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Netflix und Apple gehen auf Oscar-Jagd

Kinowerbung

Drei Oscars räumte der Spielfilm „Roma“ aus dem Hause Netflix bei der diesjährigen Oscar-Verleihung ab. Auch 2020 will der Streamingdienstleister wieder eine der begehrtesten Filmtrophäen der Welt gewinnen. Im Herbst laufen zehn im Auftrag von Netflix produzierte Filme zuerst für mehrere Wochen im Kino, darunter Steven Soderberghs „The Laundromat“ und Martin Scoreses „The Irishman“.

Doch auch Konkurrent Apple bringt sich in Stellung: Einige Filme des neuen Streamingdienstes Apple TV+, der am 1. November eingeführt wurde, sollen zuvor ebenfalls in ausgewählten Kinos laufen, um sich die Teilnahme bei wichtigen Filmpreisen zu sichern. Auch der am 12. November gestartete Streamingdienst Disney+ könnte sich künftig an der Jagd nach Oscars beteiligen.

Das Geschäftsmodell der Unternehmen besteht eigentlich darin, Abonnenten für ihre Online-Videothek zu gewinnen und Serien und Filme exklusiv im Internet zu zeigen. Auf den Glamour und das Prestige, die die Institution Kino mit sich bringt, möchten die Streaming-Anbieter aber nicht verzichten. Deshalb setzt man verstärkt auf Eigenproduktionen mit bekannten Hollywood-Gesichtern, rekrutiert preisgekrönte Kinoregisseure und bemüht sich um mehr Award-Auszeichnungen. Letzteres erfordert kommerzielle Opfer, denn die Regularien der Amerikanischen Filmakademie sehen vor, dass man nur für einen Oscar nominiert werden kann, wenn ein Film auch im Kino gelaufen ist.

Meryl Streep, Robert de Niro und Al Pacino sorgen für Oscar-Glanz

Ging Netflix 2019 mit vier Filmen ins Oscar-Rennen, so starten jetzt zehn seiner neuen Filme zunächst für mehrere Wochen in den nordamerikanischen Kinos, ehe sie im Streamingangebot verfügbar sind. Den Anfang machte am 27. September der Geldwäsche-Krimi „The Laundromat“ mit Oscarpreisträgerin Meryl Streep über die Enthüllungen der „Panama Papers“ von Oscarpreisträger Steven Soderbergh (online seit 18. Oktober).

Seit der Premiere beim New York Film Festival gilt Martin Scoreses „The Irishman“ mit Robert de Niro und Al Pacino in den Hauptrollen als heißer Oscar-Kandidat. Alle drei wissen von früheren Auszeichnungen, wie sich der begehrte „Goldjunge“ in der Hand anfühlt. Die Netflix-Produktion läuft seit 1. November in den nordamerikanischen Kinos und ist knapp vier Wochen später online zu sehen.Und auch diese Netflix-Filme empfehlen sich zunächst auf der großen Leinwand für die Oscars: „Dolemite Is My Name“ (Online seit 25. Oktober), „The King“ (seit 1. November), „Earthquake Bird“ (ab 15. November), „Marriage Story“ (6. Dezember), „Klaus“ (15. November), „I Lost My Body“ (29. November), „Atlantics“ (29. November) und „The Two Popes“ (20. Dezember).

Apple gründet sogar ein eigenes Filmstudio

Konkurrent Apple steigt jetzt ebenfalls ins Filmgeschäft ein. In seinem Streamingdienst Apple TV+ werden etliche Spielfilme exklusiv vertreten sein, die zuvor allerdings in ausgewählten Kinos laufen werden. Laut einem Bericht des Magazins „Variety“ kommen zunächst die Spielfilme „Hala“ und „The Banker“ sowie die Dokumentation „The Elephant Queen“ in die US-Kinos. Der Spielfilm „Hala“ von Regisseurin Minhal Baig über eine muslimische Teenagerin wurde bereits auf dem diesjährigen Sundance-Filmfestival gezeigt. In „The Banker“ von Regisseur und Drehbuchautor George Nolfi über zwei der ersten afroamerikanischen Banker in den USA der 50er Jahre wirken die Hollywood-Schauspieler Anthony Mackie, Samuel L. Jackson und Nicholas Hoult mit. Der Film soll am 6. Dezember ins Kino kommen und erst im Januar auf TV+ verfügbar sein.

Für Mitte 2020 ist die Veröffentlichung von Sofia Coppolas „On the Rocks“ mit den beiden Schauspielstars Rashida Jones und Bill Murray geplant. Erzählt wird von der Beziehung einer jungen Frau zu ihrem exzentrischen Vater.

Doch Apple geht noch einen Schritt weiter: Um exklusive Inhalte nicht nur teuer einkaufen zu müssen, sondern künftig Eigenproduktionen auf den Markt bringen zu können, möchte der US-Konzert laut dem Branchenmagazin „The Hollywood Reporter“ sogar ein eigenes Filmstudio gründen. Demnach habe man sich die Dienste von Zack Van Amburg und Jamie Erlicht gesichert, die beide früher das TV-Studio von Sony geleitet haben. Die erste Eigenproduktion soll eine neunteilige Serie namens „Masters of the Air“ werden – mit Tom Hanks und Steven Spielberg als ausführende Produzenten. Das Projekt thematisiert den 2. Weltkrieg und handelt vom Kampf der 8. US-Luftflotte gegen Nazideutschland.

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