Blickwinkel

Per Smartphone auf die große Leinwand

Kinowerbung

Mit dem iPhone ganze Filme drehen? In der Filmbranche gilt das als echter Trend: Neben hochmodernen High-End-Kameras nutzen Regisseure inzwischen auch iPhones, um die Filmszenen aufzunehmen. „Das iPhone ist offiziell in Hollywood angekommen“, schreiben die beiden Filmexperten Hella Wittenberg und David Streit auf der Branchenplattform lead-digital.de. Das Smartphone habe sich für viele Filmemacher zu einer ernsthaften Alternative zum schweren Aufbau von Kinokameras entwickelt.

Ein „Game Changer“ fürs Medium Kino?

Bereits 2015 hatte Sean Baker für Gesprächsstoff in der Szene gesorgt, als er den Independent-Film „Tangerine L.A.“ mit einem iPhone 5s drehte. Doch den bislang eindrucksvollsten Beweis für den Trend zum gezielten technischen Downsizing beim Filmen lieferte vor einigen Monaten der US-amerikanische Starregisseur Steven Soderbergh („Ocean´s Eleven“, „Sex, Lügen und Videos“, 2001 mit einem OSCAR für „Traffic – Die Macht des Kartells“ geehrt). Sein diesjähriger Thriller „Unsane – Ausgeliefert“ wurde komplett mit einem iPhone 7 plus gedreht. Das sei ein echter „Game Changer“ fürs Kino, sagte Soderbergh, der bislang dafür bekannt war, am liebsten neueste digitale High-End-Kameratechnik zu nutzen.

In dem Film wird die Hauptdarstellerin von einem Stalker verfolgt und zwangsweise in die Psychiatrie eingewiesen, wo sie ihren Verfolger zu erkennen glaubt – ein Horrortrip zwischen Wahn und Wirklichkeit beginnt. Das Tolle am Filmen mit dem iPhone sei gewesen, dass er damit in Sekundenbruchteilen das filmen könne, was der filmen möchte, zitiert Heise Online den Regisseur. Der Ansatz passt zu „Unsane“ perfekt: Das iPhone nähert sich den Darstellern oft bis auf wenige Zentimeter – und verstärkt damit den klaustrophobischen Charakter der Handlung.

Diese Bilder gehören auf die große Leinwand!

Gedreht wurde „Unsane“ in 4K – auf der Kinoleinwand sehe das Ergebnis wie „Samt“ aus, so Soderbergh. Es muss nach Ansicht von Soderbergh aber nicht unbedingt ein iPhone sein. Genauso gut hätte er ein Samsung Galaxy oder ein Google Pixel einsetzen können, sagte er im Interview mit epd Film.

Übrigens: Soderbergh hatte ursprünglich geplant, „Unsane“ direkt auf Netflix zu veröffentlichen – doch dann entschied er, dass der Thriller seinen Auftritt im Kino haben soll, wie er epd Film schildert: „Einfach weil die Bilder so großartig aussahen, dass sie meiner Meinung nach auf die große Leinwand gehören.“

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