Blickwinkel

Kaufland-Kost für Wackens Metal-Fans

Regionale Vermarktung

Kaufland wird Hauptsponsor des „Wacken Open Air“ (W:O:A) und darf vom 29. Juli bis 3. August beim größten Heavy-Metal-Festival der Welt ein Verkaufszelt aufschlagen. Auf 1.300 Quadratmetern will die Supermarktkette die „Vollversorgung der 75.000 Fans direkt auf dem Veranstaltungsgelände sicherstellen“, heißt es in der Pressemitteilung zu dieser Image-trächtigen Kooperation.

Festival-Sortiment ohne Festivalzuschlag

Darf‘s noch ein bisschen mehr sein? – So soll es im sogenannten „Metal Markt“ neben Grillfleisch, Snacks und kühlen Drinks auch Grills, Zelte, Campingstühle und „weitere Artikel, die Fanherzen höher schlagen lassen“ geben. Also, keine Ausrede, wenn die Zahnpasta alle ist oder die Sonnencreme vergessen wurde. Der Hammer: Alle Waren werden zu den üblichen Kaufland-Preisen angeboten, also ohne Festivalaufschlag. Über 100 Kaufland-Mitarbeiter sollen die Festivalbesucher in besagter Zeit von früh bis spät versorgen.

Kommt nicht nur gut an

Die Resonanz der Metal-Fans ist zweigeteilt. Während sich ein Wacken-Fan unter den Ankündigungs-Post auf dem Twitter-Account des Festivals freut („Boar wie geil ist das denn“), twittert ein anderer bei Kaufland, dass er persönlich lieber im kleinen Edeka des 2000-Seelen-Städtchens einkaufen und das „Metal Zelt“ den „Kettcars Kids“ überlassen wird.

Auch essen und trinken will er lieber bei den wackeren Wackenern. Zwar ist der Besucheransturm für die kleine Stadt schon länger eine ziemliche Herausforderung, doch sind die Goldtaler der hungrigen und durstigen Metal-Fans aus der ganzen Welt während der Festivalzeit natürlich eingeplant. Und auch wenn die beiden ortsansässigen Supermärkte unter dem Ansturm der Besucherhorden schon an ihre Grenzen kamen, wird die Kaufland-Koop nun erhebliche finanziellen Einbußen bringen. Seit 1990 steht die Gemeinde in Schleswig-Holstein für ein paar Tage im Jahr im Mittelpunkt der Metal-Festival-Szene.

Win-win für (fast) alle

Nun freut sich Wacken-Mitgründer und Veranstalter Holger Hübner über den Deal: „Für unsere Gäste bedeutet die neue Partnerschaft mit Kaufland kürzere Wege, eine noch bessere Versorgung direkt auf dem Gelände und faire Preise. Dadurch wird sich der Festivalspaß in Wacken weiter steigern.“ Auch Kaufland Deutschland Vorstand Richard Lohmiller jubiliert: „Wir sind sehr stolz darauf, uns bei einem so großen Musik-Festival zu präsentieren.“ Kein Wunder, hat sich die Baden-Württembergische Lebensmittelkette mit dem größten Heavy-Metal-Festival der Welt doch den fettesten Fisch unter den deutschen Festivals geangelt.

Lebensmittelhandel goes Party

Allerdings war der Teich auch schon ziemlich leer gefischt. Denn die Supermarkt-Kette ist wahrlich nicht der erste deutsche Lebensmittelhändler, der sich unter das Freiluft-Partyvolk mischt. Den Anfang machte Lidl schon 2014 mit dem Hurricane Festival, welches dem Discounter dann von Penny weggeschnappt wurde – das wiederum den Kürzeren zog gegenüber der ostfriesischen Supermarktmarke Combi. Lidl tröstet sich derweil seit 2015 mit Rock am Ring auf dem Nürburgring – und seit diesem Jahr auch mit der Parallelveranstaltung Rock im Park. Penny rockt seit 2015 noch beim Elektro-Festival Parookaville in Weezen und dem Highfield Festival nahe Leipzig. Konkurrent Aldi Nord zeltet seit vergangenem Jahr auf dem Deichbrand Festival in Cuxhaven – auf über 2.100 Quadratmetern und damit sogar deutlich opulenter als das geplante Kaufland-„Metal Zelt“. Die Schwester Aldi Süd will es dieses Jahr mal beim Southside Festival in Neuhausen versuchen. Real baut auf die Festivalbesucher vom Sputnik-Springbreak in Ouch und dem Sonne-, Mond- und Sterne Festival in Saalburg.

Auf den Geschmack gekommen

Scheint, als sei die Versorgung von fußfaulen Festival-Besuchern ein lukratives Geschäft. Und überdies eine Chance, neue Zielgruppen zu erschließen und das Image aufzupimpen. So scheint beispielsweise Penny richtig auf den Geschmack gekommen zu sein. 2019 wird der Discounter quasi nicht mehr aus dem Feier-Modus rauskommen. So nimmt Penny, nach einem erfolgreichen Live-Gig 2018 in einer Hannoveraner Filiale, seine feierwütige Kundschaft dieses Jahr auf eine „Zeitreise zu den großen Hits der 90er“ quer durch die Republik. Da ist dann auch egal, ob die Sonne scheint oder das Wetter sich in Festival-Manier gewohnt feucht feiern lässt.

Autor: KS

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