nur all jene Twitter-User in die Antwort-Tasten hauen, die im Tweet genannt werden.
  • Statement: Das ist quasi die Monolog-Funktion, mit der keiner auf einen Tweet antworten kann.

Wird die Konversationsdynamik dem Troll-Sumpf das Wasser abgraben?

Ob und wie das neue Feature für eine einfachere Konversationskontrolle angenommen wird, das werden die nächsten Monate zeigen. Dann nämlich wird Twitter auf Basis der Ergebnisse der noch kleinen Testgruppe entscheiden, ob es die Versuchsgruppe erweitert und ob das Feature in welcher Form auch immer global eingeführt wird.

Bei Kritikern jedenfalls stoßen die Versuche, die Dynamiken der Konversationen auf Twitter gezielter zu kanalisieren, auf Skepsis. Was nämlich, wenn es dadurch auch nicht mehr möglich wäre, Verschwörungstheorien und Lügen mit entsprechenden Antworten richtigzustellen? Was, wenn man kontroverse Äußerungen gerade von Personen des öffentlichen Lebens mit vielen Millionen Followern nicht mehr kommentieren oder mit Fakten direkt begegnen könnte?

Was also, wenn der Schuss nach hinten losginge und Twitter eher das Verstummen kritischer Stimmen als das Stummschalten von Trollen erreichte? Was, wenn Anhänger von Verschwörungstheorien und Verbreiter von Hassbotschaften am Ende nicht nur die Ausgesperrten wären, sondern vor allem die, die aussperren? Würde das denn die oft zitierten Filterblasen nicht noch zusätzlich aufblähen und hermetisch versiegeln helfen?

Twitter will zunächst die Ergebnisse der ersten Tests abwarten, um dann noch genauer sagen zu können, ob sich dank des neuen Features die Trolle zumindest auf die stumme Seitenauslinie verbannen lassen.

Trump liebt Twitter (trotzdem)

Ob der amtierende US-Präsident bereits über das geplante neue Feature seines Lieblingsmediums Bescheid wusste, als er dem rechtskonservativen Radiomoderator und selbsternannten „Doctor of Democracy“ Rush Limbaugh in dessen gleichnamiger Radio-Show ein exklusives Interview gab, lässt sich an dieser Stelle nicht eindeutig sagen.

In jedem Fall nutzte Donald Trump das Gespräch dazu, den Kurznachrichtendienst seine Liebe zu erklären: „Without Twitter, I think we'd be lost. We wouldn't be able to get the truth out.“

Ohne Twitter, so der mit etwa 70 Millionen Followern wohl auch auf Twitter mächtigste Mann der Welt, wären wir (also wohl all jene, die die Wahrheit aussprechen) verloren. Denn dann hätten wir keine Chance mehr, die Wahrheit zu verbreiten.

Anders als die „korrupten Medien“, die nach Ansicht des US-Präsidenten nur Lügen und Falsches über ihn verbreiten, kann Trump auf Twitter seine Sicht der Dinge ungefiltert in die Welt blasen oder in die Twitter-Blase seiner Anhänger pusten. Und tatsächlich, so Trump im Interview, müsste er ja auch nicht ständig twittern, wenn, ja wenn, die USA legitime Zeitungen und Medien hätten. Und so lange das in seinen Augen nicht der Fall ist, wird der US-Präsident wohl auch weiterhin seine Tweets im Stakkato absetzen. Und wer weiß, womöglich bald auch ganz ohne Widerrede, wenn nämlich auch er die künftigen Konversationsdynamiken dazu nutzt, Kritiker auf Twitter stummzuschalten.

Autor: MB

(Quelle aller Abbildungen: Twitter)

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