Blickwinkel

Innovation in a Bubble oder doch Reality-TV?

Kinowerbung

Wer wissen will, was in Sachen Consumer Electronics passiert, der sollte Las Vegas besuchen. Auf der alljährlichen Consumer Electronics Show (CES) lassen sich dort all die smarten Services und Lösungen erleben, die schon bald auf unseren digitalen Devices und in unseren Haushalten zum Einsatz kommen werden.

Und: Die CES gilt als Trendbarometer für kommende Technologien. Genau darum hat Franziska Knoefel, Manager Digital Revolution bei Weischer, sich in diesem Jahr auf den Weg gemacht und hat – in Kooperation mit W&V – täglich als Video-Bloggerin aus Vegas berichtet. Doch lest selbst – hier ist Franzis spannender Bericht von der CES.

Die CES: Jahrelang aus meiner Sicht das Nerd-Paradies. Jahre lang definitiv kein Bereich, welcher in meinem Leben eine Rolle spielen sollte. Oh, ich sollte so eines Besseren belehrt werden! Spätestens nachdem es letztes Jahr zu Weihnachten Smart Home-Thermostaten für meine Heizung gab und ich auf dem Heimweg in der S-Bahn meine Raumtemperatur hochstellte, wurde auch mir klar: Tech ist unser aller Daily Life geworden, ob wir nun wollen oder nicht.

Nur eine Chance, besser als die anderen zu sein

Also ging es direkt vom Traditionen behafteten Weihnachtsfest und dem alljährlichen Bleigießen (ja, ich habe schändlicherweise einen Vorrat der in diesem Leben nicht mehr erschöpft wird) nach Las Vegas. Die kalte Dusche direkt in Vegas hätte nicht größer sein können. Hier sind alle „ready to take-off“. Es gibt für die Branche gefühlt nur diese eine Chance, besser als die anderen zu sein. Eine Pressevorstellung jagt die nächste. Noch größer, noch weiter – und im besten Fall dropt man das Ganze auch noch irgendwo in Las Vegas auf dem Strip.

Die Messe ist riesig. Die Messe ist extrem männlich, und ganz klar dominieren die asiatischen Länder die Szenerie. Unser einziger Vorteil hier: Die Asiaten schlafen bei jeder sich bietenden Gelegenheit im Stehen, Sitzen oder in Warteschlangen ein. Dann heißt es schnell sein und doch die Innovation als erstes aus nächster Nähe betrachten. Und hier sind meine Schlüssel-Take Aways der CES 2020:

We have the Power. We use it!

Dass man als Marke ohne Purpose heute nicht mehr existent ist für seine Zielgruppe, ist für uns alle nichts Neues. Was mich bei der CES wirklich beeindruckt hat ist, dass die hier vertretenen Brands dieses Thema aber schon komplett selbstverständlich und authentisch leben. Ein Beispiel: Spielt man am Stand mit Samsungs neuem Phone, ist direkt eine SDG App vorinstalliert! Der authentisch gelebte Purpose ist natürlich mit ein Element, was uns zum nächsten Punkt führt. In einer zunehmend digitalen Gesellschaft ist das Thema Sicherheit ganz wichtig. Menschen haben unheimliche Angst, was mit ihren Daten passiert und wer sie dort eigentlich mittels Alexa zu Hause alles abhören kann.

Wie eine kleine Pflanze versucht die Branche dieses Vertrauen aufzubauen. Dabei nehmen sich die Techis zwei Dinge zu Hilfe. Zum einen das Thema 5G, welches früher oder später das gute alte WiFi ablösen wird. Und dann halten sie es mit der Regel: Kinder und Tier zuerst!

Wie das? Der Begriff IoT = Internet of Things wird nur minimalst abgewandelt – zu Intelligence of Things. Diese Intelligenz wird von keinem anderen als uns selbst angelernt. Und das gibt uns das Gefühl: Wir haben es doch alle selber in der Hand.

