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Studie beweist: Netflix verdrängt keine Kinos

Kinowerbung

Mit „Roma“ hat in diesem Jahr erstmals ein Spielfilm aus dem Hause Netflix drei Oscars gewonnen. Der Film des mexikanischen Regisseurs Alfonso Cuarón zeigt nicht nur ein leises Melodrama in Schwarz-Weiss, sondern auch, dass der Streaming-Dienst großen Filmstudios wie Fox, Warner Brothers und Disney Konkurrenz macht. Nachdem der prämierte Film ausschließlich über Netflix zu sehen ist, wurde eine bereits oft geführte Diskussion wieder angefacht: Netflix, Amazon & Co sind schuld an rückläufigen Kinobesucherzahlen und dem Kinosterben kleiner Lichtspieltheater. Aber ist das wirklich so?

Eine neue Studie der der EY Quantitative Economics and Statistics (QUEST) zeigt, dass Streaming und Kino einander ergänzen – und sich keinesfalls gegenseitig behindern. Für die Studie wurden 2.500 Teilnehmer befragt, von denen 80 Prozent im vergangenen Jahr mindestens einen Film im Kino angeschaut hatten. Ergebnis: Die Befragten, die in den letzten zwölf Monaten neunmal oder häufiger im Kino waren, konsumierten auch mehr Streaming-Angebote als diejenigen, die nur ein- oder zweimal Filme im Kino gesehen haben. So nutzten die Kinogänger, die neun oder mehr Kinofilme im Jahr gesehen hatten, im Durchschnitt elf Stunden pro Woche Streaming-Angebote – die Personen, die selten ins Kino gehen, dagegen nur sieben Streaming-Stunden pro Woche.

Teenager schauen Filme online und im Kino

Tatsächlich scheinen Nutzer, die nicht (mehr) ins Kino gehen, auch keine Shows und Filme über Streaming-Dienste zu sehen. Fast die Hälfte der Menschen, die angaben, in den letzten 12 Monaten kein Kino besucht zu haben, streamten auch keine Online-Inhalte. Nur 18 Prozent derjenigen, die Kinos mieden, streamten Online-Inhalte für acht oder mehr Stunden pro Woche.

Auch das Argument der Netflix-Kritiker, Teenager würden nur noch online Filme schauen, konnten die Forscher entkräften: Die befragten Teenager im Alter von 13 bis 17 Jahren sahen durchschnittlich 7,3 Filme im Kino, verbrachten allerdings mit 9,2 Stunden pro Woche auch mehr Zeit mit Streaming-Angeboten als jede andere Altersgruppe. Die Gruppe der 18 bis 37-Jährigen kam im Schnitt auf insgesamt sechs Kinobesuche pro Jahr und auf 8,6 Streaming-Stunden pro Woche.

Balance zwischen Streaming und Kino

Die Ergebnisse der Studie sprechen dafür, dass sich beide Formen der Filmnutzung komplementär ergänzen. „Die Botschaft ist, dass es keinen Krieg zwischen Streaming-Angeboten und Kino gibt“, erklärte Phil Contrino, Direktor für Medien und Forschung der National Association of Theater Owners (NATO). „Menschen, die Bewegtbildinhalte lieben, schauen plattformübergreifend, wobei jede Plattform für sich ihren Platz in den Köpfen der Verbraucher hat.“

Die Studie wurde von der National Association of Theater Owners in Auftrag gegeben, die seit langem die Entscheidung von Netflix kritisiert, auf traditionelle Kinostarts für Filme wie den Oscar-prämierten „Roma“ oder „Outlaw King“ zu verzichten. Der Streaming-Dienst hat zwar einigen seiner Filme kleine, exklusive Kinoausstrahlungen ermöglicht, hält sich weitgehend aber an die Firmenpolitik, Filme in den Kinos nur dann debütieren zu lassen, wenn sie gleichzeitig auf Netflix Premiere haben.

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