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Zoom-Film stürmt mit 0$-Budget die Box-Office-Liste

Kinowerbung

Während in Deutschland die Kinos langsam und unter Auflagen wieder öffnen können, sind weltweit die meisten Kinos noch aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen, darunter auch eine Vielzahl der US-Kinos. Einige wenige US-Kinos gibt es dennoch, die weiterhin Vorstellungen zeigen, doch fehlt es diesen an absoluten Filmkrachern und AAA-Material. So haben kleinere Filme nun die Chance den Platz der Großen einzunehmen und die Zuschauer zu unterhalten. Ein Beispiel hierfür ist „The Wretched“, ein Hexenhorror, der im Q2 2020 die Box-Office-Liste anführt. Jene Liste, die ansonsten von Multi-Millionen Dollar Produktionen und namhaften Regisseuren, wie James Cameron oder Steven Spielberg dominiert wird.

„Unsubscribe" am 10. Juni auf der „1"

Am 10.Juni führten allerdings die zwei US-Filmemacher Christian Nilsson und Eric Tabach die renommierte Liste an. Ihr 29-minütiger Horror-Thriller „Unsubscribe“ wurde mithilfe des Videokonferenz-Tools Zoom geschaffen.

Ohne Budget began Nilsson das Drehbuch zu schreiben und stellte es innerhalb eines Tages fertig. „Unsubscribe“ handelt dabei von fünf Youtubern, die einen ihrer Freundesgruppe zum Geburtstag überraschen wollen. Was sie allerdings bis dato nicht wissen, ist, dass es eine weitere Person an der Videokonferenz teilnimmt: ein einstiger Fan, der immer wieder ignoriert und nicht gehört wurde. Mit der Zeit hat sich sein Hass auf die Youtuber und ihre Subscriber so aufgestaut, das er diesem nun in einem persönlichen Rachefeldzuges freien Lauf lassen möchte.

In einem Zeitraum von fünf Tagen drehten Nilsson und Tabach diesen Film. Neben Tabach, der sich selbst spielte, konnten sie einige Youtuber gewinnen, die die Freundesgruppe komplettierten. Der Killer wird von dem Schauspieler Charlie Tahan gespielt, der in der Netflix-Serie Ozark mitwirkte. Durch die Verwendung des Videokonferenz-Tools Zoom entstand dem Duo keine weiteren Kosten für Kamera-Equipment oder Personal. Zudem entstanden die Aufnahmen ganz Corona-konform bei jedem Zuhause, sodass zudem die hohen Kosten für aufwändige Kulissen gespart werden konnten.

Doch wie schaffte es „Unsubscribe“ an die Spitze der Box-Office-Liste?

Die Akteure beobachteten die Box-Office-Liste der vergangenen Wochen und wussten, dass sie ein Schlupfloch nutzen konnten, um das System auszutricksen, denn ihnen fiel auf, dass man mit vergleichsweise geringen Einspiel-Summen die Box-Office-Liste stürmen könnte.

Als Vergleich ziehen wir beispielhafte Einnahmen heran. 25.488 US-Dollar, spielte „Unsubscribe“ innerhalb des 10. Juni dieses Jahrs ein. Ein Jahr zuvor stand am 10. Juni „The Secret Life of Pets 2“ ganz oben auf der Box-Office-Liste, der ca. 4.6 Mio. US-Dollar einspielte. Ganze Welten trennen also „Unsubscribe“ von sonstigen Spitzenreitern der Box-Office-Liste. Wie bereits erwähnt, sorgen die geringe Anzahl der offenen Säle in den USA zu einem Zurückhalten der großen Blockbuster, seitens der Studios, weswegen es für „Unsubscribe“ erst möglich war, sich so ins Rampenlicht zu spielen.

Das eigentliche Schlupfloch nennt sich allerdings „four-walling“. So nennen es die Verleiher, wenn ein Kinosaal gebucht und alle Sitze reserviert werden. Sie entschieden sich für ein unabhängiges Kino in Westhampton Beach, etwas außerhalb von New York City, in dem Christian Nilsson früher arbeitete. Passend zu einer Weltpremiere, erschienen beide im Smoking und schautensich den Film zusammen.

Tatsächlich lief der Film also in einem einzelnen Kinosaal, mit nur zwei Zuschauern und erzielte im Endeffekt nicht einmal Gewinn für die beiden Filmemacher. Dafür aber eine Menge Aufmerksamkeit für ihr intelligentes Austricksen des Systems und natürlich erreichten sie ihr Hauptziel, ihren Film einmal an der Spitze der renommierten Box-Office-Liste stehen zu sehen.

Frank Senger

+49 40 809058-2285

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