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Amazon bekommt .amazon-Domain

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Der Onlinehändler Amazon darf künftig die Top-Level-Domain (TLD) .amazon nutzen. Das hat nun die Vergabeorganisation Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) beschlossen – und damit einen jahrelangen, ergebnislosen Streit zwischen dem Konzern und einem Staatenbündnis von Amazonas-Anrainerstaaten beendet.

Internetriese versus Region

Sieben Jahre stritten sich acht Anrainerstaaten mit Amazon um eine Einigung über die Verwendung der begehrten Domain. 2012 hatte Amazon die Internet-Endung sowie zwei weitere Versionen des Namens zur weltweiten Nutzung beantragt. Ein Affront für das Amazonas-Staatenbündnis mit Brasilien an vorderster Front. So protestierte das brasilianische Außenministerium lautstark: „Wegen seiner untrennbaren semantischen Beziehung zum Amazonas-Regenwald sollte diese Domain in keinster Weise das Monopol eines Unternehmens sein!“ Da konnte Amazon noch so sehr mit der Ausgabe von Kindle-Geräten oder Variationen wie .amazonas, .amazonia und .amazonica locken – die Lateinamerikaner beharrten auf .amazon.

Geduldsfaden gerissen

Nachdem zuletzt der als Mittler eingesetzte ICANN-CEO Göran Marby von der für die Anrainerstaaten sprechenden Amazon Cooperation Treaty Organization (ACTO) von einem Termin ausgeladen wurde, riss der ICANN offenbar der Geduldsfaden. Die Streitparteien seien nicht in der Lage gewesen, eine für beide Seiten annehmbare Lösung zu finden, noch sich auf eine Verlängerung für weitere Gespräche zu einigen, ließ die Vergabeorganisation verlauten. Seit dem 20. Mai läuft nun noch eine 30-tägige öffentliche Anhörungsphase, bei der sich die Öffentlichkeit zu den konkreten Vorschlägen Amazons äußern kann – so sehen es die ICANN-Regeln vor.

Kleine Zugeständnisse

Die Zusage Amazons, die Domain nicht zu verwenden, wenn es einen klaren Zusammenhang zum geografischen und kulturellen Gebiet gibt, mag der aktuellen Entscheidung zuträglich gewesen sein. Die Amazonas-Staaten dürfen zudem mehrere vom Wort Amazon abgeleitete Endungen „zu nicht-kommerziellen Zwecken“ nutzen. Doch das konnte das Staatenbündnis nicht mit der ICANN-Entscheidung versöhnen. So bedauerte das brasilianische Außenministerium offiziell, dass die ICANN „die Notwendigkeit, das kulturelle, symbolische und Naturerbe der Amazonasregion und der dort lebenden Menschen zu schützen und zu fördern, nicht ausreichend berücksichtigt habe“.

Siebenstelliger Betrag für drei Buchstaben weniger

Die derzeit laufende öffentliche Konsultation bei der Einsprüche gegen sogenannte „Public Interest Commitments“ (PICs) erhoben werden können, wird aber wohl nicht mehr verhindern können, dass der Internetriese bald unter .amazon statt .amazon.com firmieren wird. Selbst eine Klage vor Gericht durch die Anrainerstaaten würde Amazon wohl kaum stoppen. So hat sich der Onlinehändler die Sicherung der begehrten Domain bis dato angeblich einen siebenstelligen Betrag kosten lassen. Weitere Kosten eines Gerichtsverfahrens hätten den Internetriesen auch kaum abgeschreckt. Das wird wohl auch die ICANN ähnlich gesehen haben. Oder die Adressverwaltung hat ganz pragmatisch abgewogen, was letztendlich länger Bestand haben wird: die Natur im Amazonas-Gebiet oder der mächtige GAFA-Konzern.

Mitspracherecht über Aktien?

Da passt es ins Bild, dass die eigenen Aktionäre des Konzerns gerade einen Aktionärsantrag zur Stärkung des Klimaschutzes abgelehnt haben. Obwohl dieser auch von zahlreichen Amazon-Angestellten unterstützt worden war. Vielleicht sollten die Amazonas-Anrainer ein paar Amazon-Aktien kaufen. So wie es der amerikanische Börsen-Guru Warren Buffett jüngst erstmalig getan hat.

Autor: KS

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