Smarte Terrassentüren für die Katze

Da wir aber manche Bereiche noch nicht direkt an uns selber ausprobieren wollen, halten erst einmal wieder die Tiere her. Dieses Mal aber im positivsten aller Sinne: einfach nur damit es ihnen gut geht. Zum Beispiel mit Hilfe smarter Terrassentüren, die beim Ankommen des Tieres sich automatisch öffnen. Oder Katzenklos, die bei ersten Anzeichen von auffälligem „Geschäft“ den Tierarzt zu Rate ziehen.

Ja und dann natürlich Babys. Welche Eltern kennen diese schlaflosen Nächte nicht, weil man sich Sorgen macht, ob das neugeborene Baby auch noch wirklich in der Krippe atmet. Und da ist der lahme Arm vom In-den-Schlaf-wiegen ... und ach, hat es eigentlich genug gegessen? Das verrät uns jetzt alles eine smarte App.

Electronic Vehicles sind das neue Must-have

Das waren noch Zeiten, als man einen Autohändler seines Vertrauens hatte, und wenn dann der VW Passat nach 250.000 Kilometern auseinander gefallen ist, hat man sich eben den nächsten gekauft. Jetzt geht man zum Media Markt und möchte sich einen neuen TV kaufen – und auf einmal steht dort das Sony Elektroauto!

Man geht weiter zu den Kühlschränken, und wenn der Weg zu weit ist, shuttlet einen das Electronic Vehicle von LG. Lange Zeit hat man sich gefragt, welcher Autobauer wohl das beste Elektroauto auf den Markt bringen wird, und ehe man sich versieht, konkurrieren die Autohersteller auch noch mit den Techfirmen dieses Planeten.

Feiern wir in Zukunft Car Partys in unseren autonomen EVs?

Was sie alle gemeinsam haben: So ein richtig großes Display muss es sein. Im besten Fall wie bei Byton auch noch eines, welches im Stand eine Kooperation mit einem Streaming-Partner hat. Aber will man wirklich auf dem Tacho seines Autos eine Folge von „Game of Thrones“ gucken? Ist das wieder so etwas, wo ich jetzt sage: auf gar keinen Fall! Und in drei Jahren gibt es nicht mehr die Pyjama-Partys, sondern nur noch Car Partys?

Aber die wichtigste Frage ist doch: Was passiert eigentlich, wenn die deutschen Autobauer so richtig Gas geben? Nicht ohne Grund holen sich doch die Asiaten von Byton deutsche Ingenieure und haben zufällig auch noch einen Sitz in München.

Ich glaube übrigens definitiv immer noch fest an unsere Automobilbranche. Sie sollten nur weise den richtigen Chip- und Technikpartner wählen. Das große Display brauchen wir auch und schnelle Prozessoren, damit eines Tages das Electric Vehicle (EV) auch ganz alleine fahren kann. Wenn es das dann kann, haben wir auch Lust, den „Tatort“ am Sonntag auf dem Heimweg von der Nordsee im Auto zu gucken. Ach, und bitte nicht vergessen: Das Logo muss dann leuchten. Denn: kein leuchtendes Logo = kein EV.

Vom Content War zum Streaming War

Die Studios holen sich ihren Content von Netflix und Co. zurück. TV-Sender gründen ihre eigenen Streaming-Plattformen, und bei den Golden Globes regnet es Nominierungen für die Eigenproduktionen von Netflix, Amazon und Co. Und die einzige noch verbliebenen Lücke, das Zeitfenster auf dem ich nur mobil unterwegs bin, wird in diesem Jahr von Quibi final mit Turnstyle gefüllt, der neuen mobilen Technologie zur Nutzung von Streaming-Inhalten. Was definitiv auch hilft, ist die neue Technik. Immer schneller werdende Prozessoren und immer leichteres Equipment „enabeln“ die Streamingdienste, qualitativ hochwertigen Content wie am Fließband zu produzieren.

