Blickwinkel

Behind the Scenes: Filmstoffe zum Anfassen

Kinowerbung

Sie hat Stars wie Meryl Streep, Catherine Zeta-Jones, Jeanne Moreau oder Burt Lancaster in Samt, Satin und Seide gekleidet: Barbara Baum hat mit ihren Kostümen Filmgeschichte geschrieben. Aktuell ehrt das Deutsche Filminstitut & Filmmuseum in Frankfurt die renommierte deutsche Kostümbildnerin mit der Sonderausstellung „Hautnah“. Die Ausstellung ist nicht nur eine aufregende Reise durch die Filmgeschichte der letzten Jahrzehnte, sondern auch ein taktil-sinnliches Erlebnis.

Barbara Baum hat ein besonderes Gespür für Stoffe, die für sie nicht nur Arbeitsmaterial, sondern auch Inspirationsquelle sind. „Ich denke immer in Stoffen“, sagt sie. „Bei außergewöhnlichen Stoffen bekomme ich sogar Gänsehaut. Die Entscheidung für diesen oder jenen ganz bestimmten Stoff ist für mich dann meist schon das halbe Kostüm.“

Meryl Streep und Jeanne Moreau ließen sich von Baum einkleiden

Seit fast 50 Jahren entwirft Baum Kostüme für internationale und nationale Produktionen. Besonders eng arbeitete sie einst mit Rainer Werner Fassbinder zusammen. In ihrem langjährigen Schaffen kleidete Barbara Baum unter anderem Schauspielgrößen wie Meryl Streep, Burt Lancaster, Catherine Zeta-Jones oder Jeanne Moreau ein. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche nationale und internationale Preise, zuletzt 2015 die „Ehren-Lola“ beim Deutschen Filmpreis.

Im Zentrum des Ausstellungsraums steht ein Ateliertisch. Hier spricht Barbara Baum über ihre Profession. Materialien aus ihrem Arbeitsarchiv wie Kostümlisten und vieles mehr zeugen von der ersten, intensiven Auseinandersetzung mit den Drehbüchern. Aus diesem Material erwachsen konkrete Ideen, die ins Stoffliche übersetzt und schließlich ins Filmbild integriert werden. Budgetpläne, Rechnungen, Tagesdispositionen und Einkaufslisten sind Belege für die organisatorischen Anforderungen des Berufs. Besprechungsprotokolle, Korrespondenzen, Anproben- und Anschlussfotos unterstreichen die Bedeutung des Kostümbildes im filmischen Kontext.

Die ständige Suche nach dem „richtigen“ Material

„Hautnah“ zeigt über 50 originale Filmkostüme, Ergebnisse künstlerischen Einfallsreichtums, der Schneiderkunst und nicht zuletzt kalkulatorischer und organisatorischer Planungen. Bevorzugt arbeitet Baum mit Stoffen wie Crêpe, Brokat, Duchesse, Gold- und Silberlamé, Musselin, Organdy, Samt, Satin, Seide, Spitze, Taft, Tüll, Tweed oder Wolle. Stoffe, die das stete Streben von Barbara Baum nach höchster Qualität und dem „richtigen“ Material belegen. Da die Originalkostüme aus konservatorischen Gründen nicht berührt werden dürfen, ist ein Bereich eingerichtet, in dem 50 Muster solch hochwertiger Textilien angefasst und erspürt werden können.

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