Blickwinkel

History of Cinema: Die Entstehung der Filmindustrie

Kinowerbung

In der Reihe "History of Cinema" betrachten wir das Kino im Wandel der Zeit. Im ersten Teil haben wir uns mit der Geburtsstunde des Kinos im Jahr 1895 beschäftigt, mit der frühen Entwicklung des Films und dem Kinos als neues Massenmedium. In diesem Teil widmen wir uns der Entstehung der Filmindustrie, dem Aufstieg Hollywoods und Charlie Chaplin, dem großen Star des US-Stummfilms. 

Mit der Verbreitung ortsfester Kinos um 1905 und der damit einhergehenden steigenden Beliebtheit des Mediums, änderte sich allmählich auch die Herstellung der Filme. Zu Beginn lagen alle Aufgaben bei einer Person, die gleichzeitig Kameramann, Regisseur, Filmvorführer und teilweise sogar Schauspieler war. Das war irgendwann schlichtweg nicht mehr möglich und es entwickelte sich eine arbeitsteilige und kapitalisierte Filmindustrie. Im Zuge dessen entstand auch das Film-Verleihsystem. Zuvor wurden Filmkopien relativ teuer an Kinos verkauft und dort so lange vorgeführt, bis die Filmrollen nicht mehr abspielbar waren. Der Filmverleih erwies sich als profitabler und ermöglichte es den Kinos die Filme über einen kürzeren Zeitraum zu zeigen und ihr Programm somit abwechslungsreicher und attraktiver zu gestalten.

Hollywood wird zur Weltmarke

Die meisten Filme entstanden zunächst an der amerikanischen Ostküste. Nachdem man erkannte, dass die Drehorte an der Westküste landschaftlich schöner waren, das Wetter dort besser war und die Filme deutlich günstiger produziert werden konnten, verlagerte sich um 1910 die Produktion nach und nach in den Westen. In den folgenden Jahren entstanden die großen Studios, wie Warner Bros. und Paramount Pictures, indem sich Produktionsfirmen mit Filmverleihern und Kinobesitzern zusammenschlossen. Durch das Studiosystem kam nun alles aus einer Hand – Produktion, Vertrieb und Vorführung – und Hollywood gelang der große Aufstieg. Die Filmindustrie wurde zur einer der umsatzstärksten Branchen der USA. Hollywood wurde zur Weltmarke und im Jahr 1923 entstand schließlich der berühmte Schriftzug in den Hollywood Hills. Ende der 1940er Jahre wurde das Studiosystem per Gerichtsbescheid wieder aufgelöst, weil es kartellrechtliche Probleme gab. In Deutschland entstand 1917 mit der Universum Film AG (UFA) der damals mächtigste deutsche Filmkonzern, der die deutsche Filmproduktion deutlich vorantrieb. Von der UFA wurde 1927 mit Metropolis einer der größten und teuersten Filme seiner Zeit produziert. Er gilt als das Paradigma des modernen Sci-Fi-Films und ist der bekannteste deutsche Stummfilm. Aufgrund seiner Bedeutung für die Filmgeschichte wurde er als erster Film überhaupt von der UNESCO in das Weltdokumentenerbe aufgenommen.

Filme wurde immer länger und haben schließlich die abendfüllende Spielfilmlänge erreicht, die auch heute noch üblich ist. Mit den großen Studios entwickelte sich auch das „Starsystem“: Bestimmte Schauspieler wurden zu Stars hervorgehoben und damit wurden Filme auch gezielt beworben. Stars wurden auf bestimmte Rollenklischees festgelegt, weil der Wiedererkennungseffekt für das Publikum von großer Bedeutung war. Die 1920er Jahre waren die Epoche der großen Filmstars, eine der bekanntesten und größten war Greta Garbo.

Auch die Kinos wurde größer: Die recht kleinen Nickelodeons wurden abgelöst von großen Filmpalästen, wie z.B. dem Roxy Theatre in New York. Mit fast 6.000 Sitzplätzen war es lange Zeit das größte Kino der Welt. Zum Vergleich: Heute haben die größten Kinosäle um die 1.000 Sitzplätze, i.d.R. sind es aber nur mehrere Hundert Plätze. Kinos verfügten damals üblicherweise nur über einen oftmals sehr großen Saal. Kinos mit mehreren kleineren Sälen entstehen erst viel später in den 1970er Jahren. 

Chaplin als Meister der Improvisation

Eines der beliebtesten Genres des US-Stummfilms der 1920er Jahre waren Slapstick-Komödien, die sehr charakteristisch für das frühe Hollywood-Kino stehen. Charlie Chaplin war der bekannteste Slapstick-Künstler. Er arbeitete fast immer ohne festes Drehbuch und erfand seine Geschichten in Improvisationen direkt am Set. Er war Schauspieler, Regisseur, Pantomime, Autor, Sozialkritiker und Filmstar in einem. Darüber hinaus auch noch der bekannteste Comedian seiner Zeit. Er fand Nachahmer in vielen anderen Ländern.

Der Film war noch immer stumm und wurde in den Kinosälen oft von Livemusik begleitet. Ende der 1920er Jahre entstehen die ersten Tonfilme. Die Einführung des Tons war folgenreich für viele Bereiche des Films und des Kinos, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Wie genau die Umstellung auf den Tonfilm ablief, darum geht es dann im nächsten Teil von „History of Cinema“.

Autor: CS

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