Blickwinkel

„Open Memory Box“ das Leben in der DDR auf 8mm

Kinowerbung

Rechtzeitig zum 30. Jubiläum des Mauerfalls ist sie online gegangen, die „Open Memory Box“ – eine digitalisierte Sammlung von über 400 Stunden privater Schmalfilme, die zwischen 1947 und 1990 von DDR-Bürgern gedreht wurden. Diese Home Movies bilden das größte Filmarchiv aus der Zeit vor der Wende und zeigen einmal mehr: Bewegtbild ist für uns in vielerlei Aspekten wichtig, Bewegbild bewegt uns buchstäblich.

Ob Kindergeburtstag oder 1. Mai-Kundgebung, ob Stadtansichten, Ostseeurlaub oder „Westautos“ – die archivierten Aufnahmen sind schlicht und aufregend zugleich, denn die Amateurfilme zeigen das Leben der DDR-Bürger auf acht Millimetern und können einen wesentlichen Beitrag zur deutsch-deutschen Erinnerungsdebatte leisten.

Größtes Filmarchiv aus der Zeit vor der Wende

Vor sechs Jahren haben der schwedisch-argentinische Filmproduzent Alberto Herskovits und der kanadische Politikwissenschaftler Laurence McFalls das Projekt gestartet. Mehr als 415 Stunden Material aus 2.283 Filmrollen wurden von 149 Familien an 102 Orten der ehemaligen DDR für das Projekt zur Verfügung gestellt. Mit 320 Terabyte Datenmaterial ist die „Open Memory Box“ das größte existierende Filmarchiv aus der Zeit vor der Wende und ist nun für jeden zugänglich und im Internet abrufbar.

Die Idee der Macher war, Stereotypen bei der Bewertung der DDR-Vergangenheit aufzubrechen und zu prüfen, wie alte Home Movies aus der DDR in Verbindung mit neuen Medienformen die Debatte zur Aufarbeitung und des gegenseitigen Verständnisses von Ost und West bereichern können. Über 30 Mitarbeiter haben die Aufnahmen gesichtet und mit Schlagworten versehen. Auf www.open-memory-box.de sind die in unzähligen Bereichen zusammengefassten Filmschnipsel zu sehen. Die Webseite bietet einen intuitiven und interaktiven Zugang zum gesamten Filmmaterial sowie ein erschlossenes, suchbares Archiv.

Eine Vorstellung vom real existierenden DDR-Alltag

In Kurzfilmen erzählen Spender des Videomaterials zudem von ihren Erlebnissen, erinnern sich in Audiokommentaren an die damalige Zeit, geben Einblicke in ihre persönlichen Schicksale und Lebensgeschichten. So berichtet im Film „Ich bereue es“ eine Zeitzeugin davon, dass ihr kleiner Sohn für ein Jahr von seiner Großmutter aufgezogen werden musste, weil sie und ihr Mann als Studenten keinen Kita-Platz bekamen. Da die Aufnahmen nie für die Öffentlichkeit bestimmt waren, liefert das Projekt nicht nur Einblicke in das Privatleben der Menschen, sondern vermittelt auch ein Bild vom real existierenden Alltag in der DDR.

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