Blickwinkel

Ist Zelluloid das neue Vinyl?

Kinowerbung

Bei Audio ist der Trend schon in vollem Gange: Analoge Trägermedien erleben seit einiger Zeit ein mächtiges Revival. Audiophile Menschen schwören auf Schallplatten aus Vinyl, die aufgrund der massenhaften Verbreitung von digitalen Trägermedien und Streaming bereits für tot erklärt worden waren. Auch immer mehr Filmemacher outen sich als Fans analoger Technik – von Super 8 bis zu 65-mm-Film.

Einer der prominentesten Verfechter des analogen Films ist Christopher Nolan. Sein 2017er Werk „Dunkirk“ drehte der britisch-amerikanische Regisseur auf Zelluloid. Kenneth Branagh ließ das Remake von „Mord im Orientexpress“ sogar komplett auf 65 mm filmen, ebenso Quentin Tarantino bei „The Hateful Eight“. Auch bei „Star Wars 9“ von J.J. Abrams kommt die analoge 65-mm-Technologie zum Einsatz. Was viele nicht wissen: „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ und „Star Wars – Episode 8“ wurden auf 35-mm-Film gebannt.

Nebeneinander statt gegeneinander

Mit dem Revival des analogen Films auf Seiten der Filmschaffenden wächst auch der Wunsch von Cineasten, Kinofilme wieder verstärkt in analoger Projektion zu sehen. In Großbritannien wurde sogar eine eigene Organisation gegründet, die sich dem Erhalt und der Förderung von Zelluloidfilm im Kinoalltag verschrieben hat. Zahlreiche Kinobetreiber reinstallieren die alten Projektoren.

Alexa Raisbeck ist Mitbegründerin des Film and Projection Heritage Networks, so der Name der Organisation, und sie hat durchaus Verständnis für die Digitalisierung des Mediums Film – immerhin lassen sich dadurch Filme immer wieder abspielen, ohne dass es qualitative Verluste durch Abnutzung gibt.

Was Raisbeck allerdings stört, ist die Art und Weise, wie der analoge Film aus ihrer Sicht „abserviert“ worden sei – nämlich als unrentabel und antiquiert. In einem Beitrag für das Cinema Technology Magazine beklagt sie, dass damit dem Zelluloidfilm fast die Zukunft verbaut worden wäre, weil Projektoren und Zubehör vom Markt verschwanden, Filmkopien immer schwerer aufzutreiben waren und erfahrene Filmvorführer in Ruhestand geschickt wurden – und damit wertvolles Know-how verloren ging. Dabei gehe es doch gar nicht darum, Digital- und Analogfilm gegeneinander auszuspielen – es seien eben einfach zwei völlig unterschiedliche Medien, für die sich Filmemacher entscheiden könnten.

Der Wert des einzelnen Bildes

Als Kodak vor drei Jahren anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Super 8-Films eine Initiative startete, um eine neue Generation von Filmemachern wieder an die klassische Technologie heranzuführen, schwärmten zahlreiche Filmschaffende wie Christopher Nolan, Quentin Tarantino und Steven Spielberg oder der Kameramann Robert Richardson („Inglourious Basterds“, „Django Unchained“, „Once Upon a Time in Hollywood“) von dem alten Filmformat. Auch Regisseur Steve McQueen („Shame“, „12 Years a Slave“) gehört zu den bekennenden Fans des Analogfilms. „Durch Super 8 habe ich das Filmemachen gelernt. Zu der Zeit war das ein sehr teures Hobby – was bedeutete, dass ich klar wissen musste, was ich filmen wollte, oder mir zumindest vorher im Kopf Gedanken machen, bevor ich auf den Auslöser drückte. Es hat mich gelehrt, wie wertvoll ein Bild ist und sein kann. Es hat mich gelehrt, meine Schneidetechnik zu optimieren und letztendlich, wie schön Film ist. Ich filme bis zum heutigen Tag auf Super 8.“

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