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YouTube pusht Videos mit Klima Fehlinformationen

Influencer Marketing

Eigentlich sind wir Menschen es ja, die den Klimawandel beschleunigen und auch erst maßgeblich verursacht haben. Genauso aber ist es ebenso das Klima, das uns Menschen verwandelt – vor allem in einer hitzigen Umgebung wie es die Social Media sein können. Gerade dort nämlich kommen Nutzer schnell auf Betriebstemperatur, wenn sie sich für ein Thema begeistern oder eben auch ereifern und sich dann als selbsternannte Aufklärern inszenieren, die endlich die Wahrheit sagen, welche uns sowohl der „Staatsfunk“ wie auch andere „manipulative Medien“ absichtlich vorenthalten.

Diesem klimagemachten Menschenwandel, so die Studie Why is YouTube Broadcasting Climate Misinformation to Millions? des Kampagnen-Netzwerk Avaaz, verleiht der allmächtige Algorithmus der weltweit größten Videoplattform YouTube zusätzlichen Auftrieb. Denn laut der Untersuchung forciert YouTubes Empfehlungsalgorithmus gezielt das Verbreiten von Klima- Fehlinformationen:

  • Suchbegriff "Klimamanipulation": Mit 21 Prozent enthalten mehr als ein Fünftel der 100 meistempfohlenen Videos zu diesem Suchwort belegbare Desinformationen zum Klimawandel.
  • Suchbegriff "globale Erwärmung": 16 Prozent der 100 am häufigsten empfohlenen Videos zu diesem Stichwort enthalten Fehlinformationen.
  • Suchbegriff “Klimawandel”: Hier liegt der Anteil der mit Fehlinformationen gespickten relevantesten Top-100-Videos bei 9 Prozent.
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Ebenso auffällig ist, dass sich die Zahl der Views ebensolcher Videos zumindest bei den Suchbegriffen „Klimawandel“ und „globale Erwärmung“ fast 1:1 mit den dafür vergebenen Likes und damit auch mit der Interaktion mit solchen Videos deckt. Beim Suchbegriff „Klimamanipulation“ übersteigen die Likes sogar die jeweiligen Video-Views.

Die von Avaaz entsprechend untersuchten Videos kommen in der Summe auf etwas mehr als 21 Millionen Views. Hält man sich zudem vor Augen, dass YouTube in den USA von 85 Prozent aller Teenager im Alter von 13 bis 17 Jahren regelmäßig besucht wird und das die Plattform mehr Menschen zwischen 18 und 34 Jahren erreicht als irgendein US-Kabel-TV-Sender, wird klar, wie groß die potentielle Reichweite dieser klimaschädlichen Videos ist.

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(Die von Avaaz untersuchte YouTube-Top-Empfehlungen zum Stichwort "Globale Erwärmung" "Klimamanipulation" und "Klimawandel" mit Abonnentenzahlen der jeweiligen Channels und Klicks – Quelle: Avaaz)

Und es wird deutlich, wie groß die Gefahr ist, dass dieser mächtige Empfehlungsalgorithmus und die „Nächstes-Video“-Vorschläge vor allem all jene User zum Sehen solcher Videos animieren, die vorher nicht oder kaum in Berührung mit Leugnern des menschengemachten Klimawandels in Berührung gekommen sind. YouTubes Empfehlungsalgorithmus ist schließlich ein starker Magnet und laut YouTubes obersten Produktmanager Neal Mohan für rund 70 Prozent der Zeit verantwortlich, die Nutzer insgesamt auf der Plattform verbringen.

Werbende Brands im Sog des „Klimalügen“-Algorithmus

Nun basiert das Geschäftsmodell von YouTube ja darauf, dass die dort gehosteten und gezeigten Videos monetarisiert werden. Producer stellen Videos her und laden diese auf ihren Channels hoch, Werbetreibende wiederum schalten Videoanzeigen vor oder nach diesen Videos und bezahlen dafür. Am meisten verdient YouTube an diesem Modell, aber auch die Videokreativen erhalten einen, wenn auch kleineren Teil des Kuchens.

Für Brands, die auf YouTube werben, steht neben Reichweite und Treffsicherheit bei der Zielgruppe vor allem die Brand Safety im Vordergrund, dass also die Marke und/oder Produkt nicht nur in einem passenden, sondern vor allem in einem sicheren Umfeld präsentiert werden.

Das aber, so die Avaaz-Untersuchung, wird gerade im Zusammenhang mit Leugnen des Klimawandels und YouTube fast schon karikiert. Denn unter den 106 Brands, deren Videowerbung vor und mit Videos geschaltet wird, die Desinformationen zum Klimawandel enthalten, sind unter anderem auch Marken wie Greenpeace und WWF bzw. mit 22 Prozent insgesamt über ein Fünftel an „grünen“ und „ethnischen“ Brands.

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Auch wenn einige der im Report angeführten Marken bereits darauf reagiert haben, sich von den „Klimawandellügen“-Videos distanziert und angegeben haben, nichts von diesen (gelinde gesagt) unglücklichen Platzierungen gewusst zu haben, scheint dies nur die Spitze des (schmelzenden) Eisbergs zu sein. Und letztlich kann es sich keine Brand leisten, im fließenden Video-Übergang mit YouTubern gesehen zu werden, die die globale Erwärmung und die Verantwortung von uns Menschen daran als Hoax – also als gezielt lancierte Falschmeldung – abtun.

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YouTube muss handeln

Für das Kampagnen-Netzwerk Avaaz steht angesichts der Ergebnisse ihrer Untersuchung fest: YouTube muss gegen die Verbreitung von Desinformationen im Zusammenhang mit dem Themenkomplex „Klima“ entschiedener vorgehen:

  • Der YouTube-Algorithmus muss sich einem Digital Detox unterziehen und keine Videos vorschlagen und empfehlen, die Fehlinformationen zum Klima(wandel) enthalten und propagieren.
  • Creators, die Videos mit Klima-Desinformationen monetarisieren wollen, muss YouTube den Geldhahn zudrehen, indem die Monetarisierungs-Richtlinien entsprechend erweitert werden, um künftig genau solche User davon ausschließen.
  • YouTube soll Fakten-Checker einsetzen und gemeinsam mit ihnen Richtigstellungen zu „Klima-Lügen“-Videos veröffentlichen.

Insgesamt hat YouTube zwar bereits einiges in Gang gesetzt, um dem Verbreiten von Hassrede und Verschwörungstheorien auf seiner Plattform Einhalt zu gebieten. Doch Klimafehlinformationen, so Avaaz, werden noch nicht mit derselben Entschlossenheit bekämpft und verbannt.

Umso wichtiger scheint, dass YouTube dieses Problem von mehreren Seiten angeht, beispielsweise indem es seine internen Richtlinien überarbeitet und auch, indem es „Unternehmen erlaubt, ihre Werbung von Videos mit Klimadesinformation auszuschließen“, so Julie Deruy, Senior Campaigner bei Avaaz.

Die komplette Studie kann hier als PDF heruntergeladen werden (englischsprachige Fassung).

(Quelle aller Abbildungen: Avaaz Report)

Autor: MB

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