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Wegweisendes Roadmovie: „Easy Rider“ wird 50

Kinowerbung

Es ist das Roadmovie schlechthin, ein Klassiker in jeder Minute: „Easy Rider“, der legendäre Trip der beiden Outlaws Wyatt und Bill auf ihren Harley-Davidson-Maschinen durch die amerikanischen Südstaaten, wurde vor 50 Jahren – genauer: am 8. Mai 1969 – vorgestellt, als offizieller Beitrag der USA zum Filmfestival in Cannes. Wie aktuell ist dieser Kultfilm mit seinen Themen Toleranz, Freiheit, Abenteuer heute noch?

Einhellige Begeisterung erzeugte „Easy Rider“ damals übrigens nicht, der Film wurde eher zwiespältig aufgenommen. Insbesondere vielen Amerikanern gefiel nicht, was sie in diesem Spiegel sahen, der ihnen da von diesem kleinen Autorenfilm vorgehalten wurde. Die USA als Land der unendlichen Möglichkeiten? Wohl nur, wenn man sich schön mit der Masse bewegt und nicht auffällt – etwa durch eine wilde Frisur, so eine Botschaft von „Easy Rider“.

Kampfansage ans stromlinienförmige Hollywood

Aus Sicht der Filmemacher – Dennis Hopper, der gemeinsam mit Peter Fonda die Hauptrolle spielte und das Drehbuch schrieb, übernahm auch die Regie – war „Easy Rider“ ein gigantischer Erfolg: Den Produktionskosten von weniger als 400.000 US-Dollar standen Einnahmen von über 16 Millionen Dollar entgegen. Noch viel wichtiger aber ist der Effekt, den „Easy Rider“ auf das etablierte Hollywood hatte, wo das Publikum bis dato mit altbewährten, aber zumeist überkommenen Filmstoffen eingelullt wurde. Damals junge Filmemacher wie Francis Ford Coppola, Robert Altman oder Martin Scorsese wurden von dem neuen Stil von „Easy Rider“ stark beeinflusst oder profitierten indirekt von dem Film, weil die Hollywood-Studios nun auch weniger stromlinienförmigen Filmstoffen eine Chance gaben.

„Das innovativste Element von ‚Easy Rider’ ist der für seine Zeit vergleichsweise hohe dokumentarische Gehalt“, schreibt Filmexperte Andreas Thomas in einem Beitrag für das Portal Filmgazette. „Der Film handelt deshalb wirklich von dem, wovon er spricht, weil seine schönen und bedrohlichen Kulissen – die Landschaften, die Städte, die Dörfer, aber auch die Figuren, die darin agieren, weitgehend authentisch sind.“ So ist „Easy Rider“ in zweifacher Hinsicht ein Zeitzeugnis, erklärt Thomas: „Durch sein Konzept, also durch die Geschichte der zwei allegorischen ‚Hippies’ und durch das Wagnis, seine fiktiven Figuren an der nicht fiktiven US-amerikanischen Wirklichkeit zu messen. Dass dieses Wagnis aufgeht, macht den Film so nachhaltig beeindruckend.“ Der zweite wegweisende Aspekt des Films war, so Andreas Thomas, die bis dato ungewöhnliche Personalunion aus Autoren, Darstellern und Regisseur.

Kino könnte neuen Dialog schaffen

Im vergangenen Jahr war „Easy Rider“-Hauptdarsteller Peter Fonda zu Gast in einer großen deutschen TV-Show zum Thema 1968. Verlangt die politische Situation in den USA nicht danach, dass ein neuer, aktueller „Easy Rider“ gedreht wird, fragte Moderator Thomas Gottschalk den Schauspieler. „Die Notwendigkeit ist absolut da“, antwortete Peter Fonda. „Denn um die Demokratie zu retten, brauchen wir eine neue Art der Kommunikation miteinander, einen neuen Dialog, einen neuen Diskurs.“ Die beste Möglichkeit, einen solchen neuen Dialog zu schaffen, wäre über das Kino, glaubt Fonda: „Wir brauchen allerdings kein Remake von ‚Easy Rider’, sondern wir brauchen einen Film, der zeigt, was jetzt geschieht.“

Wie hochaktuell „Easy Rider“ in seiner Grundthematik heute noch ist, zeigt eine Szene des Films sehr anschaulich. „Die Leute sind verängstigt, Mann“, sagt Billy alias Dennis Hopper zu dem Anwalt George alias Jack Nicholson, den die beiden Aussteiger aufgeschnappt und auf ihren Trip mitgenommen haben. Darauf George: „Oh, die sind nicht wegen dir verängstigt. Sie sind verängstigt wegen dem, was du für sie repräsentierst.“

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