Letztes Jahr zur Game Developers Conference in San Francisco gab es rund um Google Stadia und Cloud-based Gaming einen riesigen Aufschrei. Ein knappes Jahr später ist dieses Szenario Realität, und auch hier ziehen die Techfirmen nach. 5G macht es möglich, und so kann mit dem ersten 5G Laptop nun wirklich immer und über alle gespielt werden.

Dasselbe gilt für 8K-Fernseher. Sie sprießen wie Pilze aus dem Boden. Ehrlicher weise bringt 8K erst dann etwas, wenn man auch einen wirklich großen TV hat ... und mal ehrlich: Wie viele Menschen haben den Platz. diese Monster sich in das Wohnzimmer zu stellen, ohne direkt die Scheidungspapiere ihres Partners zu erhalten? Aber man kann diesen Anbietern nicht absprechen, dass die Qualität von Tag zu Tag immer besser wird.

Can I take a picture?

Ich sagte es schon, die Messe war geflutet mit Menschen aus dem asiatischen Raum. Was mir aber wirklich ganz besonders aufgefallen ist: Diese Menschen gehen nicht auf die Messe, um sich zu informieren. Nein, sie sind dort, um Fotos zu machen. Alles, was nicht bei drei auf den Beinen ist, wird fotografiert. Mein persönlich strangester Moment war, als ich bei den Innovation Award-Preisträgern stand und ein Herr mich direkt zur Seite boxte, um das Beschreibungsschild eines Award Winning Vibrators zu fotografieren. Das hat er bestimmt nicht aus Interesse für sich selbst gemacht. Die „Copycats“ waren wirklich überall, und man kann sich sicher sein: Was gestern in Vegas einen Preis gewonnen hat, gibt es morgen bei Alibaba.

Viele haben mich gefragt: „Franzi warum willst du zur CES, was erhoffst du dir dort zu sehen?“ Ich hatte das Gefühl, so wie das Jahr frisch gestartet ist war dieses das missing Puzzlestück. Und ich bin mir sicher: Vieles, was ich hier gesehen habe, wird dieses Jahr in Cannes für ihre Launch-Kampagnen mächtig Preise abräumen.

Wer möchte schon „last year“ sein?

Es ist definitiv so: Weil ich die Techniken auf der CES erlebt, gespürt und angefasst habe, kann ich nun einen Kunden ganz anders beraten. Ich verstehe das Umfeld, in dem ein Tech-Gigant kämpft, und habe die Chance, von meiner Seite aus proaktiv Vorschläge zu machen für seine nächste Kampagne.

Lange habe ich gedacht, die Welt verändert sich in erster Linie nur in unserer Werbe-Bubble so stark. Nach den fünf Tagen CES in Las Vegas kann ich euch sagen: Die Welt verändert sich schon längst auch im Mainstream und nicht nur in unserer Bubble. Sprechende Zahnbürsten, Uhren, Klorollen-Assistenten ... all das ist Realität geworden. Werbung im TV ist nicht erst seit Scott Galloway zur Steuer für die „Armen“ geworden. Und wer heute noch seinen oder den Gemütszustand seines Babys selber feststellen will und nicht die nächste App befragt, ist unglaublich „last year“!

Viel Spaß mit meinem Video-Blog aus Las Vegas!

Wir können es nicht aufhalten. Das smarte Leben und die vernetzte Welt sind da. Füttert die KIs dieser Erde und macht euer Leben ein wenig leichter. Wie? Nehmt den Handyvertrag mit dem höchsten Datenvolumen, habt einen Rechner mit genug Leistung und denkt dran, eure Passwörter regelmäßig zu ändern.

Übrigens: Wer mehr wissen, was wir alles auf der CES entdeckt haben, findet alle Videos auf der Weischer-Facebook-Seite sowie im Youtube-Channel von W&V.

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