Blickwinkel

Google räumt bei Werbeanzeigen kräftig auf

Online Vermarktung

Fast pünktlich zum zumindest meteorologischen Frühlingsbeginn mistet auch Google mal wieder richtig aus – tatsächlich, vorsorglich und mit Ansage. Dem verspäteten Frühjahrputz fielen letztes Jahr laut Googles Trust and Safety in Ads Report insgesamt 3,2 Milliarden Werbeanzeigen respektive Bad Ads zum Opfer. Das sind 100 Werbeanzeigen pro Sekunde. 

So viele nämlich verstießen gegen die Werberichtlinien des Tech-Giganten und wurden daher aus dem Werbenetzwerk von Google verbannt. Das ist zunächst keine schlechte Nachricht, vor allem für User, wurden doch auch 79 Millionen Ads gelöscht, die auf Malware-Seiten geführt hätten. Genauso verbannte Google 66 Millionen „Trick-to-Click-Banner“. Insgesamt scheint also der Trust and Safety Report in Sachen irreführender oder gar betrügerischer Werbeanzeigen seinem Namen alle Ehre zu machen. 

Auch Publisher-Werbeanzeigen wurden verbannt

Dass es Google ungeachtet der Herkunft der Anzeigen sehr genau nimmt mit seinen Werberichtlinien, zeigen unter anderem folgenden Zahlen: 320.000 Publisher wurden aus dem Werbenetzwerk entfernt, weil sie Googles Publisher-Richtlinien missachtet hatten. Hinzu kamen 90.000 entsprechende Webseiten und 700.000 mobile Apps. 

Genauso sagte Google all jenen Seiten bzw. Werbeanzeigen den Kampf an, die diskriminierende Inhalte verbreiten. 8.700 dieser Art wurden seit April 2017 bis Ende letzten Jahres gelöscht. Am Ende dienen diese Aufräumaktionen natürlich der Reputation des Google-Netzwerks. So sollen Seiten, die Werbung über das Netzwerk ausgespielt bekommen, natürlich sicher sein, nicht mit beliebigem Werbemüll oder gar betrügerischen, hetzerischen oder irreführenden Anzeigen bestückt zu werden. Gerade für Newsseiten und andere journalistische Formate kann dadurch die Glaubwürdigkeit schnell aufs Spiel gesetzt werden. Auch deshalb veröffentlichte Google letztes Jahr, und neben den 28 neuen Richtlinien für Werbeanzeigen, gleich auch 20 neue Richtlinien für (oder mitunter auch gegen) Publisher.

Großer Google-Kuchen und große Verantwortung

12,6 Milliarden US-Dollar schüttete Google letztes Jahr an Seiten(betreiber) aus, die Google Ads beispielsweise über AdSense auf ihren Online-Präsenzen zeigten. Doch, wer Geld mit Google verdienen will, muss sich an die Regeln halten bzw. „[...] in order to make money from Google ads, you have to play by rules."

Einige taten das nicht und wollten zu schnell zu viel vom großen Google-Werbekuchen. So wurden von den 11.000 untersuchten potenziellen Content-Scammern, also Schwindler-Seiten, die vorgeben, etwas ganz Anderes zu sein und damit illegitim Werbung abspielen, die nicht zu ihrem Thema passt, 650 blockiert und 90 aus dem Werbenetzwerk geschmissen. Das heißt, das eine kleine Zahl von Publishern für die meisten Betrugsfälle verantwortlich ist. Und auch die Raubfreunde der Copy-and-Paste-Fraktion wurden abgestraft. 12.000 Seiten blockierte Google mit dem Verdacht auf Content-Klau. 2016 waren es noch 10.000.

Genauso abgestraft wurden Seiten, die sensationelle Headlines wie „Ellen DeGeneres adopts a baby elephant!“ veröffentlichten. Nicht, weil sie die bekannte US-Entertainerin oder andere Promis damit diskreditieren, sondern diese Sensationsheadlines nutzen, um sich auf Werbeanzeigen als Promi-Presse zu tarnen und dann Dinge auf ihrer Seite verkaufen, die nicht im Entferntesten etwas mit Ellen DeGeneres, Elefantenbabys oder Adoption zu tun haben. 7.000 AdWord-Accounts dieser betrügerischen Art sperrte Google letztes Jahr. Ein Jahr zuvor betrug diese Zahl noch 1.400.

Jetzt geht's den Kryptowährungen an den Kragen

Auch die Werbeanzeigen für Kryptowährungen, Initial Coin Offerings (ICO), Wallets oder Kryptobörsen werden bald nicht mehr Teil des Werbenetzwerks von Google und damit auch von YouTube sein. Ab Juni nämlich haben diese Anzeigen keinen Platz mehr im Milliarden-Markt der Werbeanzeigen. Mit diesem Schritt begibt sich der Internet-Gigant auf die Spuren von Facebook, das bereits im Januar Krypto ganz unmissverständlich aus seinem Werbenetzwerk verbannt hatte. Nun setzt auch wohl bald Twitter auf dieses Pferd und wird seinerseits die Werberichtlinien neu anpassen – gegen Anzeigen von Kryptowährungen.

Geschützt werden sollen die User damit vor allem vor betrügerischen Angeboten rund um Bitcoins, Ethereum und andere, unregulierte Kryptowährungen und Investment-Angebote. Vielleicht ein kleiner Beitrag zum Anlegerschutz, da viele private Investoren zu blauäugig auf die Krypto-Welle aufgesattelt haben – mit großen Verlusten, als Opfer von Betrügern und demnach auch mit einer gewissen Wut auf diejenigen Plattformen, die solche Anzeigen zulassen. 

In welcher Form man künftig Werbung für Kryptowährungen, Walltes, ICO und Börsen begegnen wird, wird die Zukunft zeigen. Vielleicht als Umfragen oder Abstimmungen wie hier auf PC Welt online?

Google Trust and Safety in Ads Report

Andere Verlage wiederum nehmen die Werbeanzeigensanktionen von Google, Facebook und Twitter satirisch und nutzen den Werbebann für Bitcoins und Co. ganz in ihrem Sinne. Das funktioniert bisweilen nicht nur online, sondern auch für Print – wenigstens wenn es um (Selbst)-Ironie und Humor geht und darum, Kryptowährungswerbeverbote crossmedial und gratis in eigener Sache zu verwenden.

Google Trust and Safety in Ads Report1

Bild: ©Eulenspiegel, Ausgabe 04/2018

Autor: MB

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